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Villingen-Schwenningen Villingen zeigt weiter Flagge gegen Pegida

SBH-Gida organisiert 100 Teilnehmer aus drei Ländern zur ersten Kundgebung an einem Sonntag. Ihnen stehen über 400 Menschen gegenüber, die gegen den Pegida-Ableger demonstrieren. Die Kundgebung verläuft insgesamt ohne Zwischenfälle.

Zum ersten Mal fand eine Kundgebung des Pegida-Ablegers SBH-Gida an einem Sonntag statt. Bei strahlendem Sonnenschein stellte sich gestern erneut das Bündnis „No Pegida in VS“ den Pegida-Teilnehmern entgegen. Über 400 Bürger aus Vereinen, Gewerkschaften und Institutionen verliehen ihrem Protest dieses Mal durch einen großen Demonstrationszug Ausdruck. Auch Teilnehmer des Offenen Antifaschistischen Treffen VS nahmen an dem Demozug teil.

Ausgehend vom Bahnhofsvorplatz setzte sich der Zug in Richtung islamisches Gemeinschaftshaus in Bewegung. Organisator Pascal Pestre und der im Ruhestand befindliche evangelische Pfarrer aus Schwenningen, Dieter Brandes, eröffneten den Zug. Er erinnerte zu Beginn an die elf jüdischen Bürger in Villingen-Schwenningen, die von den Nazis in Konzentrationslager deportiert wurden und warnte eindringlich davor, wozu Fremdenfeindlichkeit führen kann. Deshalb führe der Demonstrationszug mit dem Denkmal für die ermordeten Juden, dem islamischen Gemeinschaftshaus und dem Osianderplatz an „drei symbolischen Eckpunkten der Stadt“ vorbei.

Angeführt von Oberbürgermeister Rupert Kubon und Pascal Pestre machte der Zug am islamischen Gemeinschaftshaus Station. Dort hielt Ahmet Koc von der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) eine engagierte Rede, in der er betonte, dass es für alle Angehörige gleich welcher Religion Pflicht sei, sich gemeinsam gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit zu engagieren. Er rief zu Respekt, Frieden und Solidarität unter den Menschen auf. Koc verdeutlichte zudem, dass auch die hier lebenden Muslime zu Deutschland gehören.

Die Aussage „alle Religionen gehören der Welt“, erntete großen Beifall unter den Teilnehmern. Koc lud abschließend alle Interessierten recht herzlich ein, bei einem Tee ins persönliche Gespräch zu kommen, um somit Vorurteile übereinander abbauen zu können.

An der letzten Station des Zuges am Osianderplatz erzählte die ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD Christa Lörcher davon, dass auch sie als Flüchtlingskind nach Deutschland kam. Damals ginge es ihr gut, doch sei die Lage für viele Flüchtlinge in Deutschland heutzutage weniger positiv.

Nur wenige Meter vom Osianderplatz entfernt begann gegen 15 Uhr die Kundgebung der SBH-Gida. Rund 100 Teilnehmer versammelten sich auf dem Münsterplatz. Laut Veranstaltern kamen diese aus Österreich, der Schweiz und Deutschland angereist. Ebenfalls angereist war eine Rednerin vom „Schutzbund für das deutsche Volk“. Diese ist laut bayerischem Verfassungsschutz eine rechtsradikale Organisation. Die als Vorsitzende des Verbandes vorgestellte Rednerin erklärte, dass die Einwanderung „eher eine Belastung als eine Stärkung der deutschen Wirtschaft darstellt“. Die durch die „Asylindustrie“ verantwortete Einwanderung sei „irrsinnig“ und seit Jahrzehnten gescheitert.

Auf der anderen Seite des Münsterplatzes standen circa 100 Anhänger der Antifa und versuchten lautstark die Reden der Pegida-Teilnehmer zu übertönen. Dazwischen sorgte ein durch Absperrgitter geschaffener Korridor für Distanz zwischen beiden Lagern. Schätzungsweise über 200 Polizisten waren in der Innenstadt im Einsatz. Sie achteten auf einen ruhigen Ablauf aller Demonstrationen. Das gelang auch. Sie verliefen alle störungsfrei bis zum Ende. Kurz vor 17 Uhr beendeten Pegida Teilnehmer ihre Kundgebung und auch die Antifa rollte ihre Fahnen zusammen. Die Polizei fing mit dem Abbau an. Die Villinger Innenstadt gehörte wieder den Sonntagsspaziergängern.

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