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Sport Trainer Heuberger:„Er war wie ein Sohn für mich“

05.03.2009


Martin Heuberger meldet sich mit zittriger Stimme am Handy. Reden fällt ihm hörbar schwer.

Martin Heuberger meldet sich mit zittriger Stimme am Handy. Reden fällt ihm hörbar schwer. Doch er möchte sein Herz erleichtern. Seinen Schmerz lindern. Durch Reden. „Das ist alles so furchtbar“, sagt er, „da wird ein junger, wunderbarer Mensch aus dem Leben gerissen. Andere wollen sterben, aber können nicht. Aber Sebastian? Grausam.“

Sebastian Faißt

Heubergers Gedanken kreisen um das tragische Ereignis am Dienstagabend in Schaffhausen. Immer wieder. Wie ein Film auf Endlosschleife.

Juniorenländerspiel Schweiz gegen Deutschland, ein Test für die WM im Sommer. Sebastian Faißt erzielt einen Treffer, rennt zurück in die eigene Hälfte. „Auf einmal bricht er in sich zusammen“, erzählt Trainer Heuberger, dem die Worte im Hals stecken bleiben; ein paar Sekunden herrscht gespenstische Stille. Schließlich fährt er fort: „Dann steht er auf, ich rede mit ihm. Er sagt: Mir ist schwindelig. Ich kann dich nicht mehr sehen.“ Faißt wird auf einer Trage vor die Kabine gebracht, Ärzte und Sanitäter kümmern sich intensiv um ihn. Ohne Erfolg.

Das Spiel geht weiter. Doch Heubergers Aufmerksamkeit gehört nur noch dem Spieler, der ein paar Meter neben ihm auf dem Boden liegt. „Er war ja wie ein Sohn für mich“, flüstert er. Als er sieht, wie Faißt mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung reanimiert werden soll, wird ihm der Ernst der Lage bewusst. „Das war so grausam. Diese Erfahrung wünsche ich niemandem.“ Kurz nach der Pause wird bekannt, dass Sebastian Faißt gestorben ist. Alle Dämme brechen. Funktionäre, Spieler und Zuschauer weinen hemmungslos.

„Du weißt nicht, was du sagen sollst. Schrecklich“, erinnert sich Heuberger, „er war so ein feiner Kerl. Und jetzt ist Sebastian einfach weg. Einfach so. Das ist unbeschreiblich.“ Bruder Matthias Faißt verfolgt die dramatischen Szenen auf der Tribüne. Zusammen haben sie bis Sommer 2008 bei der HSG Konstanz gespielt, ehe Sebastian in die Bundesliga zu Dormagen wechselte. Die Mutter wird telefonisch unterrichtet, sie reist sofort von Alpirsbach nach Schaffhausen. „Diese Frau hat einen so starken Charakter“, sagt Heuberger, „sie hat sich vor die Mannschaft gestellt und Trost gespendet. Dabei hat sie selbst gerade erst einen Sohn…“ Das letzte Wort dieses grausamen Satzes lässt er unausgesprochen. Es würde den Schmerz noch größer machen.

Später im Hotel findet eine kurze Mannschaftssitzung statt. Es herrscht Stille. „Die Spieler wurden psychologisch betreut“, erinnert sich Heuberger, „ich hoffe, dass sie das gut verarbeiten können. Sie sind doch selbst noch so jung.“ Die tatsächliche Todesursache interessiert ihn derzeit nicht. „Das bringt den Sebastian doch auch nicht wieder zurück“, sagt er, „Spekulationen bringen nichts. Lasst uns doch abwarten, was bei der Obduktion in Zürich herauskommt.“ In den nächsten Tagen möchte sich Heuberger um die Mutter des Verstorbenen kümmern. „Ich muss dieser starken Frau einfach helfen“, erklärt er, „wir müssen sie wieder in die Spur kriegen.“ Erst danach will er den Alltag wieder in Angriff nehmen. „Wissen Sie was?“, fragt er, „Handball ist mir im Moment scheißegal.

Einfach scheißegal.“ Den Spielern gab er den Rat mit auf den Weg, „alles rauszulassen. Die Jungs müssen jetzt schauen, dass sie sich schnell wieder finden“. Das Präsidium des Deutschen Handball-Bundes bietet den jungen Kerlen in den kommenden Monaten Hilfe an. Die individuellen Heimreisen mussten die Spieler mit dem Zug absolvieren. „Ins Auto durfte sich keiner setzen“, so Heuberger. Das Trainingslager in Steißlingen wurde abgebrochen, das Testspiel gestern Abend gegen die Schweiz abgesagt. „Es hätte keinen Sinn gemacht, einfach weiterzumachen.“ Keinem der Beteiligten war der Sinn nach Handball.

Martin Heuberger holte Sebastian Faißt als Jugendlichen aus Alpirsbach nach Schutterwald, als er damals dort als Coach arbeitete. Es entwickelte sich eine enge Beziehung zwischen Talent und Trainer. In der Nacht nach dem Tod des jungen Mannes kommt Heuberger nicht zur Ruhe. Er wälzt sich im Hotelbett hin und her, an Schlaf ist nicht zu denken. „Ab und zu bin ich eingedöst“, erzählt er, „dann wachst du auf und siehst auf einmal den Sebi vor dir. Da weißt du nicht: Bist du jetzt im Traum oder nicht.?“

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