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Linach Messturm: Ingenieure halten die Nase in den Wind

Ein Messturm soll in Linach die zu erwartende Windernte prüfen. Die außergewöhnliche Holzkonstruktion ragt 100 Meter in die Höhe.

Benjamin Kienzler blickt mit Stolz auf den bisher erreichten Stand des Projekts Windkraft Linach. Bei der Zimmerei Kienzler auf der Werte in Vöhrenbach wird noch die ganze Woche der Windmessturm für das ehrgeizige Vorhaben für erneuerbare Energien vormontiert.

„Mit dem Messturm wollen wir uns und künftigen Mitmachern beim Bürgerprojekt Klarheit verschaffen über die zu erwartende Windernte“, sagt Benjamin Kienzler. Dazu dienen Messgeräte an sechs Auslegern in 60, 80 und 100 Metern Höhe, jeder ragt acht Meter seitlich vom Turm aus nach Nordwest und Südost. So fängt man die Luftströmungen aus südwestlicher Richtung am besten ein. Windfahnen an weiteren Auslegern machen die Richtung sichtbar.

Die elf Teilstücke des Turms mit einer Grundfläche von zwei Quadratmetern sind in Holzfachwerk mit Streben und Riegeln ausgeführt. Die Holme messen 18 auf 18 Zentimeter und sind neun Meter lang. Die 20 Kubikmeter Weißtanne lieferte der heimische Wald. Verzinkte Metall-Verbindungsteile der Schlosserei Kleiser halten je vier leiterähnliche Teile zusammen. Auch der Anschluss nach oben, ausgeführt als Stahlwinkelquadrat, wurde von Kleiser geliefert, sie dienen als Diagonalversteifung.

Am oberen Ende jedes Elements angebracht, werden diese über sie an den Bodenankern abgespannt. Schon beim Schwarzwald-Abbund in Tannheim wurden die Bohrungen, passgenau CNC-gesteuert für die Gegenstücke in den Stahlwinkeln, ins Holz gesetzt.



Um Staunässe im Holz, und damit Fäulnis weitestgehend auszuschließen, ist immer Luft an den Stirnseiten der Holzteile. Man nennt das konstruktiven Holzschutz. Das Weißtannenholz bleibt unbehandelt, denn der beste Holzschutz ist das Vergrauen durch die UV-Strahlung.

Mit Traktoren und landwirtschaftlichen Anhängern werden die neun Meter langen Teilstücke auf die Linacher Höhe gefahren. Daran sind die abgelängten Stahlseile an den äußeren vier Enden des Stahlkranzes bereits befestigt. Sind die Teilstücke auf der Grundplatte aufgerichtet, wird jedes mit den Drahtseilen, jeweils zwölf Millimeter stark, in vier Bodenankern aus Beton abgespannt. Auf jedes Seil wirken 1000 Kilopond Zugkraft. Die 44 Seile haben eine Gesamtlänge von 3,5 Kilometern.

Das Aufeinandersetzen besorgt der Autokran der Firma Scherzinger, der eine Arbeitshöhe von 110 Metern abdecken kann. Aufrichten und abspannen muss in einem Guss erfolgen. Für die im Innern des Turms montierte absturzsichere Steigschutzleiter mussten Benjamin Kienzler und seine Leute eine Schulung mitmachen.

Die Messergebnisse werden online an angeschlossene Computer geschickt. Mit entsprechenden Programmen kann die aktuelle wie auch die längerfristige Energieernte gemessen werden. Dadurch gewinnt man frühzeitig Aufschluss über die Rentabilität der Windkraft in Linach.

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