Nach dem senstaionellen Einzug ins Pokal-Viertelfinale pöbelten Kiels Fußballer im Siegesrausch gegen Dortmund. Nun schlagen BVB-Fans zurück.
Rund drei Stunden nach der Sensation versanken die Spieler von Holstein Kiel endgültig im Rausch der Nacht. Fast ungläubiges Kopfschütteln, Jubel, das nächste Bier. Als wären der Sieg gegen den Bundesligisten FSV Mainz 05 und der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals nicht schon genug gewesen, bescherte das Los dem Favoritenschreck aus Liga vier für die Runde der letzten Acht auch noch Borussia Dortmund. Den deutschen Meister, Mario Götze & Co., Nationalspieler en masse.
„Die Dimensionen, die das hier langsam annimmt, sind uns noch gar nicht bewusst. So ein Gefühl ist mit Worten nicht zu beschreiben“, sagte Mittelfeldspieler Steven Müller: „Eigentlich war uns egal, gegen wen es jetzt geht. Inzwischen hat jeder Gegner Angst vor uns.“
Während sich Trainer Thorsten Gutzeit bei einer Live-Schalte am ARD-Mikrofon festklammerte und mit seriöser Miene Stellung zur nächsten Pokal-Aufgabe nahm, wurden im Hintergrund nicht nur Nettigkeiten in Richtung des BVB angestimmt.
Die Kieler Fußballer feierten den Einzug ins Viertelfinale und das Los gegen Dortmund unter anderem mit Sprechchören gegen den Deutschen Meister ("BVB - Hurensöhne"). Das Dortmunder Fanzine schwatzgelb.de rief seine Anhänger daraufhin zum Sturm auf die Facebook-Seite der Holsteiner auf. Durch das Posten virtueller Pappen in den Vereinsfarben des BVB sollte ein Zeichen gesetzt werden. Die Aktion hatte bereits am Donnerstagmorgen zahlreiche Anhänger gefunden.
Für Brisanz ist bei dem Duell im kommenden Februar also schon jetzt gesorgt. Die Kieler wollen alles daransetzen, den zu erwartenden Witterungsbedingungen zu trotzen und die Partie erneut im Holsteinstadion austragen.
Gegen die Mainzer befand sich das Feld in einem äußerst schlechten Zustand. Den Sieg des Außenseiters allein auf diesen Umstand zurückzuführen, wäre allerdings zu einfach. Die Kieler kämpften und rackerten zwar unermüdlich, wussten phasenweise aber auch spielerisch zu überzeugen. Insgesamt war Holstein die bessere Mannschaft und siegte durch das Eigentor von FSV-Stürmer Anthony Ujah (6.) und Müllers 2:0 (64.) hochverdient.
Der Mainzer Manager Christian Heidel präsentierte sich entsprechend angefressen. „Das war in allen Belangen zu wenig. Die Art, wie wir hier verloren haben, war nicht erstliga-, zweitliga- und auch nicht drittligawürdig“, sagte der 48-Jährige: „Der eine oder andere war mit dem Kopf wohl schon im Flieger in den Urlaub. Für den Verein bedeutet das Aus auch wirtschaftlich einen riesigen Verlust. Ich muss das jetzt erst einmal verdauen.“
Trainer Thomas Tuchel wollte von fehlender Einstellung seiner Spieler hingegen nichts wissen. „Wir haben keinen Sauhaufen“, sagte der Coach, war von der Leitung seiner Mannschaft aber nicht weniger enttäuscht als Heidel: „Wir haben in dieser Saison schon bewiesen, dass wir auf einem sehr hohen Niveau spielen können. Leider haben wir das jetzt wieder einmal sehr gut versteckt. Ich dachte, dass wir in unserer Entwicklung schon stabiler wären. Aber wir sind deutlich hinter den Ansprüchen zurückgeblieben, die auch die Spieler an sich selber stellen.“