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Fußball, DFB-Pokal: "Wir sind nicht chancenlos"

08.08.2008
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Samstagabend ist es soweit: Um 19.30 ertönt in der Alno-Arena der Anpfiff zur DFB-Pokalpartie des SC Pfullendorf gegen den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Auch wenn das Team von Walter Schneck krasser Außenseiter ist, freut man sich dennoch auf ein weiteres Pokal-Highlight im Linzgau.

Fußball, DFB-Pokal: SC Pfullendorf - Eintracht Frankfurt (Samstag, 19.30 Uhr). - Im Jahr 1976 stieg der SC Pfullendorf in die 1. Amateurliga auf, damals die dritthöchste Liga im deutschen Fußball. Und seither, so bilanzierte SCP-Manager Hans-Hermann Krane jüngst bei einer Pressekonferenz, befanden sich die Linzgauer stets zumindest in der höchsten südbadischen Spielklasse, kleinere Rückschläge in Form von Abstiegen wurden umgehend mit dem Wiederaufstieg behoben.

Doch nicht nur in den entsprechenden Ligen hat sich der SCP auf hohem Niveau etabliert, auch wenn der erhoffte Sprung in die 3. Liga zuletzt misslang, auch im DFB-Pokal wurden seither mehrere Fußballschlachten geschlagen. So gastierte 1978 der damalige Zweiligist FC Homburg im Linzgau, der mit einem 3:0-Sieg in die zweite Runde einzog. Zwei Jahre später war die erste Hürde mit dem Blumenthaler SV zwar nicht gerade spektakulär, dafür zogen die Pfullendorfer aber auch mit einem 2:0-Sieg in Runde zwei ein, wo gegen den SV Siegburg (0:1) aber Endstation war. 1983 dann gastierte der Bundesligist Eintracht Braunschweig in Pfullendorf und ließ beim 0:7 gar keine Hoffnung auf eine Pokalsensation aufkommen. Erst sieben Jahre später dann zog der SCP als südbadischer Pokalsieger wieder in den DFB-Pokal ein, doch dem MSV Duisburg, damals mit Ewald Lienen in der Offensive, reichte eine durchschnittliche Leistung zum 2:0-Sieg. Weitere zehn Jahre sollte es dauern, ehe der SC Freiburg im DFB-Pokal seine Visitenkarte abgab. Auch die Elf von Volker Finke zog mit einem 3:1-Sieg in die nächste Runde.

Frankfurter Kult-Team

In den folgenden Jahren, in denen das Erreichen des DFB-Pokals finanziell zunehmend attraktiver wurde, bekleckerten sich die SCP-Kicker auf südbadischer Ebene nicht gerade mit Ruhm. Dafür dann aber der Pokal-Knaller im Jahr 2006. In einem Spiel, in dem einige SCP-Akteure über sich hinauswuchsen, wurde völlig verdient Arminia Bielefeld mit einem 2:1-Sieg aus dem Rennen geworfen. Unspektakulär und undankbar dann aber das Los für Runde 2: die Offenbacher Kickers. Der Zweitligist war dann doch eine Nummer zu groß und zog mit einem 2:0-Sieg in die nächste Runde.

Und nun steht die Partie gegen den Lokalrivalen und Nachbarn der Kickers, die Frankfurter Eintracht, auf dem Programm. Während die Frankfurter Amanatidis und Spycher vor wenigen Wochen noch bei der Europameisterschaft im Einsatz waren spielten einige SCP-Akteure bis vor zwei Monaten noch in der Verbands- oder Oberliga. Die Rollenvergabe ist, wie so oft in DFB-Pokalspielen, klar. "Ohne Wenn und Aber, das ist eine klasse Mannschaft", war sich SCP-Trainer Walter Schneck nach der Beobachtung des kommenden Gegners am vergangenen Samstag schnell klar darüber, dass sein Elf die klare Außenseiterrolle einnimmt. Dennoch verweist er auch auf die Stärken der eigenen Spieler, auf deren T-Shirts der Slogan "Power inside" prangt. Ob diese Power ausreicht, um als David dem Goliath ein Bein zu stellen, darf bezweifelt werden. Die Chance aber, die stets im Pokal ruht, und die zu der Floskel von den "besonderen Gesetzen im Pokal" führt, ist der Faktor Mensch. Hießen die Gegner von Spycher und Amanatidis vor kurzem noch Cristiano Ronaldo oder Torres, so werden ihnen die Namen der SCP-Akteure eher wenig sagen. Entscheidend wird sein, ob Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel seine Elf, die vielleicht einen Spaziergang in der Linzgauer Fußballprovinz erwartet, motivieren kann.

"Wir haben im Vergleich zu vor zwei Jahren eine relativ junge Mannschaft. Zudem schätze ich die Frankfurter stärker ein als damals Arminia Bielefeld", zieht SCP-Keeper Ralf Hermanutz einen Vergleich, doch er betont: "Aber wir sind natürlich nicht chancenlos!" Wer die zehn Feldspieler sein werden, die gemeinsam mit Ralf Hermanutz eine erneute Pokalsensation anpeilen, konnte Coach Schneck noch nicht sagen, denn noch ist offen, ob von den Verletzten (Marco Daub, Ewald Beskid und Michael Falkenmayer) wieder jemand fit wird.

Doch nicht nur sportlich, auch logistisch schultert der Linzgauer Regionalligist eine große Aufgabe. Nahezu 400 ehrenamtliche Helfer gilt es zu koordinieren, auf Grund der Live-Übertragung auf Premiere muss ein Notstromaggregat für den Krisenfall zur Verfügung stehen, mehrere Tausend Fans wollen aus Frankfurt anreisen, obwohl sie noch keine Karte haben. Zu Wochenmitte waren 4000 der 7500 Karten schon verkauft, bei trockenem Wetter rechnen die Verantwortlichen mit vollem Haus und Rekordkulisse in der Alno-Arena.

Ein kritischer Blick geht dabei auch auf die Frankfurter Fans. Einige Gruppierungen sind hier polizeibekannt, die den Vereinsnamen Eintracht nicht allzu wörtlich nehmen. Während SCP-Projektleiter im Vorfeld eher auf Besonnenheit und Deeskalation setzt, erhofft sich Manager Krane druchaus Emotionen. "Die dürfen ruhig nervös werden. Denn das geschieht dann, wenn wir ein Tor geschossen haben", hofft auch der Manager auf ein spannendes Pokalmatch.

DFB-Pokal im Blick

Der SC Pfullendorf steht am kommenden Samstag, 19.30 Uhr, vor dem größten Ereignis seiner Fußballgeschichte. Die Eintracht Frankfurt, ihres Zeichens deutscher Meister von 1959 und vierfacher DFB-Pokalsieger, gibt als bislang ranghöchste Topvertretung der Bundesliga ihre Visitenkarte ab. Zur richtigen Einstimmung auf dieses Schlagerspiel finden sie täglich einen Beitrag rund um die Frankfurter Eintracht und den Gastgeber SC Pfullendorf im SÜDKURIER-Regionalsport. Heute ist der SC Pfullendorf dran, der sich in der Rolle des krassen Außenseiters wohl fühlt.
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