Sport Borussia Mönchengladbach: So gut wie seit 35 Jahren nicht mehr
Max Eberl freut sich über eine bislang sehr gute Saison seiner Borussia. Bild: Bild: dpa
Nun, ein gutes Jahr später, kann sich Sportdirektor Max Eberl entspannt an diese ungemütlichen Zeiten erinnern. Trotz der heftigen Klatsche in Stuttgart schafften die Gladbacher dank eines famosen Schlussspurts noch den Klassenerhalt. In der Relegation setzten sie sich gegen den VfL Bochum durch. Inzwischen hat die neue Saison auch gleich noch so gut begonnen wie seit 35 Jahren nicht mehr. Die Borussia ist Tabellendritter mit 13 Punkten.
Max Eberl kann jetzt wieder entspannt plaudern. „Natürlich gibt eine solche Krise auch wertvolle Erfahrungen. Wir müssen auch weiterhin sehr achtsam sein“, sagt der Gladbacher Sportdirektor im Gespräch mit dieser Zeitung. Schließlich hätte alles auch anders kommen können. Im Winter entschied man sich, mit Trainer Michael Frontzeck vorerst weiter zu arbeiten. Irgendwann aber ging es nicht mehr. Nach der 1:3-Niederlage beim FC St. Pauli Anfang Februar war allen Beteiligten klar, dass eine Trennung die beste Lösung ist. Für Frontzeck kam der Schweizer Lucien Favre – eine goldrichtige Entscheidung. Zu sehr möchte sich Eberl aber nicht im Glanz des Erfolges sonnen. „Es ist keine Genugtuung, ich freue mich, dass wir logische und richtige Entscheidungen getroffen haben.“
Mit Favre holte er einen Konzepttrainer, keinen Feuerwehrmann, der in solchen Fällen bei vielen Vereinen gefragt gewesen wäre. Nicht in Mönchengladbach. „Da hat man gesehen, dass wir eine Mannschaft mit Qualität haben, vor allem mit Spielintelligenz. Es hilft nichts, einen neuen Trainer zu holen, wenn die Spieler seine Ideen nicht umsetzen können“, sagt Eberl. Die Gladbacher Spieler aber konnten es. Die Krise, die sie lange Zeit begleitet hatte, war plötzlich vorüber. Auch die Störfeuer, die von außen durch Berti Vogts oder Stefan Effenberg gelegt wurden, waren schnell gelöscht. „Wir haben gezeigt, dass wir uns auf den Fußball und unsere Arbeit konzentrieren können, mehr möchte ich dazu eigentlich nicht mehr sagen. Ich respektiere jeden, aber eine gewisse Objektivität gehört dazu“, sagt der Sportdirektor. Nach geschafftem Klassenerhalt gab es von den zuvor scharfen Kritikern keine Regung mehr.
Nach den Erfahrungen der vergangenen Saison ist die momentane Situation bei der Borussia umso schöner. „Natürlich geht man jetzt mit einem angenehmeren Gefühl zur Arbeit“, sagt Eberl. Am ersten Spieltag hatten die Gladbacher beim FC Bayern mit 1:0 gewonnen, es war der bislang einzige Gegentreffer und die einzige Niederlage der seitdem in Topform spielenden Münchner. „Offenbar war das Spiel zum richtigen Zeitpunkt für uns. Für uns waren das wichtige drei Punkte, mehr aber nicht“, so Eberl. Offensichtlich hat der überraschende Erfolg nicht zu abenteuerlichen Zielvorstellungen geführt. Von Europa Leauge, Champions League oder gar Meisterschaft redet am Niederrhein keiner. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es am besten ist, systematisch von Spiel zu Spiel zu schauen. Dafür musste ich zwar beim Stammtisch im Fernsehen drei Euro zahlen, aber so ist es nun mal“, erklärt Eberl. Also blickt der 38-Jährige immer nur in kurzen Abständen voraus. So wie auf diesen Samstag, wenn die Borussia zu Hause gegen den 1.FC Nürnberg spielt. „Die Nürnberger sind uns noch einen Schritt voraus, die waren schon im vergangenen Jahr Sechster“, sagt er.
Nürnberg, dazu Hannover 96 und Mainz 05 – „die vergangene Saison war mit Überraschungen schon sehr extrem“, so Eberl. Ob Gladbach so etwas in diesem Jahr gelingt? „Natürlich haben wir Hannover und Mainz genau verfolgt. Aber genauso schauen wir, was gerade mit Bochum passiert. Wir waren in der Relegation nur ein Tor besser. Jetzt sind wir in der ersten Liga Dritter, Bochum in der zweiten Letzter. Daran sieht man, was im Fußball möglich ist.“
Das kleine Gladbacher Wunder war auch dadurch möglich, dass Lucien Favre den Mut hatte, mit Marc-André ter Stegen einen sehr jungen Torwart zur Nummer eins zu machen. „Der Junge macht es bislang hervorragend. Wir wussten, dass er irgendwann unsere Nummer eins wird. Die jungen Talente gewöhnen sich sehr schnell an die Bundesliga. Aber zur Entwicklung gehört auch, wie man mit Fehlern umgeht“, sagt Eberl. Auch das hat den Sportdirektor die vergangene Saison gelehrt.
