Villingen-Schwenningen: Auf einem Wunsch keimt der nächste
Gisela Knöpfle und Sinka Bombeiter-Käs, beide aus Villingen, steigen in den Bus, der sie an den Start des legendären New-York-Stadtmarathon bringt. Bild: privat
Die beste Zeit für alle großen und kleinen Wünsche: Silvester! Zum Start ins Jahr 2012 blicken Kinder wie auch die Erwachsenen gerne zurück und auch voraus. Was machen die Erwachsenen? Freuen die sich auch so auf ihre Wünsche, die sie hoffentlich unterm neuen Jahr erfüllt bekommen? Gisela Knöpfle und Sinka Bombeiter-Käs aus Villingen jedenfalls träumen jetzt nicht länger von ihrem großen Wunsch, beim Stadtmarathon in New York mitzumachen. Sie machten ihren großen Traum oder ihr Ziel wahr: Auf „typisch frau“ kündigten wir Ende Oktober dieses Lauf-Abenteuer der besonderen Art an. Und was passiert in den meisten Menschen, wenn sich ein großer Wunsch erfüllt? Na, dann träumt er vom nächsten. Auch unsere beiden Läuferinnen kamen so zu Hause an.
Der bekannte Gehirnforscher Manfred Spitzer (bekannt auch durch ein SÜDKURIER-Forum in der Neuen Tonhalle) weiß sogar ganz genau, warum der Mensch so tickt, warum er immer höher, weiter und besser sein will. Denn sein Gehirn, besser gesagt mitten drin das Zentrum von Glück, ist gar nicht darauf ausgerichtet, lang anhaltend höchste Zufriedenheit zu erleben. Was glauben Sie also, was unsere Marathonläuferinnen nach ihrem Traum wohl planen?
Aber erst ein Blick zurück zum Marathon in New York, zu dem sie sich Anfang November zusammen aufmachten. Von Frankfurt aus startete der Flieger und landete sicher in New York. Beim dortigen Stadtmarathon laufen über 47 000 Menschen, weshalb es in der ganzen Stadt vor Läufern nur so wimmelte. Sinka und Gisela pflügten sich mit einem Bus durch den Feierabendverkehr und brauchten für eine lächerliche Strecke in der Blechlawine sage und schreibe drei Stunden. Großstadt-Gefühle also gleich von Anfang an.
Das Hotel direkt an einem Sportzentrum und dem Madison Square Garden bot eine hervorragende Unterkunft, weil gerade frisch renoviert. Doch die beiden Schwarzwälderinnen schonten ihre Kräfte und machten anderntags erst einmal eine Stadtrundfahrt. Die Wolkenkratzer-Schluchten wirkten auf den ersten Blick erdrückend. Aber mit der Zeit entdeckten die beiden New York als einen Schmelztiegel für die verschiedensten Kulturen, Kunst, Bauwerke und Lebensarten. Multikulti eben. Sinkas Augen bekommen sofort diesen leuchtenden Glanz, wenn sie erzählt: „Ich habe mich schon bei der Rundfahrt in diese Stadt verliebt.“ Die Tausend Eindrücke kamen ihr im Rückblick vor, als wenn sie ganze zwei Monate durch Amerika gereist wäre.
Faszinierend empfand sie, dass sich die Stadt schon nach zwei U-Bahn-Stationen komplett verändert. Hochhausschluchten, niedliche Einfamilienhäuser, Geschäftszeilen, Parkflächen – in New York gibt es wirklich alles erdenkliche menschliche Leben. Und trotzdem ermöglicht das schachbrettartige Straßen-System eine schnelle Orientierung innerhalb von wenigen Tagen. Zur Veranstaltung ging es schon um 7 Uhr morgens an den Start, den die beiden Schwarzwälderinnen mit dem Bus erreichten. Doch loslaufen konnten sie erst um 10.40 Uhr. Aber keine Minute bis dahin war langweilig. Ergreifend der Moment, als eine Sängerin die Nationalhymne anstimmte. Erst dann erfolgte der Startschuss. Und als Sinka und Gisela über die große Brücke liefen, vor ihnen die Manhattan-Skyline, ertönte Franz Sinatras „New York, New York“ und gab den richtigen Rhythmus vor. Beide erleben in diesem Moment den gewissen „Runner's High“, den Höhenflug der Läufer mit körpereigenen Glückshormonen. Noch eine Woche später hatten beide genau dasselbe Grinsen im Gesicht. Dazu kam die Freude, die 42 Kilometer lange Strecke auch wirklich gut geschafft zu haben und am nächsten Tag gab es noch nicht einmal Muskelkater!
Wildfremde Menschen beglückwünschen die beiden nachher in der U-Bahn, Gisela und ihr Lebensgefährte Joachim Nüß fahren als besonderes Erlebnis zurück mit einer Fahrrad-Rikscha. Während des Marathons geben sie immer wieder „die Fünf“, also schlagen die entgegen gestreckten Hände ab. Die ganze Stadt pulsiert. Die Sieger laufen die Strecke in 2 Stunden und 5 Minuten, Sinka braucht 4 Stunden 39 Minuten und Gisela 5 Stunden und 3 Minuten. Aber die Zeit spielt keine Rolle, das Erlebnis steht im Vordergrund. Und kaum daheim angekommen, keimen schon wieder neue Träume hoch. Gisela wollte ja eigentlich danach das Marathon-Laufen beenden. Aber warum eigentlich? Sagt sie nachher. Auf der Strecke laufen weitaus ältere Teilnehmer als sie mit ihren 55 Jahren. Keinen Stadtmarathon mehr zu laufen, legte sie also vorerst mal zu den Akten.
Und Sinka will im Sommer nach New York zurückkehren – am liebsten mit Mann und ihren Kindern, um ihnen diese gigantische Stadt live zu präsentieren. Und außerdem noch eine Yoga-Ausbildung auf Costa Rica bei ihrer Freundin Sabrina Stahl machen, die eigentlich aus Vöhrenbach stammt und bei der sie eine Woche lang in New York wohnen durfte. Bei Birgit Whitelow, die früher in Schwenningen lebte und die sie nach dem New-York-Aufenthalt noch in Denver besuchte, lernte sie eine ältere Dame kennen und ihre spezielle Töpferkunst. „Das will ich auch können!“ und kümmerte sich nach der Ankunft gleich um einen Töpfer-Kurs. Und jetzt freuen sich die beiden schon darauf, sich neue Träume zu erfüllen… Und welches Abenteuer haben Sie sich für 2012 vorgenommen?
