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Villingen-Schwenningen Wenn der Faller Karle aus dem Nähkästchen plaudert

Peter Schell? Den Namen konnten etliche Tannheimer Patienten, Eltern und Geschwister zunächst nicht so recht einordnen, denn viele stammen nicht aus dem Ländle und sind darum nicht Dauergucker der „Fallers“. Doch als die Familien ihm dann am Freitag in der Nachsorgeklinik begegneten, wo sich der Vollblut-Schauspieler ausgiebig erst den Kindern, dann den Erwachsenen widmete, erkannten sie ihn sofort.

Lese- und Erzählstunde mit dem netten Onkel aus dem Fernsehen: Peter Schell, der sogar Didgeridoo spielte, kam bei den jüngsten Patienten ebenso gut an wie bei ihren Eltern und älteren Geschwistern.
Lese- und Erzählstunde mit dem netten Onkel aus dem Fernsehen: Peter Schell, der sogar Didgeridoo spielte, kam bei den jüngsten Patienten ebenso gut an wie bei ihren Eltern und älteren Geschwistern. | Bild: Jochen Hahne

Vielleicht nicht als den Faller Karle, aber aus „Die Wache“, „Unser Charlie“ oder einem „Tatort“. Das Eis brach schnell, Schell zog Klein und Groß als Erzähler, Darsteller und Zuhörer in den Bann.

Nachmittags hockt er mit den Kleinsten, den Drei- bis Sechsjährigen, in der Kuschelecke vor dem Kamin. Er plaudert, liest, unterhält sich mit den Buben und Mädchen. Peter Schell lässt sich intensiv ein auf die Kinder, am Abend auf ihre Eltern, von denen nur die wenigsten aus dem alemannischen Sprachraum stammen, Sicherheitshalber entschuldigt er sich für die Mundarten, in denen er spricht und Balladen rezitiert, doch gerade die „Lorelei“ auf Sächsisch ist ein Volltreffer – Heiterkeit macht sich breit.

Die Balladen, die Schell mit Strickstulpen über den Turnschuhen und überdimensionaler Fliege um den Hals theatralisch in Szene setzt, sind hervorragend zum Auftauen geeignet. Zwischen Goethes „Die offene Tafel“ und von Chamissos „Der rechte Barbier“ wäre hinreichend Gelegenheit für Fragen, Peter Schell fordert das Auditorium mehrfach dazu auf. Doch das braucht seine Zeit, also liest der Mittfünziger freundlich aus persönlichen Notizen, zum Beispiel vom Vorsprechen für die Rolle des Karl Faller.

„So sehr ich mir die Hoffnungen auszureden versuchte, machte ich sie mir doch“, liest Peter Schell sein eigenes Eingeständnis von vor 17 Jahren. Aus hundert Folgen als angepeiltem Fernziel für die neue Schwarzwald-Serie des damaligen Südwestfunks wurden mehr als 700 ausgestrahlte und mehr als 800 gedrehte, erfahren die Hörer. Als der Fernseh-Bauer ein filmisches Potpourri von gedrehten und ungedrehten Pointen und Anekdoten zeigt, tauen die Hörer endlich auf und stellen Fragen. Peter Schell antwortet mit Offenheit und Humor. Seit einiger Zeit wird ein Jahr im Voraus produziert, so dass „Die Fallers“ in der aktuellen Jahreszeit im Wohnzimmer präsent sind. Neun Folgen werden in einer Staffel gedreht, aber nicht in der Chronologie der Ereignisse, sondern nach Ordnung der Örtlichkeiten. „Am Mittagstisch müssen wir sechs Mal nacheinander das Gleiche essen und einen guten Appetit wünschen, der uns längst vergangen ist.“

Die Zeit vergeht wie im Flug, Peter Schell berichtet von Lehrerseminar und Töpferkurs in der heimatlichen Schweiz, von der Übersiedelung in die DDR („auch, aber nicht nur wegen Bert Brecht“). Das war die Zeit des Schlange Stehens vor Geschäften, oft ohne zu wissen, wofür. Später äußert die Tochter Neid auf den älteren Bruder, weil der in einem Land geboren wurde, das es nicht mehr gibt: „Sie hat sich die DDR wie ein geheimnisvolles Atlantis vorgestellt.“ Eine Frau erkundigt sich nach dem Unterschied zwischen Film und Theaterbühne. Das Spiel dort sei intensiver, antwortet der Profi. „Im Nu kann man sich abhanden kommen, wenn der Text fehlt.“ Vor allem sei das Publikum spür- und formbar, darum genieße er auch Auftritte wie den in Tannheim. Die Freude beruht auf Gegenseitigkeit, wie der herzliche Applaus verrät.

Schauspieler und Multitalent Peter Schell las den Patienten in Tannheim vor.
Schauspieler und Multitalent Peter Schell las den Patienten in Tannheim vor. |

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Die Fallers: Die Fernsehsendung 'Die Fallers' ist eine TV-Produktion des Südwestrundfunks (SWR) über eine Schwarzwaldfamilie auf ihrem Bauernhof. Die Serie wird seit über 15 Jahren jeden Sonntagabend ausgestrahlt und zeigt Freud und Leid, Liebe und Schicksal im Leben der Familie. Die Außenaufnahmen werden im Schwarzwald gedreht.
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