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25.11.2012  |  von  |  0 Kommentare

Freiburg Freiburg gibt Stuttgart auf die Mütze

Der SC Freiburg hat das baden-württembergische Derby gegen den VfB Stuttgart mit 3:0 gewonnen. Und zwar hochverdient – meint SÜDKURIER-Sportchef Ralf Mittmann.

Jan Rosentahl: Nicht nur wegen seines Treffers einer der Spieler des Tages, sowohl offensiv als auch bei der Balleroberung stets präsent. Seine Aktionen hatten stets Hand und Fuß. - Note: 1  Bild: Joachim Hahne

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Sollte am Saisonende irgendjemand auf die Idee kommen und noch einmal die gesammelten Statements von Christian Streich durchgehen, dann könnte am Ende die Erkenntnis stehen, dass der Trainer des SC Freiburg etwas von einem raffinierten Hochstapler hat. Denn vor jedem Bundesligaspiel findet Streich lobende Worte für den bevorstehenden Gegner – und wenn dann der Ball rollt, sieht es oft ganz anders aus, nämlich gut für ihn und seine Jungs.

Auch vor dem baden-württembergischen Derby gegen den VfB Stuttgart war das so. Stuttgart? „Das ist momentan das Beste, was auswärts gespielt wird“, hatte Streich erklärt. Und sowieso sei der VfB Stuttgart „der große und wir der kleine Bruder“. Etwas ärgern wolle man den Großen, ihn nerven, „um ein Unentschieden zu holen oder, wenn alles passt, sogar einen Sieg“.

Natürlich ist Christian Streich kein Hochstapler, sondern ein kluger Fußballtüftler mit dem richtigen Gefühl für das Hier und Jetzt. Woche für Woche gilt es, die Rolle des sympathischen Außenseiters zu pflegen, gleichzeitig aber auch die eigenen Kicker zu höchster Konzentration anzustacheln – beides klappt mit der „ich-lob-zuerst-mal-den Gegner“-Strategie richtig gut. Doch dahinter steckt eben auch der feste Glaube, dass alles passen kann und am Ende drei Punkte auf dem Konto des Sportclubs stehen.

In der ersten Halbzeit war gestern Nachmittag denn auch wenig zu sehen von vermeintlichen Stuttgarter Vorteilen. Die Freiburger kontrollierten das Geschehen, ohne allerdings VfB-Torwart Sven Ulreich größeren Prüfungen zu unterziehen. Dies war erstmals in der 18. Minute der Fall, als Julian Schuster mit einem Schuss von der Strafraumgrenze Ulreich zu einer Parade zwang.

Die Schwaben brachten erst nach 21 Minuten einen gefälligen Angriff hin. Nach Zdravko Kuzmanovic’ 18-Meter-Schuss krachte der Ball gegen den linken Torpfosten. Sollte der Große nun auf Touren kommen und den Kleinen an den Ohren ziehen? Überhaupt nicht, denn die Freiburger waren kein bisschen geschockt, bliesen erneut zur Attacke – und dann wurde es kurios. An der Strafraumgrenze wurde Jan Rosenthal gefoult, Schiedsrichter Tobias Welz ließ aber weiterspielen, weil der Sportclub in Ballbesitz blieb. Über Max Kruse kam der Ball erneut zum gerade wieder aufgestandenen Rosenthal, der all seinen Zorn in einen 16-Meter-Schuss legte – und Ulreich keine Chance ließ (22.). Per Frustschuss zum 1:0 – da hatte in Streichs Sinne alles gepasst.

Danach wurden die Stuttgarter aktiver, ohne freilich zu überzeugen. Ausgerechnet Christian Gentner, der zuletzt stark spielte und dessen Einsatz wegen Grippe lange gefährdet war, wurde zum Unglücksraben. Erst zögerte er vor SC-Keeper Oliver Baumann zu lange (24.), dann nahm er nach einer Flanke von Cristian Molinaro dem besser postierten Vedad Ibisevic den Kopfball weg (40.). Die Freiburger konterten immer wieder, stellten sich dabei aber nicht gerade geschickt an.

Den ersten Akzent nach dem Seitenwechsel setzten die Gäste. Nach Gentners Flanke verpassten Shinji Okazaki und Molinaro der Reihe nach im Fünfmeterraum. Nachem Cedric Makiadi mit einem 25-Meter-Schuss Ulreich zu einer Faustabwehr gezwungen hatte (55.), musste auf der Gegenseite Baumann ran: Den 35-Meter-Kracher von Molinaro wehrte er mit einer Glanzparade ab (60.) – und damit war’s vorbei mit jeglicher Stuttgarter Herrlichkeit. Hatte Rosenthal frei vor Ulreich noch das 2:0 verpasst (64.), bugsierte der aufgerückte Pavel Krmas die Kugel über die Torlinie nachdem sich Ulreich und Serdar Tasci gegenseitig behindert hatten. So geschehen in der 67. Minute, und nur sieben Minuten später machte Kruse den Freiburger Sieg endgültig perfekt. Baumann, per Rückpass von der Mittellinie angespielt, schickte einen 60-Meter-Traumpass auf Daniel Caligiuri, der gewann das Kopfballduell gegen Gotoku Sakai, in der Mitte entwischte Kruse der VfB-Innenverteidigung, nahm den Ball mit rechts an und schoss ihn mit links, ohne dass die Kugel noch den Boden berührt hätte, an Ulreich vorbei zum 3:0 ins Tor.

„Wir sind die Nummer eins im Land“, sangen die Sportclub-Fans und empfahlen den Schwaben lautstark ein „Ihr könnt nach Hause fahren“. Es war ein herrlicher Fußballtag aus Freiburger Sicht, alles hatte gepasst. Schönen Gruß und Gratulation an den sympathischen Hochstapler und klugen Fußballtüftler Christian Streich.
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