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Erasmia WM-Spieler gegen den Lagerkoller

02.07.2010
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Wie sich die WM-Spieler in Afrika die Zeit vertreiben - Safaris, Computerspiele und Tischtennis helfen

Damenbesuch, Safari, Siesta, Golfen und im Zweifel eben Playstation: Die noch verbleibenden acht WM-Teilnehmer sind zumindest schon mal Weltmeister im Zeittotschlagen. Bloß keine Lagerkoller! Den begehrten Pokal gewinnt am Ende vielleicht jene Mannschaft, deren Betreuerteam die Fußballer über Wochen hinweg am besten bei Laune gehalten hat. „Es ist ganz normal, dass mal Meinungsverschiedenheiten auftreten. Und natürlich lebt es sich gut nach Siegen. Allgemein ist die Stimmung sehr gut im Team“, sagte Mittelfeldspieler Sami Khedira über das Innenleben im völlig abgeschiedenen deutschen Quartier Grand Velmoré.

So spannend die Spiele in Südafrika sein mögen: Langeweile ist ein zäher Gegner, der Tagesablauf für die WM-Stars fast so monoton wie ein Kuraufenthalt: Training, Essen, Schlafen, Besprechungen, Busfahrten. Die meist kühlen Nächte fallen am Kap bereits um halb sechs herein, die angespannte Sicherheitslage erlaubt kein spontanes Ausbüchsen. „Unser Trainer hat uns darauf vorbereitet, dass er uns sieben Wochen einsperren wird“, sagte Paraguays Stürmer Nelson Valdez von Borussia Dortmund. Das ist Gerardo Martino offensichtlich gut gelungen.

Khedira, Schweinsteiger, Klose & Co. waren schon zweimal auf Safari. Außerdem sind Freundinnen und Frauen der Nationalspieler in einem Hotel in Pretoria untergebracht. Für jeden Profi gab es ein Paket mit Laptop, Playstation und Digitalkamera. Heimkino, Tischtennisplatten und Quad-Cars vor der Tür sorgen für weitere Abwechslung. Die griechische Mannschaft setzte laut Stürmer Angelos Charisteas auf Backgammon-Turniere und Kartenspiele – und hatte nach den Gruppenspielen den Schwarzen Peter.

Vizeweltmeister Frankreich bekam das enge Zusammensein gar nicht: Der Unfrieden im Team bracht offen aus, die Aufarbeitung des Eklats um Nicolas Anelka beschäftigt inzwischen sogar die Regierung. Englands so enttäuschender Stürmerstar Wayne Rooney fand das WM-Leben nervtötend: „Herumsitzen, im Bett liegen um zwei am Nachmittag, das ist einfach langweilig. Ich bin frustriert im Hotel, es ist schrecklich“, hatte er schon nach der Vorrunde gestöhnt. Rooney durfte dann aber ganz schnell heim.

Rekordweltmeister Brasilien ist schon seit dem 27. Mai in Südafrika und will die WM-Reise erst nach dem 11. Juli beenden. Kaká, Lucio und andere religiöse Spieler der „Seleção“ verbringen viel Zeit mit Beten – sind aber keine Heilige: Einige – wie Angreifer Robinho – haben ihre Gattinnen in der Nähe ihres 5-Sterne-Golfhotels im Johannesburger Stadtteils Randburg einquartiert. Die privaten Entscheidungen müsse jeder selbst treffen, erklärte Trainer Carlos Dunga, „aber nicht jeder mag Sex“.

Spaniens Coach Vicente del Bosque hat seinen Spielern bislang am Tag nach jeder Partie bis 18.00 Uhr freigegeben. Einige waren schon auf Safari, in der Studentenstadt Potchefstroom bummeln oder hingen einfach in der Anlage der Noordwes Universiteit herum. Argentiniens Coach Diego Maradona gibt seinen Fußballern aus Argentinien immer den zweiten Tag nach dem Match frei. Der einstige Weltmeister weiß wie kaum ein Zweiter, dass Fußballer auch ein Leben außerhalb des Rasens haben – und brauchen. (dpa)

Achtelfinale Deutschland - England
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