Sport Urteil für die Familien
Diese Transparente finden sich in allen Bundesliga-Stadien der Republik: „Gegen den modernen Fußball“ ist darauf zu lesen. Oder: „Gegen Stadionverbote“. Ultras hängen diese Slogans an den Gattern der Arenen auf. Sie selbst bezeichnen sich gerne als die wahren Fans. Als Vorbilder dienen die Ultras aus Italien, die längst den Ton angeben bei den Vereinen auf dem Apennin. Ihr Einfluss ist so groß, dass sie die Personalpolitik der Vereine entscheidend beeinflussen, Eintrittskarten erpressen oder eigene Regeln aufstellen. Die Folge: Ausschreitungen gehören in Italien längst zum Tagesprogramm.
Vor gut zehn Jahren kam die Mode der Ultras auch in Deutschland auf. Allerdings in abgeschwächter Form. Doch Experten wie der renommierte Fanforscher Gunter A. Pilz warnen verstärkt davor, dass auch die Ultras in Deutschland von Tag zu Tag gewaltbereiter werden. Früher die Hooligans, heute die Ultras? Pilz spricht längst von Hooltras. Und tatsächlich: Krawalle der zumeist ganz in schwarz gekleideten und nicht selten vermummten Ultras sind auch bei uns keine Seltenheit mehr.
Die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sind zurecht stolz darauf, dass Frauen mit Kindern in Deutschland problemlos Bundesligaspiele besuchen können – ganz Europa beneidet uns um die familiäre Atmosphäre in den Stadien. So sollte es unbedingt auch bleiben. Vor diesem Hintergrund ist das Urteil des Bundesgerichtshofes zu begrüßen. Wer sich nicht distanziert von Randalebrüdern, sondern mit seiner Mitgliedschaft Ausschreitungen billigend in Kauf nimmt, der handelt nicht im Sinne eines friedlichen Miteinanders. Und hat in Fußballstadien nichts zu suchen.
