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08.03.2013  |  von  |  0 Kommentare

Computer Schwache Schale, lahmer Kern: Notebooks unter 400 Euro

Lahm, sperrig und schlecht verarbeitet: Ein Notebook für 400 Euro und weniger taugt kaum als leistungsstarkes und vor allem mobiles Arbeitsgerät. Nur Kunden mit geringen Ansprüchen dürften damit wirklich glücklich werden. Experten erklären, mit welchen Nachteilen man rechnen muss.

Schnäppchen oder Billigware? Günstige Notebooks sind schnell überfordert.  Bild: dpa



Tablets boomen. Und auf dem Notebook-Markt werben die Hersteller vor allem mit kleinen und leichten Geräten, die selten weniger als 1000 Euro kosten. Aber was taugt eigentlich ein einfaches Notebook für wenig Geld? Praktisch alle namhaften Anbieter haben Modelle um die 400 Euro im Angebot. „Die Geräte werden gemeinhin als Einsteigergeräte bezeichnet“, sagt Andreas Streim vom Branchenverband Bitkom. Mit Notebooks in dieser Preisklasse lassen sich die meisten einfachen Arbeiten am Computer gut erledigen. Besondere Qualität dürfen Käufer der Geräte aber nicht erwarten.

„Das Angebot an günstigen Notebooks ist relativ vielfältig“, sagt Hans Stahl, Direktor am Institut für Informatik der Fachhochschule Köln. Und die Geräte würden durchaus gekauft. „Viele wollen heute einen Rechner, aber nicht Hunderte Euro ausgeben.“ Denn für ein gutes Notebook sei man schnell 500 bis 700 Euro los.

Wie gut Notebooks um die 400 Euro (und weniger) ausgerüstet sind, hänge stark vom Anbieter ab, sagt Stahl. „Es gibt Geräte vom Discounter, die umfassend ausgestattet sind: mit TV-Karten für DVB-T, Kartenleser und Adapter für externe Geräte.“ Ein Vorteil der Billiggeräte: „Es gibt eine ganze Menge nützlicher Software.“ Der Nachteil der vorinstallierten Programme: Oft handelt es sich dabei nur um Testversionen, die nach 30 Tagen deaktiviert werden oder einen Teil ihrer Funktionen verlieren.

Stahl sagt aber auch: „Es hat einen Grund, warum ein Notebook nur 400 Euro kostet.“ Und Arnt Kugler vom Technik-Portal „Chip Online“ wird noch deutlicher: „Die Qualität von Notebooks in dieser Preisklasse ist bestenfalls befriedigend, meistens aber eher ausreichend bis schlecht.“

Das fängt schon bei der Verarbeitung an: „Die Gehäuse bestehen meist aus billigem und dünnem Kunststoff“, sagt Kugler. Die dürftige Unterkonstruktion verleihe dem Notebook nur geringe Stabilität. „Sie können das sehr leicht durch Druck auf die Fläche unterhalb der Tastatur, den Notebook-Boden und den Display-Deckel erkennen.“ An diesen Stellen gibt das Material bei schlecht verarbeiteten Notebooks sofort nach. Außerdem wackeln bei solchen Geräte die Display-Scharniere, und der Lüfter beginnt schon bei geringer Belastung geräuschvoll zu arbeiten.

Für den mobilen Einsatz sind 400-Euro-Geräte kaum geeignet. „Wer täglich auf dem Weg zur Arbeit mit dem Notebook arbeitet, damit auf Termine geht, der braucht eine robuste Lösung“, sagt Stahl. Billig-Geräte sind außerdem meist schwerer und sperriger als teurere Modelle. Ein anderes großes Manko ist die Leistung. Wenn mehrere Anwendungen gleichzeitig ausgeführt werden sollen oder rechenintensive Programme gestartet werden, könne es eng werden, sagt Bitkom-Experte Streim. Moderne 3D-Spiele überfordern Billig-Notebooks ebenfalls.

Wichtig für die Alltagsleistung ist vor allem, wie viel Arbeitsspeicher das Gerät hat. „Heute geht man von mindestens 4 Gigabyte aus, eher noch 8 oder 16“, erklärt Hans Stahl. „Aber manche Notebooks haben noch 2 Gigabyte, die werden einfach relativ langsam.“ Die Festplatte sollte nicht kleiner als 500 Gigabyte sein. Billigen Notebooks fehlt es zudem an hellen, hochauflösenden Displays und effektiven Grafikkarten. Ein entspiegeltes Display gibt es in dieser Preisklasse ebenfalls nicht. „Wer professionell mit dem Computer arbeitet, will nicht ständig die Augen zusammenkneifen“, sagt Stahl. Weitere Abzüge: USB 3.0 wird meist nicht unterstützt, UMTS- oder gar LTE-Modems sind nicht eingebaut, Docking-Anschlüsse gibt es auch keine. Und auch die Akku-Laufzeit ließ oft zu wünschen übrig, warnt der Informatik-Professor.

Arnt Kuglers Fazit lautet deshalb: Wer täglich mehrere Stunden arbeitet, spielt oder Medien bearbeitet, müsse deutlich mehr als 400 Euro ausgeben. Das gelte auch für Anwender, die ihr Notebook viel herumtragen und es mehrere Jahre verwenden wollen. Langlebigkeit und ein Leistungspuffer seien für 400 Euro nicht zu bekommen. Über den Daumen gepeilt müssten Anwender für ein solches Gerät wenigstens das Doppelte ausgeben, schätzt der Experte.

Stahl zufolge sollten sich Käufer fragen, ob sie ein mobiles Gerät brauchen: „Wenn sie auch mit einem Desktop-Rechner auskommen, kriegen sie in der Regel für das gleiche Geld mehr Leistung.“ Viele kauften sich nur ein Notebook, weil es schick aussieht. „Das ist aber keine sinnvolle Entscheidung.“ Die Frage sei: Was will man mit dem Gerät überwiegend machen? Nur surfen? „Dann reicht vielleicht ein Tablet.“

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