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Villingen-Schwenningen Wohlfühlklima in der Scheuer

01.09.2010
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VS-Villingen – Gegen schlechtes Wetter hilft nicht nur gute Kleidung. Auch gute Musik kann die Stimmung so richtig aufheitern.

Während draußen der Regen prasselt, herrscht in der „Scheuer“ echtes Wohlfühlklima: Voller Hingabe und mit einer Stimme so zart wie Seide haucht die erst 25-jährige Vera Klima ihren Song „Alle Deine Lieder“ ins Mikrofon, ganz im Stil einer Singer-Songwriterin hat sie lässig die Gitarre umgeschwungen. Ihre Schwester Sarah (27) begleitet sie gekonnt am Keyboard, die übrigen drei Bandmitglieder machen das Stück zu einem Gesamtkunstwerk. An den Gesichtern kann man erkennen, wie das Lied, in dem eine Phase turbulenten Liebeslebens verarbeitet ist, den Zuhörern unter die Haut geht. Mit einem Auftritt, der mit fortschreitender Dauer immer besser wurde, hat die mehrfach ausgezeichnete aber dennoch bislang weitgehend unbekannte Band aus dem bayrischen Chiemgau am Montagabend beim Innenhoffestival auf sich aufmerksam gemacht.

Wieder einmal ist das kleine, aber feine Festival damit seinem Ruf gerecht geworden, Künstler nach Villingen zu holen, „deren Namen man sich merken sollte“, wie Mit-Organisator Richard Hehn schon zur Einleitung feststellte. „Klima“ – das ist trotz der beiden talentierten (und attraktiven) Frontfrauen der absolute Gegenentwurf zu Castingbands. „Wir singen lieber eigene Songs als die von Dieter Bohlen“, sagt Vera Klima, die sich – genau wie ihre Schwester und die anderen Musiker – nicht des Erfolgs wegen in eine Schublade zwängen lassen möchte. „Klima“ ist in der Musikbranche längst keine Unbekannte mehr: beim Deutschen Rock- und Poppreis 2004 gab es drei Nominierungen, 2006 bekam die Band den Förderpreis der Hanns-Seidel-Stiftung für junge Songpoeten verliehen.

Die beiden sympathischen Klima-Schwestern traten im Vorprogramm von Christina Stürmer auf, ebenso als Vorband von Laith Al-Deen. Die bislang einzige Platte „Alle seine Lieder“ kam 2008 als Eigenproduktion heraus – auf einen Plattenvertrag warten sie noch, weswegen alle Bandmitglieder weiterhin geregelten Jobs nachgehen.

Warum die Industrie bislang offenbar kein allzu großes Interesse an „Klima“ gezeigt hat, wird die Besucher des Konzerts in der Scheuer ins Grübeln gebracht haben. Denn in den Liedern der zwei jungen Frauen – die dabei kongenial von Jan Bartikowski (E-Gitarre), Frank Thumbach (Bass) und Jochen Enthammer (Schlagzeug) begleitet werden – steckt unglaubliches Potential. Da sind die Texte – bis auf ganz wenige Ausnahmen allesamt auf Deutsch –, die von schönen und schweren Momenten einer Beziehung genauso handeln wie von Castingshows („Superstar“) oder der Lust am Reisen. Und da ist dieser ganz eigene Musikstil, der gerne mit den „Dixie Chicks“ verglichen wird, den man so in Deutschland nicht findet, und der fast genauso abwechslungsreich ist wie der Bandname: Mal gibt es stürmischen Rock mit ausladenden E-Gitarren-Solos, dann entspannt dahin gleitenden, feinsten Country und natürlich auch herzzerreißende, super-melodische Balladen, denen Vera das ein oder andere Mal mit ihrer Geige das letzte i-Tüpfelchen verpasst.

Die Gruppe weiß, was sie will. „Wir lassen uns von niemandem ein Image aufzwängen, sondern werden einfach weiter unsere Musik so machen, wie sie uns gefällt“, sagt Vera Klima bevor sie im Song „Superstar“ mit Castingshows hart ins Gericht geht. Dass die bayrischen Mädels und ihre Band das Zeug haben, es mit dieser authentischen Art und der hervorragenden selbstgemachten Musik zu schaffen – dem wird nach diesem Auftritt keiner widersprochen haben.

Innenhoffestival - Konzert von "Klima"
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