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06.03.2010  |  von  |  0 Kommentare

Wochenende Schöner schauen

Wie die Scheichs in Dubai setzen auch die Norweger für die Zeit nach dem Ölboom auf den Tourismus. Künstliche Inseln sind im Land der Fjorde allerdings nicht geplant.

 Bild: Bild: dpa



Stattdessen werden 18 Fernstraßen bis zum Jahr 2016 herausgeputzt und als „Nationale Touristenstraßen“ vermarktet.

„Wir haben die schönsten Straßen Norwegens ausgesucht“, sagt Helge Stikbakke, der Projektleiter bei Statens vegvesen, dem staatlichen Straßenbauamt in der Ex-Olympiastadt Lillehammer. Außerdem sei es darauf angekommen, dass entlang der Routen viele Aktivitäten im Freien möglich sind und die touristischen Dienstleister hohen Ansprüchen genügen. Allerdings: „Wir sind nur für die Infrastruktur zuständig“, erklärt Stikbakke. „Wir können den Restaurants nicht vorschreiben, was sie anbieten.“ Norwegen habe jahrelang im Vergleich zu Mitbewerbern wie Kanada und Neuseeland bei den Besucherzahlen verloren, sagt Helge Stikbakke. Neben der Ölwirtschaft blickten auch die Fischerei und Landwirtschaft in eine ungewisse Zukunft. Für ländliche Gebiete werde Tourismus als Wirtschaftszweig immer wichtiger – daher das Projekt. Sechs Straßen sind bis heute als „Nasjonale Turistveger“ anerkannt.

Rund 240 Kilometer nördlich von Lillehammer lässt sich erleben, was Helge Stikbakke mit „Naturerlebnis vom Autofenster aus“ meint: Mit elf Haarnadelkurven schlängelt sich der Trollstigen als Teil der Reichsstraße 63 über 800 Höhenmeter hinauf bis zur Passhöhe. Auf halber Höhe führt eine schmale Brücke am 320 Meter hohen Stigfossen-Wasserfall vorbei, dessen Gischt die Fahrbahn benässt.

Mit dem Aufstellen neuer Straßenschilder, die auf die Premiumrouten aufmerksam machen, ist es nicht getan: Picknick-Areale, Feuerstellen, Toilettenhäuschen aus Stahl, Glas, Beton, Granit, Holz und Marmor beanspruchen heute die Aufmerksamkeit.

Die von einheimischen Architekten entworfenen Anlagen sollen zweckmäßig sein, aber auch die natürlichen Reize jedes Ortes unterstreichen und ihm „einen Namen und Charakter geben“. So hat es Karl Otto Ellefsen, Professor der Architektur- und Designschule Oslo, in einem von Statens vegvesen herausgegebenen Bildband formuliert.

Ein Architekturausschuss hat daher auch über die ästhetische Güte der geplanten Bauten entschieden. Einen Effekt haben die modernen Kleinbauwerke aber auf jeden Fall: An den in Norwegen auch im Sommer gar nicht so seltenen trüben Tagen, an denen die Wolken die Berge abschneiden und sich die Landschaft hinter einem grauen Regenschleier verliert, sind sie wohltuende Blickfänge in der Natur.

Keine halbe Autostunde vom Trollstigen in Richtung Geiranger entfernt unterquert bei Gudbrandsjuvet ein Bach in einer engen Schlucht die Straße. Auch hier wurde das Besucher areal umgestaltet: Eine Brücke mit durchsichtigem Boden führt über die Schlucht. Bei Gudbrandsjuvet zeigen sich aber auch die Schwierigkeiten des ambitionierten Projektes: Wenn bei der Bauausführung geschlampt wird, wirken die Straßendesignstücke lächerlich. Zu sehen ist das an den oberhalb der Schlucht verbauten rechtwinkligen Elementen aus Glas und Beton, die nicht gleichmäßig ausgerichtet wurden und sich nun mit unterschiedlichen Winkeln gegeneinander und zur Schlucht hin neigen.

Kurz bevor die Reichsstraße 63 Geiranger erreicht, offenbart sich bei Ornesvingen die Grandiosität der Fjordlandschaft: Unterhalb eines Aussichtspunktes mit Wasserfall erreicht der Geirangerfjord mit einer langgezogenen S-Kurve den gleichnamigen Ort. Der von den Eiszeitgletschern perfekt U-förmig ausgeschmirgelte Fjord gilt als einer der Vorzeigefjorde Norwegens und ist von der UNESCO als Weltnatur erbe anerkannt. Im Hafen von Geiranger drängen sich nicht selten mehrere Kreuzfahrtschiffe, die die Gebäude des in den Sommermonaten von Touristen überrannten Ortes deutlich überragen.

Auf der anderen Fjordseite führt von Geiranger aus ein Wanderpfad zu einem nicht minder berühmten Ort: nach Skagelfa, einem verlassenen Gehöft, das auf einem grünen Sattel über dem Fjord thront. Auf der gegenüberliegenden Seite stürzen die „Sieben Schwestern“ genannten Wasserfälle in die Tiefe. Wenn dann noch gerade einer der weißen Ozeanriesen um die Ecke kommt, ist das Postkartenmotiv perfekt.

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