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Sport Kleeblätter brachten Hoffenheim kein Glück

10.02.2012
Nach der Pokalpleite gegen Fürth entlässt 1899 Hoffenheim Trainer Holger Stanislawski. Nachfolger soll Markus Babbel werden.

Es gibt im deutschen Profifußball dieses Ritual, dass beim Vorlesen der Mannschaftsaufstellungen die Fans der Gastgeber inbrünstig die Nachnamen ihrer Spieler ins weite Rund rufen, während die Akteure auf der Gegenseite etwas weniger freundlich als „A…loch“ bezeichnet werden. Am Mittwochabend vor der DFB-Pokal-Partie gegen Greuther Fürth skandierten die Hoffenheimer Anhänger bei ihrem Team jedes Mal lautstark den Nachnamen „Stanislawski“, während sie Pro-Stani-Plakate in die Luft reckten. Am Ende half jedoch alle Unterstützung nichts. Am Morgen nach dem Aus gegen den Zweitligavierten (0:1) war Trainer Holger Stanislawski entlassen.

„Wir schätzen Holger Stanislawski als Menschen und als fachkundigen Trainer. Doch nach einem langen, konstruktiven Gespräch mit ihm sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass es besser ist, die Zusammenarbeit im Interesse aller Beteiligten zu beenden. Die jüngsten sportlichen Entwicklungen waren hierfür sicherlich ausschlaggebend“, erklärte Manager Ernst Tanner.

Die Niederlage gegen die Kleeblätter aus Fürth durch ein Tor von Olivier Occean in der 44. Minute war wohl nur das i-Tüpfelchen einer völlig verkorksten Saison. Mit Stanislawski, dem Kumpel-Trainer, der viele Jahre den Kultclub FC St. Pauli trainiert hatte, wollte die TSG das Image der Grauen Maus abstreifen. Dies gelang allerdings nicht. Nach nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Bundesligaspielen und dem Pokal-K.o. zogen die Hoffenheimer Verantwortlichen die Reißleine. Zuletzt war der Coach immer wieder aus dem Umfeld kritisiert worden. So hatte Mäzen Dietmar Hopp noch unter der Woche in einem Interview öffentlich beklagt, in der Arbeit des Trainers „keine Linie“ zu erkennen. Auch wurden die Ansprüche im Verein trotz des Sparkurses und der Abgänge zahlreicher Leistungsträger wie Demba Ba, Chinedu Obasi, Vedad Ibisevic oder Gylfi Sigurdsson nicht nach unten korrigiert. Die Angst war zu groß, dass 1899 Hoffenheim sich zu einem Abstiegskandidaten entwickelt.

Neben den Fans hatte sich auch die Mannschaft mit dem 42-jährigen Stanislawski solidarisiert. „Wir sind loyal dem Trainer gegenüber“, sagte Marvin Compper, der gegen Fürth nach einer Tätlichkeit in der 36. Minute die Rote Karte gesehen hatte. Und Kapitän Andreas Beck erklärte: „Wir wollten die Situation mit einem Sieg beruhigen, das ist uns leider nicht gelungen.“

Auf der Pressekonferenz direkt nach dem Spiel war die Entlassung noch kein Thema. Der Trainer selbst hatte da noch die Sympathiebekundungen aus der Fankurve genossen. „Grundsätzlich ist es so, dass die Jungs die Unterstützung brauchen. Ich bin nicht so wichtig, aber natürlich freut man sich. Ich habe es zur Kenntnis genommen und werde es still genießen“, sagte Stanislawski.

Auf den Bildschirmen im Hoffenheimer Presseraum lief da noch die Zusammenfassung des Pokal-Aus der TSG. Der TV-Sender Sky hatte die Highlights des Spiels mit dem Lied „Please ask for help“ von der Band Telekinesis unterlegt – übersetzt heißt das: Bitte frag nach Hilfe. Die soll nun von Markus Babbel kommen. Der 39-Jährige, der in der Winterpause bei Hertha BSC Berlin entlassen wurde, soll bereits am heutigen Freitag als neuer Coach vorgestellt werden und am Samstag in der Bundesligapartie bei Werder Bremen auf der Bank sitzen. Pikantes Detail: In der Hauptstadt musste er wegen eines Streits mit einem Vorgesetzten, Manager Michael Preetz, gehen.

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