Normalerweise sind die Spieler der HSG Konstanz in blau-gelben Trikots und kurzen Hosen für den gepflegten Umgang mit dem Handball zuständig. Am Montagabend bewegten sie sich auf gänzlich ungewohntem Terrain: In blütenweißen Oberhemden waren sie am Zapfhahn und Sektbüfett für das leibliche Wohl der Gäste im Konstanzer Autohaus Graf Hardenberg verantwortlich.
– unter diesem Oberbegriff hatte die HSG Konstanz rund 100 Freunde, Gönner und Unterstützer des Vereins eingeladen. Auch wenn Jürgen Glassner, Vorsitzender des Fördervereins der HSG Konstanz und Mitorganisator der Veranstaltung, das Wort „Sponsoren“ meidet. „Partner – das passt doch besser. Das ist ein Geben und Nehmen zwischen den Vereinen und Gönnern.“ Dass ein Verein der Größenordung der HSG Konstanz ohne Sponsoren – oder eben Partner – nicht mehr auskommt, machte HSG-Präsident Otto Eblen klar: „Unser Unterbau nach dem Aufstieg der A-Jugend in die Bundesliga kostet uns pro Saison zusätzlich rund 40 000 Euro. Das können wir ohne fremde Hilfe nicht stemmen.“ Eblen ließ durchblicken, dass die Suche nach neuen Unterstützern oft ein hartes Brot sei – vor allem, weil Konstanz eine Tourismus-Hochburg sei, in der sich vieles um die Freizeitgestaltung drehe, Sportvereine bei der Sponsorensuche aber nicht immer auf offene Ohren stoßen würden.
Deshalb blicken die Macher der HSG auch gerne über die Grenze, in die Schweiz. Wie einer der größten Schweizer Fußballvereine, der FC Zürich, mit Sponsoren arbeitet, darüber gab dessen Marketing-Manager Christian Müller Auskunft. Im Plauderton und mit österreichischem Charme lockte Moderator Martin Böckle auch die anderen Interview-Partner aus der Reserve. So erzählte Sascha Heyer, Beachvolleyballer aus der Schweiz, von seinen Erfahrungen mit Sponsoren in seinem Sport, in dem bei den Frauen inzwischen sogar die nackte Haut als Werbefläche genutzt wird. So weit ist es beim Handball – zum Glück für die jungen Sportler der HSG – noch nicht gekommen. Die Drittliga-Truppe trägt aber – will man dem Zürcher Marketing-Mann Christian Müller glauben – derzeit auf dem Handballfeld viel dazu bei, dass ihr Verein für Sponsoren interessant erscheint. Je größer der sportliche Erfolg, so Müller, desto höher sei nämlich der Stellenwert bei finanzstarken Unterstützern. Und die HSG-Spieler sind nicht nur am Zapfhahn erfolgreich, sondern auch mit dem Handball, wie sie am vergangenen Samstag mit einem toll herausgespielten Sieg über Kirchzell und dem Sprung auf Platz vier der 3. Bundesliga gezeigt haben.