Die Luft ist nicht raus bei Sabine Spitz. „Vielleicht hat etwas der lange Atem gefehlt“, präzisierte das Mountainbike-Idol aus Niederhof nach ihrem dritten Platz am Sonntag (wir berichteten bereits) beim Abschlussrennen der Schweizer MTB-Serie in Basel. Auch wenn Sabine Spitz (40) im Zielsprint auf den letzten Metern die Siegerin Annie Last aus Großbritannien und die Schweizer Meisterin Jolanda Neff per Fotofinish passieren lassen musste. Nach ihrer beeindruckenden Fahrt zur olympischen Silbermedaille zeigte Spitz, dass bei der Weltmeisterschaft in 14 Tagen in Saalfelden (Österreich) mit ihr zu rechnen sein wird.
Wie Sabine Spitz eingangs der letzten Runde Druck aufs Pedal brachte. Wie sie beim Anstieg zur technischen Passage („in den Flachstücken ist das Tempo immer wieder zusammengefallen“) die fünfköpfige Spitzengruppe zu sprengen suchte und schließlich als Erste aus dem Wald ins Stadion bog, all' das hat Ralf Schäuble ziemlich beeindruckt. „Für mich war's ein bisschen überraschend, wie Sabine nach diesen zwei Wochen mit vielen Presseterminen hier aufgetreten ist“, sagt Spitz' Ehemann und Trainer. Zwar hat sie den Gesamtsieg verpasst, doch das erste Rennen nach London hat gezeigt: „Sabine hat ihre Olympia-Form ein Stück weit konservieren können“, so Schäuble.
Das muss sie auch. In 14 Tagen will sie in Saalfelden wieder um eine Medaille fahren. „Das muss immer mein Anspruch sein“, stellt sie klar. Und dann wartet noch die Marathon-Weltmeisterschaft am 8. Oktober in Orseans/Frankreich. Wie es scheint, kann Spitz nicht genug bekommen: „Großereignisse haben mir immer neue Energie und Motivation gegeben.“
Ausweichend beantwortete sie in London Fragen nach ihrer sportlichen Zukunft. In Basel lassen Spitz und Schäuble durchblicken: Zwei Jahre in der absoluten Weltspitze kann sich das Erfolgsgespann noch vorstellen. Nächstes Jahr findet in Bern die Europameisterschaft statt, die dann 2014 in St. Wendel ausgetragen wird. „Zu St. Wendel habe ich eine besondere Beziehung“, sagt Spitz. 2001 gewann sie dort EM-Silber – ihre erste internationale Medaille. 13 Jahre später könnte sich im Saarland für sie der Kreis schließen.
Noch aber hält sich Spitz alle Optionen offen. Sie will selbst entscheiden, wann ihr Körper und ihr Kopf nicht mehr für den Spitzensport in der Lage sind. „Der Mountainbikesport ist für mich Passion“, erklärt sie in Basel. „Wenn ich keinen Biss und Ehrgeiz mehr spüre, dann wird aus Passion schnell Quälerei.“ Dann sei sie an einem Punkt angekommen, an dem sie ernsthaft über einen Rücktritt nachdenken müsste. Von diesem Punkt aber fühlt sich Spitz noch weit entfernt.
Und Olympia 2016? Rio de Janeiro und die brasilianische Begeisterungsfähigkeit sind sicher auch für Mountainbiker ein lohnenswertes Ziel, räumt Spitz ein. Zu 99 Prozent hatte sie in London ausgeschlossen, die kommenden Spiele – es wären ihre fünften – als Sportlerin auf dem Bike zu erleben. „Dieses eine Prozent bleibt aber stehen“, sagt sie augenzwinkernd.
Was sie mit ihrem Mountainbike bereits alles erreicht hat ist außergewöhnlich. Bei Olympia konnte sie bereits Gold, Silber und Bronze gewinnen. Lesen Sie alles über die erfolgreiche Sportlerin in unserem Themenpaket.
