Sport Gomez trifft Schwaben ins Herz
Toptorjäger Mario Gomez (M) entschied die Partie in Stuttgart. Foto: Bernd Weißbrod Bild: Foto: dpa
Konkret: In der 29. Minute sah VfB-Verteidiger Cristian Molinaro nach seinem zweiten Foul an Arjen Robben zum zweiten Mal die gelbe, also die gelb-rote Karte, fortan waren die Stuttgarter in Unterzahl, und das war dann eine zu schwere Aufgabe. Hatte es bis zu Molinaros Aussetzer nach Toren von Christian Gentner (7.) und Mario Gomez (13.) 1:1 gestanden, war es wiederum der frühere VfB-Stürmer Gomez, der in der 57. Minute den 2:1-Siegtreffer für die Bayern erzielte.
Wenn ein Jubiläum ansteht, schaut man gerne mal zurück. Am 12. Dezember 2010 trat Bruno Labbadia den Trainerposten beim VfB Stuttgart an, heute vor einem Jahr also, und wie damals zu Beginn seines Jobs waren auch diesmal die Münchner Bayern zu Gast. Ein 3:5 hatte es damals gegeben, Tage später gar ein 3:6 im Pokal, und sollte es nun erneut der Rekordmeister von der Isar sein, der Labbadias erstes Schwaben-Jahr unschön abrundet?
Es gab kein Abtasten, nach fünf Minuten hätte es 1:0 für die Münchner heißen müssen. Robben war Molinaro entwischt, trickste sogar VfB-Torhüter Sven Ulreich aus, hätte im Fünfmeterraum aus spitzem Winkel selbst schießen können, aber, wehe, der Holländer hätte nicht getroffen, das wäre Wasser auf die Mühlen jener Kritiker gewesen, die Robben immer wieder Eigensinn vorwerfen. Also legte er auf für Gomez, doch dem rollte die Kugel wie von böser Geisterhand umdirigiert durch die Beine – futsch war die Chance.
Im Geiste schüttelten die Spieler von Jupp Heynckes und wohl auch der Bayern-Trainer selbst noch immer den Kopf ob der vertanen Gelegenheit, da kam es noch schlimmer für die Gäste. Molinaro flankte von links in den Strafraum, Martin Harnik legte per Kopf herrlich auf für den heranstürmenden Christian Gentner, und der ließ aus zwölf Metern Entfernung Bayern-Keeper Manuel Neuer nicht den Hauch einer Abwehrchance. Die Uhr zeigte Minute sieben.
Sechs Zeigerumdrehungen weiter stellte Gomez dann unter Beweis, dass der peinliche Lapsus aus der 5. Minute bei ihm keine negative Wirkung hinterlassen hatte. Nach Flanke von Rafinha war er schneller am Ball als Serdar Tasci und spitzelte den Ball zum 1:1 ins Tor.
Die Bayern kontrollierten die Partie, aber die Stuttgarter standen kompakt. In der 25. Minute reagierte VfB-Keeper Sven Ulreich bei einem abgefälschten Schuss von Thomas Müller hervorragend – und dann kam Molinaros Tritt in Robbens Hacken. Erst traf der Italiener den Gegner, dann den Ball. Schiedsrichter Manuel Gräfe zückte sofort Gelb-Rot, was die Stuttgarter mächtig erzürnte. „Man hat doch gesehen, wie nach dem Zweikampf der Ball gerollt ist“, sagte VfB-Trainer Bruno Labbadia und befand: „Das war definitiv keine gelb-rote Karte.“ Richtig ist, dass es sich nicht um ein bösartiges Foul handelte, aber wer verwarnt ist, sollte so schlau sein, nicht derart ungestüm von hinten zu attackieren, wie das Cristian Molinaro getan hatte.
Bis zur Halbzeit konnten die Münchner ihre numerische Überlegenheit nicht in Zählbares ummünzen. Nach dem Seitenwechsel vereitelte Ulreich gegen Kroos das 1:2 (50.). Doch in der 57. Minute war auch er machtlos, als die Bayern mit einer gekonnten Kombination über Kroos, Philipp Lahm und als Vollstrecker Gomez die Stuttgarter Defensive aushebelten.
Es war der 2:1-Siegtreffer für die Münchner, die dann doch ziemlich müde wurden. So wie eine Mannschaft mit nur noch zehn Spielern ein umso höheres Laufpensum bewältigen muss (Gentner: „Da bist du dauernd am Hinterherlaufen“), muss das Team in Überzahl darauf achten, dass sich kein Schlendrian einschleicht. Den Bayern gelang dies nicht, in der 80. Minute hätte der eingewechselte Cacau beinahe noch den Ausgleich erzielt. Als van Buyten zu seinem Torhüter zurückköpfte, spritzte Cacau dazwischen und spitzelte den Ball über Manuel Neuer, aber auch über das Tor hinweg. „Es wäre ein verdienter Lohn für uns gewesen“, meinte Bruno Labbadia. Nebenan nickte Jupp Heynckes, dem die Schlussphase nicht mehr gefallen hatte, mit dem Kopf. „Stimmt, wir sind noch in Bedrängnis geraten“, sagte der Bayern-Coach, „aber wir hätten lange davor schon den Sack zumachen können.“ Irgendwie hatten beide Recht.
