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Konstanz:  Dunkle Wolken über Centrotherm auch in Konstanz

14.06.2012

Dunkle Wolken über Centrotherm: An den Neubau in Konstanz hatten sich große Erwartungen geknüpft. Nun steckt der Konzern in Liquiditätsschwierigkeiten.  Bild: Bild:

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Die Sorgen in der Stadt nehmen zu: Wie geht es mit der Solarfirma Centrotherm weiter?

Vor wenigen Monaten war die Ansiedlung am Seerhein in Konstanz noch als große Hoffnung für die Wirtschaftsentwicklung der Stadt gefeiert worden, jetzt nehmen die Sorgen um die Zukunft der Solarfirma Centrotherm zu. Der Konzern mit Stammsitz in Blaubeuren, der am Bodensee ein mehr als 25 Millionen Euro teures Forschungszentrum in Betrieb genommen hat, kommt in Liquiditätsprobleme und muss eine Unternehmensberatung einschalten. Erst zu Jahresbeginn war das auffällige Gebäude an der Reichenaustraße in Betrieb genommen worden.

In einer Ad-Hoc-Mitteilung vor allem an die Aktionäre schreibt das Unternehmen wörtlich: „Aufgrund der anhaltend schlechten Marktlage und der daraus resultierenden angespannten Finanzierungssituation haben Warenkreditversicherer der centrotherm photovoltaics AG am heutigen Tage mitgeteilt, dass sie Warenlieferungen an den centrotherm photovoltaics Konzern zukünftig nicht weiter versichern werden. Auf Basis dieser Information erwartet der Vorstand einen negativen Liquiditätseffekt in einem niedrigen zweistelligen Euro-Millionenbetrag.“

Centrotherm, heißt es in der Mitteilung weiter, habe „ in Abstimmung mit ihren Banken eine renommierte Unternehmensberatung mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens beauftragt, das Grundlage für die weiteren Bankengespräche zur Sicherstellung der Finanzierung des Konzerns sein soll.“ Ein dramatisches Detail folgt zum Ende: „Vor dem Hintergrund der laufenden Finanzierungsgespräche mit den Banken können offene Kredit- und Avallinien bis auf Weiteres nicht mehr genutzt werden.“ Das heißt im Klartext: Centrotherm hat massiv an Bonität verloren.

Mit den jüngsten Entwicklungen könnten Befürchtungen wahr werden, die im März indirekt schon Oberbürgermeister Horst Frank und der grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann geäußert hatten. Sie erklärten nach der Entscheidung von Schwarz-Gelb im Bund, die Solarförderung deutlich zu kürzen, dass dies heimische Firmen der Branche in Turbulenzen bringen könnte. Centrotherm hat seither im ganzen Konzern, aber auch in Konstanz, Stellen abgebaut. Im Forschungs- und Vertriebszentrum an der Reichenaustraße wurden rund 20 Arbeitsplätze gestrichen, wie ein Unternehmenssprecher Ende März auf Nachfrage des SÜDKURIER bestätigte.

Centrotherm, einst ein viel bewunderter Konzern mit führender Technologie für die Herstellung von Solarzellen, steckt seit einigen Monaten in den roten Zahlen. So war das erste Quartal 2012 ein schwieriges Vierteljahr. Wie der Technologieanbieter vor fünf Wochen berichtete, verringerte sich der Umsatz gegenüber der gleichen Vorjahreszeit von 189,3 Millionen auf 82,5 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis musste das Unternehmen einen Verlust von 42,9 Millionen Euro hinnehmen, nachdem es im ersten Vierteljahr 2011 noch 17,7 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Das wirkte sich auch auf die Mitarbeiterzahl aus: Sie verringerte sich um 9,4 Prozent auf 1747 (Ende Dezember 2011: 1928). Gleichzeitig verbuchte Centrotherm aber einen Großauftrag von Sonelgaz in Algerien in Höhe von 227,1 Millionen Euro. Insgesamt machte der Auftragseingang 255,4 (224,3) Millionen Euro aus. Der Auftragsbestand betrug zum 31. März 508 Millionen Euro.

Centrotherm kommt im Moment nicht nur wegen des schwierigen Branchenumfeldes und des Arbeitsplatzabbaus derzeit nicht aus den negativen Schlagzeilen. Als Rückschlag wurde auch bewertet, das die Deutsche Börse den Konzern in Blaubeuren aus dem wichtigen Index M-Dax gestrichen hat. Die Aktie des Unternehmens hat binnen Jahresfrist beinahe 90 Prozent ihres Werts verloren: Im Juni 2011 notierte sie noch bei über 30 Euro, in dieser Woche bei lediglich 3,55 Euro.

Für den Solarstandort Konstanz, von der Politik zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Neubau an der Reichenaustraße in den vergangenen Jahren stark gefördert, ist die jüngste Entwicklung bei Centrotherm ein neues Warnsignal. Zuletzt war die aus einer Uni-Ausgründung entstandene Sunways AG von einem chinesischen Branchenriesen übernommen werden. Seither wurde die Veröffentlichung wichtiger Geschäftszahlen mehrfach verschoben. Vor einem guten Jahr hatte alles noch ganz anders ausgesehen. Damals hatte Centrotherm-Entwicklungsvorstand Peter Fath, der wesentliche Motor der Investition in Konstanz, noch erklärt, Konstanz könne bald Freiburg den Rang als Solar-Hauptstadt Deutschlands ablaufen.

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