Regionalsport SeeWest „Völlig ungewöhnlich“
05.03.2009
Deutscher Teamarzt Prof. Dr. Kurt Steuer
Wir sprachen mit Mannschaftsarzt Prof. Dr. Kurt Steuer.
Herr Professor, wie haben Sie die Situation erlebt?
Wir laufen einen Angriff, schließen den auch erfolgreich ab, Sebastian Faißt läuft in die Deckung zurück und bricht ohne jeden Kontakt, ohne jeden Einfluss von außen zusammen.
Waren Sie gleich in großer Sorge?
Sebastian war, was mich alarmiert hat, schon in dieser Situation zunächst bewusstlos mit weiten Pupillen, was ungewöhnlich ist. Das, und die Tatsache, dass Sebastian noch mal wach geworden ist und gesagt hat, dass er uns nicht sehen kann, war ein Verlauf, der extrem ungewöhnlich ist. Auch die Tatsache, dass unter wirklich guten Rahmenbedingungen für die Behandlung jemand über mehr als 60 Minuten suffizient reanimiert wird, dass ein gesunder Sportler da nicht zurückkommt, dass wir ihn ‚nicht kriegen', wie wir Ärzte das im Jargon sagen, das ist völlig ungewöhnlich. Der Schweizer Notarzt war nach höchstens zehn Minuten da, weil er praktisch vom Spielfeld aus alarmiert worden war, und es waren eigentlich gute Abläufe – und trotzdem waren wir unterm Strich komplett unerfolgreich.
Sie sprachen bald von einem ‚geplatzten Blutgefäß' im Kopf.
Ja. Der Ablauf hat mich am Abend schon dazu veranlasst, von einem Prozess im Kopf zu sprechen und nicht auf die üblichen kardiologischen Ursachen hinzuweisen. Im Spitzensport, muss man wissen, erklären sich ja 90 Prozent plötzlicher Todesfälle über Herzversagen.
Wie ist die Rechtslage, wo liegen Verantwortlichkeiten?
Mit einer solchen Frage haben wir uns noch nicht auseinandergesetzt. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass wir noch in der Halle der Familie gesagt haben, dass wir großen Wert auf eine Obduktion legen, weil es sich um einen unklaren Todesfall handelt. Das wird geschehen und ich bin ich froh darüber, weil wir über die Sektion hoffentlich ein Ergebnis über die Todesursache bekommen.
Sebastian Faißt wird in Zürich obduziert. Das kann ihn nicht wieder lebendig machen, aber mit einem Ergebnis kann man besser mit der Tragödie umgehen?
Ja. Dann hätten wir alle mehr Klarheit.
Fragen von Ralf Mittmann
