Die Schulreform G 8 macht es möglich: Durch die um ein Jahr verkürzte Schulzeit an Gymnasien drängen in diesem Herbst gleich zwei Jahrgänge von Studierenden an die Hochschulen der Länder und müssen sich auf Wohnungssuche begeben. Auch im Raum Friedrichshafen, wo 2108 Studierende an der Dualen Hochschule (DHBW) und der Zeppelin-Universität ein Dach über dem Kopf benötigen.
Die Reaktion der Studierenden auf die aktuelle Wohnraumsituation ist immer gleich: Sie lachen. Gleich ob sie selbst noch auf der Suche sind oder eine Bleibe gefunden haben. Karin Schafberger zum Beispiel, die im dritten Semester Luft- und Raumfahrtelektronik studiert und zwei Monate ohne Zimmer da stand: „Ich habe zwar nicht täglich direkt gesucht, aber habe immer ein Auge auf die Wohnanzeigen geworfen.“ Ihre Kommilitonin, Julia Fritz, erzählt, dass Studierenden teilweise „wirkliche Absteigen“ angeboten würden. Die Studentin der Elektrotechnik, lebt seit einem Jahr in Friedrichshafen und hatte selbst keine Probleme bei der Wohnungssuche.
Die Stadt Friedrichshafen sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. Nur gelegentlich erreichten die Stadt Anfragen von wohnungssuchenden Studierenden, berichtet Pressesprecherin Andrea Gärtner. Im Wintersemester wirke sich vermutlich auch positiv aus, dass viele Ferienwohnungen nicht genutzt und an Studierende vermietet würden. Davon berichtet auch Julia Fritz, merkt aber kritisch an: „Ich habe gehört, dass viele Ferienwohnungen im Sommer für Studenten zwar optimal und schön, im Winter aber oft zugig und schlecht beheizt sind."
Klaus-Dieter Schumacher, beim Studentenwerk Seezeit, das im Campus Fallenbrunnen das Studentenwohnheim betreibt, zuständig für das Studentische Wohnen, gibt Entwarnung: „Die Situation ist im Moment viel ruhiger, als wir dachten. Trotz der doppelten Schulabgängerzahlen gebe es in Friedrichshafen noch Kapazitäten. Das Studentenwohnheim allerdings sei restlos ausgebucht, 200 Bettplätze gibt es hier. Kostenpunkt: Zwischen 245 und 420 Euro Warmmiete. Derzeit gibt es beim Studentenwerk noch 28 Bewerber, für die es keinen Platz mehr gab, sie müssen nun auf dem freien Markt eine Wohnung suchen. „Wenn jemand gar nichts findet, dann kümmern wir uns natürlich darum“, beteuert Schumacher von Seezeit.
Auf dem freien Wohnungsmarkt in der Stadt gibt es meist nur wenige Angebote für Studenten, wie DHBW-Studentensprecher Armin Wohlfrom weiß. Er selbst hat eine Dreizimmerwohnung mitten in der Stadt und vermietet eines der Zimmer an Studenten. „Wenn ich die Anzeige aufgebe, gibt es immer einen enormen Zulauf“, berichtet er. Das größte Problem in Friedrichshafen seien aber die Preise. „Es ist ein teures Pflaster hier, Studenten müssen genauso viel zahlen, wie etwa in Stuttgart“, klagt er.
Es gibt allerdings auch Einzelfälle, in den solvente Eltern gleich Eigentumswohnungen für ihren Nachwuchs kaufen und diese später als Kapitalanlage nutzen, wie es Sven Feldmann von der Sparkasse Bodensee erlebte. Seinem Kollegen Peter Engeler von der Volksbank sind solche Fälle allerdings noch nicht begegnet.
Neu an der Uni? Das heißt auch Neusein in einer eigenen Welt. Hier gibt es Tipps und Informationen rund um einen gelungenen Studienstart.
