Diego Maradona versteht sich als Mann des Volkes – nach dem Motto: Ihr verehrt mich und daraus beziehe ich die Kraft für mein segensreiches Wirken. In gewissem Sinne ist der Mann also ein leutseliger Typ, aber das heißt noch lange nicht, dass er sich mit jedem an einen Tisch setzt. Als am Mittwochabend DFB-Pressechef Harald Stenger mit dem Nationalelf-Neuling Thomas Müller bei der Pressekonferenz auf dem Podium Platz genommen hatte, fuchtelte Maradona mit den Armen. Stenger und Müller rutschten weiter ans linke Ende, bis der Mediendirektor keinen Sitzplatz mehr hatte. Das genügte nicht, Maradona ging und kam erst zurück, als Müller gegangen war. Rote Karte also für den Jungstar von Bayern München, der gegen Argentinien seine ersten 67 Minuten Länderspielluft geschnuppert hatte. Besonders auffällig geworden war Müller nicht, weshalb ihn der große Diego auch nicht als deutschen Spieler erkannt hatte. Darüber aufgeklärt, richtete Maradona lächelnd eine „Entschuldigung“ an Thomas Müller.
Wichtiger aber war ihm, die Gunst der Stunde eines Sieges zu nutzen, „gegen dieses Deutschland, das immer großes Potenzial hat“. Die Fragen an Maradona waren kurz und präzise, seine Antworten jedes Mal ein Monolog über drei Minuten aufwärts. Die Übersetzung des Dolmetschers hielt sich wieder an die Länge der Fragen – ein, zwei Sätze. „Auch wenn es den argentinischen Journalisten nicht gefällt“, wurde Maradona übersetzt, „wir werden bei der WM eine gute Rolle spielen.“ An seine Lieblingsgegner gerichtet war auch die Auskunft, „diese Mannschaft kann nach 24 Jahren Weltmeister werden“.
Und was heißt, der Trainer Maradona habe kein Konzept, keine Taktik? „Die Spieler haben genau das ausgeführt, was wir im Training geübt haben.“ Den Nachsatz durfte sich jeder denken, … und ich angeordnet habe. Glücklich war Diego Maradona, weshalb er Herrn Stengers Bitte um Beendigung des Frage- und Antwort-Spiels zweimal ignorierte. Einiges später verließ er doch die Bühne. „Mit Gottes Hilfe können wir uns in Südafrika noch steigern“, war der letzte übersetzte Satz. Die Hand Gottes hatte genug gesprochen. (tim)
