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Villingen-Schwenningen:  Villinger Wirt übermalt versehentlich historische Hausnummer

14.06.2012

Der ehemalige Gambrinus-Gasthof in der Oberen Straße 31 untersteht unter anderem wegen seiner Fassadengestaltung im Stile des 19. Jahrhunderts sowie seiner Bauweise mit Back- und Sandsteinen dem Denkmalschutz.

Der Vergleich: Lediglich ein Schimmer ist noch von der historischen Hausnummer 113 zu erkennen.  Bild: Hahne (2) Bast (1)

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Ein Villinger Bürger hat es als Erster bemerkt: Die historische Hausnummer an der Oberen Straße 31, Ecke Josefsgasse 1, wurde blau übermalt. Die 113 ist eines der letzten Zeugnisse der alten Villinger Hausnummerierung und wird bei zahlreichen Stadtführungen den Besuchern gezeigt.

Ein Relikt aus dem Jahr 1786, als die Häuser in der Villinger Innenstadt – damals 593 an der Zahl – bei einer Volks- und Häuserzählung durchnummeriert wurden, sagt Stadtführer Lambert Hermle.

Seit 21 Jahren führt Hermle Besucher durch die Altstadt von Villingen. Oft ist er dabei an dem ehemaligen Gasthof der Gambrinus Brauerei vorbeigeschlendert und hat erklärt, was es mit der Hausnummer 113 auf sich hat. „Die Nummer wurde auf den Sandstein aufgemalt“, weiß Lambert Hermle. Faruk Khalaf, seit einigen Monaten neuer Pächter im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes, hat die Hausnummer nun nichtsahnend übermalt.

„Viele Gäste haben uns nicht gefunden oder waren über die Hausnummer 113 verwundert“, sagt der Gastwirt vom Café Beirut auf Nachfrage dieser Zeitung. Wäre ihm bewusst gewesen, dass die schwarze Hausnummer bereits im Jahr 1786 aufgemalt wurde, hätte er sie niemals überstrichen: „Niemand hat mir Bescheid gesagt. Ich liebe alte Gebäude“, erklärt sich Faruk Khalaf, als er mit seinem Missgeschick konfrontiert wird. Die Stadtverwaltung hat sich der Hausnummer jetzt auf Anregung von Lambert Hermle hin angenommen.

Die Nummerierung diente 1786 unter anderem dazu, die Unterbringung von Truppen genauer zu dokumentieren, wie Eva-Maria Bast in „Geheimnisse der Heimat: 50 spannende Geschichten aus Villingen-Schwenningen“ beschreibt. Erst 1904 wurde im Gemeinderat beschlossen, den Straßen in Villingen Namen zu geben und eine neue Nummerierung einzuführen. Die ungeraden Hausnummern wurden erstmals auf der linken, die geraden auf der rechten Straßenseite angeordnet.

„Historische Hausnummern sind in der Regel auch Teil eines denkmalgeschützten Gebäudes“, sagt Nicolas Lutterbach. Pressesprecher der Stadt Villingen-Schwenningen. Eine Veränderung bedürfe daher ebenso einer Genehmigung durch das Amt für Denkmalschutz wie andere bauliche Veränderungen an einem Gebäude. „Wir werden veranlassen, dass die Hausnummer fachgerecht hergerichtet wird“, sagt Friedrich Mey vom Baurechtsamt.

In Absprache mit dem Hausbesitzer und dem Pächter Faruk Khalaf möchte die Stadt die wiederherstellenden Maßnahmen in die Wege leiten. Die Autorin Eva-Maria Bast vermutet eine weitere der alten Hausnummern irgendwo in einem versteckten Winkel der Stadt: „An einem Bogen oder in einem Durchgang gibt es auf jeden Fall noch eine.“

Dieser Vermutung schließt sich auch Stadtführer Lambert Hermle an, der einen Plan mit der originalen Nummerierung besitzt: „Es gibt eine weitere Hausnummer in der Nähe des Münsterplatzes.“ Er selbst fühle sich von der Malaktion sehr betroffen: „Hoffentlich bekommt man das wieder hin.“

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