Villingen-Schwenningen Vogelfreunde kritisieren neuen Tauben-Paragrafen

Fütterung von Singvögeln könnte unter geänderter Polizeiverordnung leiden. Jetzt diskutiert der Verwaltungs- und Kulturausschuss in Villingen-Schwenningen.

Künftig soll in der Doppelstadt ein generelles Fütterungsverbot von Tauben auch auf privaten Grundstücken gelten. Mit der Änderung der Polizeiverordnung befasst sich der Verwaltungs- und Kulturausschuss erstmals am Mittwoch. Doch zwei Villinger, Betreiber einer privaten Vogelstation, äußern an der Neufassung der Polizeiverordnung Kritik. Künftig stünden Vogelfreunde unter "Generalverdacht", wenn sie Tauben unbeabsichtigt mit fütterten. Es sei nahezu unmöglich, sie von den Futterstellen völlig auszuschließen – "dann machen wir uns nach dieser Polizeiverordnung aber strafbar", beklagen Ellen und Ralf Claaßen.

Die Claasens sind Praktiker, seit rund elf Jahren betreiben sie eine private Vogelstation, sie kümmern sich um kranke, verletzte und in Not geratene Vögel – durchschnittlich um bis zu 200 Tiere pro Jahr. Als sie die Neufassung der Polizeiverordnung lasen, mussten sie jedoch tief schlucken. Sie halten sie in dieser Form für einen Fehler.

Dabei haben sie Verständnis für den Protest von Schwenninger Bürgern, die jetzt dazu führt, dass die Polizeiverordnung ergänzt werden soll. In der Turnerstraße füttert ein Mann Tauben exzessiv. Teilweise sollen sich dort mehr als 100 Tiere aufhalten. "So viele Tauben in meinem Garten, das würde mich, ehrlich gesagt, auch erheblich stören", sagt Ellen Claaßen. Doch wenn schon die Verordnung geändert werden müsste, plädieren die Claaßens für eine andere Formulierung. Nach dem aktuellen Vorschlag der Verwaltung heißt es im Paragraphen 16: "Eine Ausnahme bildet die Fütterung von Sing- und Gartenvögeln. Für diese ist das Futter so auszulegen, dass es von Tauben nicht erreicht werden kann."

Ralf und Ellen Claaßen üben der der Neufassung der Polizeiverordnung Kritik. Bild: Hauser
Ralf und Ellen Claaßen üben der der Neufassung der Polizeiverordnung Kritik. Bild: Hauser

Das sei nicht realistisch, argumentieren die Vogelschützer. Amseln zum Beispiel picken das, was sie nicht fressen, aus den Vogelhäuschen heraus. Dieser "Abfall" auf dem Boden ziehe eben oft Tauben an, die nicht sehr wählerisch seien. Stattdessen sollte der Satz in die Verordnung aufgenommen werden: "Verboten ist eine gezielte Taubenfütterung mit Futter, welches der normalen Taubenernährung entspricht."

In der bisher von der Verwaltung favorisierten Fassung müsse jeder selbst dafür sorgen, dass sich nicht auch Tauben niederließen. Selbst wenn die Stadt-Sheriffs nicht immer voll durchgriffen, glauben die Beiden, dass künftig wieder mehr Bürger gänzlich auf die Fütterung von Vögeln verzichteten, um auch Nachbarschaftstreitereien aus dem Weg zu gehen. Mit einigen Konsequenzen: Die Claaßens plädieren für eine Ganzjahresfütterung von heimischen Singvögeln, deren Bestand von Jahr zu Jahr zurückgeht. Das liegt vor allem daran, dass grüner Rasen und Tuja-Hecken dominieren. Manch einer verwandele seinen Vorgarten auch in eine Steinwüste, um so dem Unkraut Herr zu werden. Alles falsch – finden die beiden Villinger. Ein Garten benötige Bäume Hecken und wilde Gräser. Werde das nicht mehr gewährleistet, müsse die Fütterung das Überleben von Garten- und Wildvögeln sichern.

Gleichzeitig die Tauben zu vergrämen, sei nicht einfach. Aus Sicht der Claaßens könnte der Bestand der Vögel am besten durch ein Taubenhaus oder einen -schlag reguliert werden. Dabei werden die echten Eier durch Gipseier ausgetauscht. Vor zwei Jahren setzte sich der Tierschutzverein Menschen für Tiere für solch eine Regelung ein. Da dafür aber das denkmalgeschützte alte Kaufhaus in der Rietstraße vorgeschlagen wurde, lehnten es die Gemeinderäte ab. Das sei möglicherweise etwas voreilig gewesen, argumentieren die Claaßens. Aus ihrer Sicht hätten die Gemeinderäte mehr Zeit für die Suche nach einem anderen Standort aufwenden sollen.

Am Mittwoch, 21. Juni, berät der Verwaltungs- und Kulturausschuss erstmals ab 17.20 Uhr im Matthäus-Hummel-Saal darüber, ob die Taubenfütterung auch auf privatem Gelände verboten werden soll – Anlass sind mehrere Vorfälle in Schwenningen. Eine Woche später muss der Gemeinderat darüber beschließen.

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