Weniger Schnee, weniger Wasser
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20.05.2011  |  von  |  2 Kommentare

Klimawandel Vater Rhein auf dem Trockenen

Wer liefert Vater Rhein das meiste Wasser. Nein, nicht Neckar, Mosel, Lahn und Ruhr. Sondern die Zuflüsse aus der Schweiz. Doch das könnte sich ändern. Weil in den Alpen wegen des Klimawandels der Schneefall nachlässt und dann auch die Gletscher weniger Wasser geben.
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Trockenen Vater Rhein auf dem

Jedes Jahr im Sommer hält es der Schnee aus den Alpen dort nicht mehr aus. Geschmolzen macht er sich auf zu den Flachland-Tirolern, die ein paar Monate zuvor noch beschwingt auf ihm zu Tal geglitten sind. Das ist kaum einem Skifahrer aus Köln oder München bewusst. Doch ohne das Wasser aus Europas Dachstube sähen der Rhein oder die Flüsse des Alpenvorlandes im Juli oder August kümmerlich aus. Und natürlich auch der Po in Italien oder die Rhône in Frankreich.

Denn Gebirge speichern Schnee oder Eis über Monate und lassen sie erst zeitverzögert wieder los. So waren im Hitze-Sommer 2003 Verkehrsadern wie der Rhein dank der Schnee- und Gletscherschmelze noch halbwegs schiffbar. Denn im Spätsommer jedes Jahres speisen sich Rhône und Rhein wesentlich aus Schnee- und Gletscherschmelze. „Im August 2003 hat der Rhein am Pegel Rheinfelden zu 35 bis 45 Prozent Schmelzwasser geführt“, sagt der Hydrologe Massimiliano Zappa von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Ob es dabei bleibt, ist fraglich. Nicht nur wird in den Alpen künftig wohl weniger Schnee fallen, sondern auch ihre Gletscher könnten bis zum Ende dieses Jahrhunderts drei Viertel ihres Eises verlieren. Der Klimawandel trifft die Bergländer besonders: Im 20. Jahrhundert ist die Lufttemperatur der Alpen um 1,5 Grad Celsius gestiegen – gegenüber bereits bedenklichen 0,8 Grad im weltweiten Mittel. Sollte die Lufttemperatur in den Alpen bis 2100 um weitere drei bis vier Grad steigen, wären fast alle Alpengletscher Geschichte. Auch Gletscherbäche gäbe es dann nicht mehr – sie werden über die verstärkte Tauperiode hinweg erst anschwellen, schließlich aber zu Rinnsalen.

Ein Beispiel dafür ist der Bach, der den Vernagtferner in Österreich entwässert – einen noch acht Quadratkilometer großen, aber bereits in zwei Teile zerfallenen Gletscher, der seit 30 Jahren schrumpft. Von 1974 bis 2007 hat sich die Schmelzwasser-Abflussmenge an der Pegelstation Vernagtbach nahezu verdoppelt, „und zwar maßgeblich gesteuert durch die Gletscherspende“, wie die bayerische Meteorologin Heidi Escher-Vetter festgestellt hat.

In den stärker vereisten Einzugsgebieten der Flussoberläufe wird das Schwinden der Gletscher also eine beträchtliche Rolle spielen. „Im Ötztal etwa, wo derzeit in den August-Monaten etwa 40 bis 60 Prozent der Wassermenge der Ötztaler Ache aus Gletscherschmelze bestehen, wird dieser Anteil bis Mitte des Jahrhunderts auf etwa 70 Prozent steigen“, sagt die Geografin Monika Prasch von der Universität München.

Aber schon am Donau-Pegel von Achleiten nahe Passau, also nach dem Zusammenfluss von Donau und Inn, spielt die Gletscherschmelze im Sommer kaum noch eine Rolle. „Ihr Anteil am Donau-Wasser macht dort im August derzeit etwa zehn Prozent aus“, sagt Monika Prasch. Viel entscheidender für den Donau-Pegel seien Schneeschmelze, Regen und das Grundwasser.

Am Oberrhein jedoch hält der Zürcher Geografie-Professor Wilfried Haeberli in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ausgeprägte Sommer-Niedrigwasser für möglich – „wesentlich mitverursacht durch die mögliche Häufung extrem trocken-heißer Sommer“. Erst recht könnte dann eine Hitze-Periode wie 2003 den Rheinpegel bedrohlich sinken lassen. Das hat Folgen für Frachtschiffe, die Landwirtschaft und die auf Kühlwasser angewiesenen Kraftwerke und Industriebetriebe entlang des Stroms.

Das Hauptproblem für die Rhein-Nutzer wird aber nicht fehlende Gletscherschmelze sein, sondern die Abnahme der Schnee-Menge. „Wenn die Schneefallgrenze in den Alpen steigt, dann wird weniger Niederschlag als Schnee gespeichert, und entsprechend weniger geschmolzener Schnee kann im Sommer in Flüsse wie den Rhein abfließen“, sagt Vassilis Kolokotronis von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Der Schnee-Mangel hätte herbe Konsequenzen. Denn am Pegel Maxau bei Karlsruhe betrage der Anteil des Schweizer Rheinwassers im Hochsommer „geschätzt nach der Methode Pi mal Daumen etwa zwei Drittel“, sagt der Hydrologe. Weniger Neckar und Mosel versorgen Vater Rhein als die eidgenössische Zufuhr etwa von Aare, Reuss und Limmat. Kein Wunder, dass rund die Hälfte des Rheinabflusses in die Nordsee aus der Schweiz stammt.

Trockenen Vater Rhein auf dem
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2 Kommentare
erzählen die einen
wenn es nach den anderen geht werden sowohl die winter nässer als auch die sommer und somit ist der rhein dann doch wieder gefüllt.
das ganze ist wohl mehr glaskugel schauen als wirkliches wissen!
Wasserwanderung
Ein Vorteil vorne weg.Die Alpen trifft dann weniger Schuld beim Steigen des Meeresspiegels.
Nun macht sich unser Wasser auf Wanderschaft und
besucht Regionen die es schon lange nicht mehr
besucht hat.Aber Gott sei Dank, es bleibt der Erde erhalten ,wenn auch an anderen Orten.
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