Samstagabend, 20 Uhr: Prime time im Fernsehen. Aber was die HSG Konstanz und die SG Leutershausen an diesem Abend in der Schänzlehalle geboten haben, das kann kein Fernseher bieten. 800 Zuschauer wurden Zeugen eines Handballkrimis auf sehr hohem Niveau, den die Konstanzer mit 32:30 für sich entschieden.
Konstanz hatte etwas Startschwierigkeiten, die Gäste legten hingegen gut los und erspielten sich eine 6:3-Führung (8.). Die HSG, die ohne Matthias Faißt begann, da dieser sich am Freitag im Training verletzt hatte und daher neben der Bank Platz nahm, hielt die Partie aber offen und ließ den Vorsprung nicht zu groß werden. Erst eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Tobias Eblen schien die Gastgeber aufzuwecken. Nachdem auch Yannick Schatz eine Zeitstrafe bekommen hatte, agierten die Konstanzer beinahe vier Minuten in Unterzahl. Und genau diese vier Minuten nutzten sie, um die Partie auszugleichen. Als sie dann wieder vollständig waren, besorgte Oliver Schoof die erste Konstanzer Führung – 10:9. Konstanz ließ den Ball laufen und war nun ebenbürtig.
Es entwickelte sich ein handballerisch hochklassiges Match zwischen zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten. Dementsprechend häuften sich auch die persönlichen Strafen. André Melchert sah die Rote Karte, da er das Gesicht des Gegners im Zweikampf traf anstatt den Ball. Auch die Gäste spielten in diesem emotionsgeladenen Spiel oft in Unterzahl.
Matthias Faißt kam nach der Roten Karte von Melchert und erzielte drei Treffer in Folge. Die Gastgeber blieben so in Front und nahmen ein Drei-Tore-Plus mit in die Halbzeit.
Auch nach der Pause blieb es ein hitziges Duell. Die Gäste traten aufs Gas und zeigten, was sie wirklich können. Extrem hohes Tempo nach vorne, clevere Spielzüge und eine gute Defensivarbeit waren die Qualitäten, mit denen die Leutershausener zurück ins Spiel kamen, die ersten Treffer machten und schon nach zwei Minuten mit 16:17 wieder dran waren. Aber auch die Gastgeber zeigten ihr Können. Eine aggressive 5:1-Defensive mit Christoph Babik auf der vorgezogenen Position und ein konsequentes Spiel in der Offensive waren die Bausteine für eine Top-Leistung. Der Ball lief wie am Schnürchen durch die Reihen; selbst wenn ein Wurf möglich war, spielten die Konstanzer den noch besser positionierten Mitspieler an. Zudem war die Fehlerquote geringer als in den letzten Partien.
Da beide Mannschaften ebenbürtig waren, entstand ein wahrer Nervenkrieg. Und den entschieden die Gastgeber am Ende für sich. Die Gäste waren durchaus in der Lage, hier die Punkte mitzunehmen, sie dezimierten sich jedoch selbst mehrfach wegen Meckerns, der Gäste-Trainer provozierte das Publikum und so wurde die Schänzle-Halle für die SG Leutershausen zur Schänzle-Hölle. Konstanz erhöhte den Vorsprung merklich und die Zeit lief den Gästen davon – 30:25 (54.).
Der Leutershausener Trainer Holger Löhr stellte nun auf eine 4:2-Defensive um, agierte wenig später mit einer offensiven Manndeckung und brachte einen siebten Feldspieler, indem er den Torhüter herausnahm. Die Konstanzer Defensive aber hielt stand. Als Yannick Schatz in der letzten Spielminute den Treffer zum 32:29 erzielte, war die Partie gelaufen. Das 30. Tor der Gäste zum 32:30-Endstand war nur noch Ergebniskosmetik.
HSG-Trainer Daniel Eblen brauchte nach dem Spiel noch ein paar Minuten, um das Spiel zu verarbeiten. „Am Ende war unsere aggressive Abwehrarbeit der Knackpunkt“, so Eblen über den Erfolg, der im nachhinein so enorm wichtig ist, da Bad Neustadt zuhause gegen Balingen-Weilstetten II erfolgreich war und die Ausgangssituation die gleiche bleibt: Fünf Punkte beträgt der Vorsprung der HSG auf die Abstiegsränge.
