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19.03.2013  |  von  |  0 Kommentare

Wissenschaft Forscher: Stonehenge war ein Promi-Friedhof

Seit langem wird über den riesigen Steinkreis von Stonehenge in Südengland gerätselt: Diente es der Astronomie? War es ein rein ritueller Kultplatz? Ein englischer Forscher wartet mit einer neuen Theorie auf: Stonehenge sei ein Friedhof für die Elite gewesen.

Der Steinkreis von Stonehenge beschäftigt die Wissenschaft. Die neue Theorie: Hier wurden Promis der Jungsteinzeit bestattet.  Bild: dpa



Es ist der berühmteste aller prähistorischen Steinkreise: Stonehenge. Die Megalithstruktur in der englischen Grafschaft Wiltshire hat die Menschen seit Jahrtausenden fasziniert und Wissenschaftler seit Jahrhunderten rätselraten lassen: Was ist die Bedeutung von Stonehenge? Ein Druidentempel, um Götter zu verehren? Ein urzeitliches Observatorium? Eine Art Krankenhaus, zu dem die Menschen von weither pilgerten, um sich heilen zu lassen? Jetzt hat ein britischer Archäologe eine neue Theorie vorgestellt: Danach ist Stone-henge so etwas wie eine Grabstätte für die Promis der Jungsteinzeit.

Professor Mike Parker Pearson vom University College London stützt seine These auf die Analyse von eingeäscherten menschlichen Überresten, die in den sogenannten „Aubrey Holes“, einem Ring von 56 Erdlöchern rund um die Megalithstruktur, gefunden wurden. Es war ein gigantisches Puzzle: Pearson untersuchte mehr als 50 000 Knochenfragmente, stellte 63 verschiedene Individuen fest, wies nach, dass sowohl Männer wie Frauen als auch Kinder zu den Toten gehören und fand schließlich mit der Radiokarbon-Methode heraus, dass die Entstehungszeit von Stone-henge um mindestens 500 Jahre auf etwa 3000 vor Christus zurückdatiert werden muss.

Zu dieser Zeit gab es noch nicht die gewaltigen Sarsen, jene Trilithen aus zwei Eck- und einem Deckstein, die heute die unvergleichliche Silhouette von Stonehenge prägen. Stattdessen bestand die Kultstätte aus einem Kreis von rund 91 Metern Durchmesser, der von 56 aufrecht stehenden Blausteinen gebildet wurde. Unter ihnen wurden die eingeäscherten Knochen der Toten bestattet. Grabbeigaben deuten auf die hohe soziale Stellung der Verstorbenen hin. „Sie waren Personen von Autorität“, meint Professor Pearson und ist überzeugt, dass es sich bei Stonehenge ursprünglich um eine Art von Promi- Friedhof für die Elite der Jungsteinzeit handelte. Mit XXL-Grabsteinen.

Die Sarsen wurden erst später errichtet, um 2500 vor Christus. Pearson hat auch im fünf Kilometer entfernten Durrington Walls gegraben, wo er die größte neolithische Siedlung des nordwestlichen Europas fand. Er hält Durrington Walls für ein nur zu bestimmten Jahreszeiten bewohntes Arbeitslager, in dem sich bis zu 4000 Menschen einfanden, um das Stonehenge, wie wir es heute kennen, zu erbauen.

In Durrington Walls hat man die Knochen von Tieren gefunden, die aus weit entfernten Landesteilen herbeigeschafft wurden: ein Beleg dafür, dass die Kultstätte Stonhenge so etwas wie die religiöse Kapitale der Steinzeitwelt gewesen sein muss. Beide Orte, argumentiert Pearson, seien durch astronomische Symbole und eine Prozessionsstraße verbunden gewesen und bildeten zusammen eine Kultstätte. Während Durrington Walls ein Platz für die Lebenden gewesen sei, sei Stonehenge der Ort für die Toten. Begräbnisprozessionen seien von Durrington Walls im Osten bei Sonnenaufgang aufgebrochen und hätten Stonehenge im Westen bei Sonnenuntergang erreicht.

Doch die Blütezeit war kurz. Nur 45 Jahre lang, so Pearson, soll es in Stone-henge die Feste zur Wintersonnenwende gegeben haben, dann habe ein neues Volk die Regie übernommmen: die „Glockenbecher-Leute“. Sie markieren den Übergang von der Stein- zur Bronzezeit. Sie brachten eine Töpferkultur auf die britischen Inseln und die Technologie der Metallbearbeitung. Entscheidend aber war ihre andersartige Grabkultur: Die Glockenbecher-Leute äscherten ihre Toten nicht ein, sondern bestatteten sie einzeln in der Erde. Stonehenge geriet aus der Mode.

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