Villingen-Schwenningen Weitere Aktionen für die Stolpersteine

Die Initiative Stoplerstein plant weitere Aktionen. Die nächste Podiumsdiskussion mit Befürwortern und Gegnern der Stolperstein-Aktion soll im Oktober stattfinden.

Vor sechs Wochen hat sich der Verein „Pro Stolpersteine“ gegründet. Er will sich dafür einsetzen, dass die Kunstaktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig als Erinnerung an die verfolgten Villinger Juden eines Tages doch noch in der Stadt realisiert werden kann. Im Moment herrscht Ruhe. Doch im Herbst sind wieder Aktionen geplant: Darunter eine Podiumsdiskussion mit Befürwortern und Gegnern der Stolperstein-Aktion, die in der Stadt zum brisanten politischen Streitpunkt wurde.

1 Warum hat sich dieser Verein gegründet? Zweimal, 2004 und 2013, hat es eine knappe Mehrheit des Gemeinderates abgelehnt, die Verlegung der Stolpersteine im öffentlichen Raum der Stadt zu genehmigen. Der Verein „Pro Stolpersteine“ indes sieht in der Aktion die geeignetste Form, den Namen der Verfolgten im Alltag in Erinnerung zu behalten. Er will sich dafür einsetzen, dass der Gemeinderat eines Tages seine Beschlüsse ändert. Außerdem will er die Lebensgeschichten der Opfer nationalsozialistischer Gewalt erforschen und ihre Geschichte damit dem Vergessen entreißen.
 

2 Ist der Verein als gemeinnützig eingetragen? Nein, bisher nicht. Das Finanzamt hat inzwischen die Gemeinnützigkeit bestätigt, es fehlt aber noch der notarielle Eintrag ins Vereinsregister. Dieser dürfte bis zum Oktober vorliegen. Dann soll die erste Mitgliederversammlung einberufen und ein Vorstand gewählt werden. Kommissarischer Vorsitzender ist bisher Friedrich Engelke, seine Stellvertreter sind Heinz Lörcher und Theo Leute.

3 Was geschieht mit den 19 Stolpersteinen mit den Namen von ermordeten Villinger Juden, die Friedrich Engelke bereits beim Künstler Gunter Demnig hat anfertigen lassen? Die Steine werden bis auf weiteres bei Friedrich Engelke gelagert und bei passenden Gelegenheiten immer wieder in der Öffentlichkeit präsentiert. So wird Engelke demnächst über einige Schicksale jüdischer Bürger in Villingen in Schulklassen berichten und die entsprechenden Steine als Erinnerungsstücke mitbringen. Außerdem plant der Verein im Winterhalbjahr wieder Mahnwachen. Hier sollen die Lebensgeschichten der Verfolgten an ihren ehemaligen Wohnstätten erzählt werden. Auch hier könnten die jeweiligen Stolpersteine als Symbole der Erinnerung mitgebracht werden.

4 Warum werden die Stolpersteine nicht auf den Privatgrundstücken im Einverständnis mit den heutigen Eigentümern verlegt? „Das will der Künstler nicht“, berichtet Friedrich Engelke. Gunter Demnig ist daran gelegen, dass die Aktion von den Städten und Gemeinden positiv begleitet wird. Ziel des Vereins „Pro Stolpersteine“ ist es daher, mit einer „Politik der kleinen Schritte“ (Engelke) irgendwann einen positiven Beschluss im Gemeinderat herbeizuführen. „Wir werden aber nicht jedes halbe Jahr einen neuen Antrag stellen“, betont er. In München wird übrigens, nach der Ablehnung der Aktion im Jahre 2002, voraussichtlich im Herbst wieder über die Stolpersteine abgestimmt.

5 Was steht auf den Stolpersteinen? Auf den quadratischen Pflastersteinen ist jeweils eine Messingplatte mit einigen knappen Lebensdaten der Verfolgten vermerkt. Da die Steine vor den ehemaligen Wohnsitzen der Verfolgten verlegt werden, fängt der erste Satz an: „Hier wohnte...“. Es folgt der Name des Betreffenden, seine Lebensdaten sowie die Begleitumstände seines Todes, eventuell mit Datum der Verhaftung, der „Deportation“ (Verschleppung) in ein Lager und der Todesursache.

6 Gab es nur 19 Juden in Villingen? Nein, es sollen um 40 Personen in den 30-er Jahren gewesen sein. Hinzu kamen noch rund 20 jüdische Hausangestellte oder Mitarbeiter, die nur vorübergehend hier wohnten. Von diesen 40 jüdischen Bürgern hatten nach Recherchen des Heimathistorikers Heinz Lörcher 21 ihren letzten Wohnsitz in Villingen, bevor sie von den Nazis ergriffen wurden und in die Lager kamen. Zwei Stolpersteine fehlen also noch. Grund: Ihr Lebenslauf musste erst aufwändig ermittelt werden. Es handelt sich um Lothar Rotschild und Elsa Zeitschek. Doch diese beiden Steine werden demnächst nachgeliefert.

7 Welche weiteren Aktionen plant der Verein? Voraussichtlich im Oktober wird der Verein seine dritte Podiumsdiskussion zum Thema Stolpersteine veranstalten. Sie wurde bewusst nach der Kommunalwahl platziert, um das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. In diesem Falle geht es nämlich um die politische Frage pro oder contra Stolpersteine. Auf dem Podium diskutieren sollen Gegner und Befürworter der Aktion, darunter örtliche Stadträte, aber auch Diskutanten aus anderen Städten.

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Stolpersteine in Villingen-Schwenningen: Im November 2013 hat der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen die Stolpersteine erneut abgelehnt. Bereits im Jahr 2004 stimmten die Räte gegen diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Dabei gab der Verlauf der Debatte zunächst Anlass zur Hoffnung, dass die Abstimmung im Gemeinderat anders ausgeht. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Stolperstein-Debatte in Villingen-Schwenningen.
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