Im Fußballbezirk Hochrhein verschieben sich die Kräfte. Städtische Vereine rutschen in die Kreisligen ab. SV Schopfheim, VfB Waldshut und FC Bad Säckingen auf dem Tiefpunkt angekommen.
Echte Herzenssache: Bei einem Dorfclub wie dem Bezirksliga-Aufsteiger FC Grießen „leben und lieben“ Spieler und Fans ihren Verein.
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Absturz: Rouven Rünzi kann es nicht fassen. Erstmals seit 1949 und ausgerechnet im Jahr des 100. Geburtstages muss der FC Wehr in die Kreisliga absteigen.
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Und alle machen mit: Beim Titelgewinn des SV Herten vor einem Jahr war das komplette Dorf auf den Beinen und feierte eine unvergessene Meister-Party.
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Die Gefahr ist groß, beim Blick auf die künftigen Fußballligen zu behaupten, dass früher alles besser gewesen sei. Es war vielleicht anders.
Was in diesem Sommer extrem ins Auge sticht, ist die noch stärker verschobene Struktur. In der Bezirksliga, wo einst die Clubs aus den Städten der Region dominiert haben, gaben schon im abgelaufenen Spieljahr vermehrt Dorfvereine den Takt an. Im nächsten Spieljahr verstärkt sich dieser Eindruck.
Kennen Sie Grießen? Finden Sie Eschbach auf Anhieb? Wissen Sie wo sie nach Huttingen abbiegen müssen? Ist Ihnen klar, wie sie zum Sportplatz des SV Nollingen finden? Wo liegt eigentlich dieses Rheintal? Mit einigen dieser Fragen werden sich die Gäste-Fans künftig beschäftigen müssen, wenn die Bezirksliga ab August wieder spielt.
Ein Blick auf die Einteilung zeigt, dass von den Stadt-Vereinen in den Landkreisen Waldshut und Lörrach einzig noch der SV Weil II und der SV 08 Laufenburg vertreten sein werden. 14 der 16 Clubs kommen vom Dorf – und das kann sicher kein Zufall sein.
Während beim FC Grießen die Dorfmusik zum Meistertitel aufspielte, wurde den scheinbar „großen“ Vereinen mächtig der Marsch geblasen: Der gerade 100 Jahre alt gewordene FC Wehr findet sich fünf Jahre nach dem umjubelten Aufstieg in die Verbandsliga in der Kreisliga A wieder, misst sich nicht mehr mit dem Offenburger FV sondern mit dem SV Eichsel und trifft beim FV Degerfelden seinen einstigen Abwehrspieler Waldemar Dercho wieder.
Noch schlimmer hat es zwei Traditionsvereine erwischt, die vor zwei Jahren noch gemeinsam in der Bezirksliga spielten und beide in den vergangenen 100 Jahren immer wieder für Qualitätsfußball im Bezirk Hochrhein und darüber hinaus standen. Der SV Schopfheim und der FC Bad Säckingen treten künftig in der Kreisliga B an. Und nicht genug der Schmach. Beim VfB Waldshut, der sich 2009 aus der Bezirksliga verabschiedet hat, ist das Unverstellbare ebenfalls eingetreten. Die Elf aus der Schmittenau gastiert künftig in Untermettingen, Gurtweil und Höchenschwand – Orte, die ein VfB-Spieler bisher nur vom Sonntagsausflug kannte.
Während der SV Weil, der FC Zell, der FC Tiengen 08 und – mit viel gutem Willen – der eher in Brombach als in der Stadt selbst beheimatete FV Lörrach-Brombach die Ehre der Fußballstädte retten, finden sich die restlichen Stadtvereine in der Kreisliga A: FC Kandern, SV Todtnau, der künftige FSV Rheinfelden sowie der SV Stühlingen.
Der Niedergang der städtischen Vereine scheint System zu haben. Die Probleme sind nahezu identisch. Die Mitglieder zeigen wenig bis gar kein Interesse – wie beim FV Lörrach, der sich dem FV Brombach anschließen musste. Beim FC Wehr wird verzweifelt ein Vorsitzender gesucht, nachdem nach vielen Gesprächen endlich ein Vorstand gefunden ist. In Rheinfelden schließen sich der SC und der VfR zum FSV zusammen, weil beide Vereine im Alleingang keine sportliche Zukunft mehr sahen. Noch schlimmer sieht es bei vielen Clubs am Spielfeldrand aus. In Bad Säckingen begrüßte der Kassierer die Fans fast per Handschlag. Bei den Heimspielen des FC Wehr waren Spieler und Zuschauer oft unter sich.
Für Bruno Blum, Trainer beim VfB Waldshut, ist das der Trend der Zeit: „Bei den kleinen Vereinen ist fast das ganze Dorf auf den Beinen. Fragst du in Waldshut in der Kaiserstraße nach dem VfB, dann erntest du Schulterzucken.“