Es ging im Achtelfinal-Hinspiel um eine gute Basis für den Viertelfinal-Einzug. Durch die 0:1-Niederlage haben sich die Bayern in große Bedrängnis gebracht.
Der eingewechselte Valentin Stocker erzielte den Siegtreffer (86.) für den FC Basel vor 36 000 Zuschauern im St. Jakob-Park. Die Münchner schlittern damit immer tiefer in die Krise. „Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist, weil Basel das Spiel verdient gewonnen hat“, konstatierte Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer ernüchtert. Trotz spielerischer Überlegenheit fehlte der Elf von Trainer Jupp Heynckes einmal mehr die Durchschlagskraft im Angriff. Zudem erwies sich bei mehreren guten Chancen Basels Torhüter Yann Sommer als unbezwingbar. „Das ist ganz bitter. Wir hatten uns vorgenommen, zu Null zu spielen. Dass es nicht geklappt hat, haben wir uns selbst zuzuschreiben“, resümierte Torhüter Manuel Neuer, der ein Gegentor schon vor der Pause mit seinen Paraden verhindert hatte.
Der FC Basel ist dafür auserkoren, Schweizer Fußball-Geschichte zu schreiben. Die Mannen von Heiko Vogel sind das einzige Team aus der Schweiz, das es jemals in ein Achtelfinale der Champions League geschafft hat. „Der Weg nach München beginnt in Basel“ hatten sie extra auf Kaffeetassen gemalt, die es für 29 Franken im Fan-Shop des FC Basel zu kaufen gibt. Das Finale der Königklasse steigt am 19. Mai in München. Dass es der FC Basel so weit bringen wird, ist wenig wahrscheinlich. Die Münchner dagegen möchten unbedingt ihr Heim-Endspiel erreichen.
Die vergangenen Wochen in der Bundesliga haben ebenso wie über lange Zeit der gestrige Abend Zweifel am Gelingen dieses Vorhabens gesät. Vier Minuten sah es gut für die Gäste aus Deutschland aus, Franck Ribéry hätte gar für die Führung sorgen müssen. Basels Torwart Yann Sommer hielt aber mehrfach hervorragend. Nachdem die Startphase unbeschadet überstanden war, wagte sich auch der FC Basel mehrfach nach vorne. Erst köpfte Aleksandar Dragovic Manuel Neuer an den Arm, von wo der Ball gegen den Pfosten flog (16.), dann zwirbelte Alexander Frei die Spielkugel aus etwa zwölf Metern an die Latte (19.). Und was machte Xherdan Shaqiri, dieser Kraftwürfel, wie er gerne wegen seines kompakten, fast schon quadratischen Körperbaus genannt wird? Er rannte viel, so viel sogar, dass sich seine Wege in Minute 37 Minute mit Arjen Robben kreuzten. Beide sprinteten in höchstem Tempo, Robben gewann den Lauf und spielte den Ball sicher zu Torwart Neuer zurück. Shaqiri humpelte nach dem Zweikampf kurz, eilte dann aber wieder auf seine angestammte Position auf der rechten Seite zurück. Robbens Spielweise war dabei auch gestern Abend wieder sehr durchschaubar. Kurzes Dribbling gegen zwei Leute, ein paar schnelle Schritte Richtung Mitte und dann entweder Schuss oder Flanke. Beides wenig präzise und ohne Gefahr für die Schweizer. Immerhin schien er erkannt zu haben, dass auch Mitspieler zu einem Fußballspiel gehören. Er spielte auffällig oft ab, als hätte er all die Egoismus-Vorwürfe an einem Abend beseitigen wollen. Positiv wirkte sich das aber nur allzu selten auf das Münchner Spiel aus.
Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte am vergangenen Montag eine andere Gangart von der Mannschaft gefordert. Schließlich geht es in der Champions League nicht nur um das Erreichen des Heimfinales. Es gibt auch viel Geld zu verdienen. Ein Vorstoß ins Viertelfinale würde den Münchnern weitere 3,3 Millionen Euro bringen, bislang haben sie in dieser Saison in der Königsklasse bereits 15,9 Millionen Euro eingenommen. Seit gestern Abend aber ist das Viertelfinale weit entfernt.
In der 64. Minute wollte es Robben wissen. Erst fiel er kurz vor dem Strafraum der Gastgeber hin, den Freistoß schoss er selbst – mitten in die Mauer. Es passte zu seinem unglücklichen Auftritt. Immerhin blieb ihm eine frühzeitige Auswechslung erspart. Sein Konkurrent Thomas Müller kam zwar in Minute 71 aufs Feld, runter musste aber Franck Ribéry. Der Franzose beachtete seinen Trainer Jupp Heynckes beim Gang auf die Bank nicht.
Müllers erste Aktion war ein hartes Einsteigen gegen Basels Torwart Sommer, wofür er die Gelbe Karte sah und fortan von den heimischen Fans gnadenlos ausgepfiffen wurde. Basel war in der zweiten Halbzeit in der Offensive zwar kaum mehr gefährlich, der Siegtreffer kurz vor Schluss war aber nicht unverdient.