Dass sich die Apotheker jetzt zu solch einem Warnstreik durchrangen, fiel vielen von ihnen nicht leicht. „Wir sind Selbstständige“, verdeutlichte es Inhaber Carsten Orth von der Schwarzwaldapotheke in Villingen. Er wie seine Mitstreiter spüren jeden Euro am eigenen Geldbeutel, den sie gestern nicht einnehmen konnten.
„Wir wollten aber ein Zeichen setzen“, begründete Orth die Entscheidung für den Protest. Seit 2004 ist per Gesetz der Satz festgeschrieben, den die Apotheker erhalten: 8,10 Euro plus drei Prozent vom Einkaufswert. Klingt viel – und für manchen Außenstehenden ist es das auch: „Die verdienen doch genug“, meinte ein Kunde, der seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.
Wie schnell sich die Zahl aus Sicht der Apotheker relativiert, machte Bernhard Schwind von der Ratsapotheke deutlich: Von dem Betrag gingen allein 2,05 Euro an die gesetzlichen Krankenkassen. Die sollten zu finanziell schlechten Zeiten, die aber inzwischen vorbei seien, gestützt werden. Die Apotheker wären schon froh, wenn sie künftig diese Summe erhielten, machte Schwind deutlich. Die goldenen Zeiten für die Apotheker seien vorbei, erklärte er, viele Landapotheken kämpften um ihre Existenz.
In der Stadt sähe es noch etwas besser aus, aber hier müssten die Betriebe in der Regel auch die höheren Mieten erwirtschaften. An seiner Apotheke machte Schwind deutlich, wie die Entwicklung aktuell verläuft: Vor einigen Jahren hatte er noch zehn Vollzeitstellen, jetzt seien es noch sechs. Nicht nur der Internethandel macht den heimischen Betrieben Kopfzerbrechen. Inzwischen würden auch Geräte, zum Beispiel für Blutmessung, oder auch Körperpflegemittel in den Drogeriemärkten angeboten, dort könnten inzwischen sogar Rezepte eingereicht werden.
Hinter den Zielen der Protestaktion steht Marianne Haller von der Stadtapotheke. Allerdings ist sie von der Form des Protestes nicht sonderlich überzeugt. Viele Kunden seien irritiert, fragten, ob es jetzt zusätzlich etwas koste. Da sei die Standesorganisation „nicht sehr kreativ gewesen“, bemängelte sie.
Karl-Otto Hengstler, Vorsitzender des Apothekerverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg, ist mit der Protestbereitschaft der Kollegen sehr zufrieden. Alle 21 Apotheken in VS beteiligten sich, freute er sich. Nun müsse nur die Politik reagieren, betonte er.
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