Sport FC Bayern spaziert ins Halbfinale
Der Stuttgarter Georg Niedermeier (l) und der Münchner Mario Gomez kämpfen um den Ball. Bild: Uli Deck (dpa)
Es war wohl eine erste Gegnerbeobachtung. Die Münchner Bayern waren gestern Abend eben in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart aufgetaucht, da schlenderte Christian Nerlinger erstmal in den Presseraum. Auf den TV-Bildschirmen liefen gerade die beiden anderen Viertelfinal-Begegnungen des gestrigen Abends. Entspannt schaute der Münchner Sportdirektor zu. Er kaute Kaugummi und plauderte mit den Journalisten. Betont entspannt. War die DFB-Pokalpartie beim VfB Stuttgart doch eigentlich eine ungemein wichtige Begegnung für den Rest der Saison. Bei einem Aus wäre die Unruhe beim nur mittelmäßig in die Bundesliga-Rückrunde gestarteten deutschen Rekordmeister noch größer geworden. Dank des 2:0 (1:0)-Erfolgs aber haben sich die Mannen von Jupp Heynckes die Hoffnung auf das Triple erhalten. Auch der Trainer selbst kann nun wieder etwas entspannter arbeiten.
Nach der Taktikkritik in den vergangenen Wochen, als den Bayern fehlende Flexibilität in der Offensive vorgeworfen wurde, hatte Heynckes in Stuttgart eine neue Angriffsformation aufgeboten. Arjen Robben saß nur auf der Bank, für ihn stürmte Thomas Müller auf der rechten Seite. Toni Kroos durfte sich als Spielmacher auf der Zehner-Position versuchen. Am Anfang aber funktionierte auch das nicht wie gewünscht. Einen weiteren Rückschlag erlebten die Bayern in Minute 17, als Bastian Schweinsteiger wegen einer Verletzung am rechten Sprunggelenk ausgewechselt werden musste. Noch ist unklar, wie lange der Nationalspieler ausfallen wird. Für ihn kam David Alaba.
Bester Münchner im ersten Durchgang war aber eindeutig Franck Ribéry. Jede gefährliche Aktion fand bei ihm ihren Ursprung. Mit dem Tor zum 1:0 (30.) belohnte sich der Franzose selbst. Die Vorbereitung kam über die rechte Seite von Thomas Müller, die bis dahin einzig gute Aktion des deutschen Nationalspielers in Hälfte eins.
Und der VfB Stuttgart ? Der zeigte den 57 500 Zuschauern in der ersten Hälfte wenig Erwärmendes. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde es allerdings noch schlimmer. 31 Sekunden waren gespielt, da traf Mario Gomez zum 2:0 für die Gäste. Geburtstagskind Bruno Labbadia, der gestern 46 Jahre alt wurde, hatte kaum seinen Platz an der VfB-Trainerbank gefunden, da war die Partie praktisch entschieden. Für die Stuttgarter setzte sich damit zum einen die Serie ohne Sieg im neuen Jahr fort, zum anderen auch die katastrophale Bilanz im Pokal gegen München. Von nun neun Duellen haben die Stuttgarter nur eines gewonnen.
Die Leistung von gestern Abend gibt wenig Hoffnung, dass die Schwaben in den nächsten Wochen große Sprünge in der Bundesliga-Tabelle machen werden. Das Spiel am Samstag gegen Hertha BSC könnte schon zu einer Schicksalspartie für Labbadia werden. Zu langsam, zu behäbig, zu wenig durchdacht – so reicht es gegen Bayern nicht. Selbst wenn die Münchner noch nicht bei ihrer Topform sind. „Wir haben so gute Offensivspieler. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie explodieren“, hatte Heynckes vor der Partie gesagt. Zu einer spielerischen Explosion fehlte zwar auch gestern Abend noch ein Stück. Souverän zogen die Münchner Bayern aber dennoch ins Pokal-Halbfinale ein. Gut, dass sich Christian Nerlinger schon einmal die möglichen Gegner angeschaut hat.
