Villingen-Schwenningen Kommentar: Übertriebene Härte
Eine Horrorvorstellung. Für die Mieter zweier Häuser in der Sperberstraße ist sie zur bitteren Wahrheit geworden. Die Stadtwerke haben den Strom abgedreht, die Heizung läuft deshalb nicht mehr.
„Für alle Kunden gelten die gleichen Maßstäbe“, teilen die Stadtwerke auf Nachfrage dem SÜDKURIER mit. Das ist gut so, allerdings sollte ungeachtet des jeweiligen Einzelfalles niemandem der Strom für die Heizung abgestellt werden, wenn es draußen Minus 20 Grad hat. Dass die Stadtwerke jetzt wegen drohender Fristverlängerungen plötzlich keine Gnade kennen, ist schlichtweg ein Fall von unmenschlicher Bürokratie. Wer schon mal in einer auskühlenden Wohnung ausgeharrt hat, bis der Vermieter sich endlich bequemt, für eine funktionierende Heizung zu sorgen, wird kaum anders argumentieren können. Das Gefühl der Hilflosigkeit und die alles vereinnahmende Kälte sind eine furchtbare Qual.
Die Versäumnisse des Eigentümers, gesetzliche Fristen, dass die Mieter nicht auf Anschreiben reagieren – das alles ist zunächst nebensächlich. Im Vordergrund steht das Schicksal der Menschen. Zahlungsrückstände von über 8000 Euro haben sich über einen längeren Zeitraum angehäuft. Überstürzte Brachialentscheidungen inmitten einer Jahrhundertkälte sind unangemessen und treffen definitiv die Falschen. Das sieht selbst die SVS so.
Da die Mieter anscheinend willens sind, die Leistungen der Stadtwerke zu bezahlen – sie begleichen schließlich ihre Nebenkosten –, liegt die Lösung auf der Hand: Lieferant und Verbraucher sollten den Eigentümer aus der Gleichung herausnehmen und das Geld auf direktem Wege fließen lassen. Laut Mieterbund gibt es dafür rechtlich einwandfreie Möglichkeiten. Den Stadtwerken stünde eine solche Lösung als ortsverbundenem Nahversorger im Übrigen gut zu Gesicht. Und die Bewohner hätten es wieder warm.
