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Villingen-Schwenningen Villingen-Schwenningen braucht Yoga

Dass man Yoga als gymnastische Übung nutzen kann, um den Körper zu ertüchtigen, hat sich nicht nur in intellektuellen Kreisen längst herumgesprochen. Sich in beängstigend wirkende Verrenkungen zu begeben, ohne sich dabei die Knochen zu brechen oder schwere Zerrungen zu holen, ist die eine Seite. Eine andere jedoch ist die spirituelle, die jedem länger Praktizierenden über kurz oder lang begegnen wird.

Das ursprünglich in Indien entstandene Yoga in seiner Form diverser Körperübungen ist mittlerweile auch in Deutschland weit verbreitet. Allein die Volkshochschule Villingen-Schwenningen bietet 17 Yogakurse in ihrem aktuellen Herbstprogramm. Was es mit dem spirituellen Hintergrund von Yoga auf sich hat, war dieser Tage Gegenstand eines Vortrages im Yoga-Vidya-Zentrum in Villingen. Sukadev Bretz ist der Gründer des Vereins „Yoga Vidya“, unter dessen Logo deutschlandweit über 50 Zentren Kurse anbieten. Und rund 50 Zuhörer hatte Bretz, der mit bürgerlichem Vornamen Volker heißt, nun in Villingen, als er über Yoga als spiritueller Weg referierte.

Villingen-Schwenningen, so führte er launig ein, sei ein Paradebeispiel für das Prinzip Yoga. Zwei Städte, die eine badisch, die andere württembergisch, hier katholisch, dort evangelisch. Noch nicht ganz zusammengewachsen, wie bringt man diese beiden in Harmonie, Verbindung? Verschiedenes miteinander zu verbinden sei auch der Weg des Yoga: den Alltag mit dem Spirituellen, den Körper mit dem Geist. Die Praxis der Körperübungen ist dabei nur eine Methode. Eine andere die Meditation, um sich dem Göttlichen zu nähern, eine weitere, dem Nächsten zu dienen. Was dabei das „Göttliche“ genau ist, darüber könne man nur konzeptuelle „Arbeitshypothesen“ bilden, wie Bretz ausdrückt. Und die führten häufig leider zu Missverständnissen oder Konflikten zwischen den Menschen.

„Spiritualität sollte immer spielerisch, humorvoll sein. Man sollte sich bewusst darüber sein, dass man eigentlich häufig im Irrtum über das ist, was man so wahrnimmt“, brachte es Sukadev Bretz auf den Punkt. Menschen seien jedoch wesentlich mehr miteinander verbunden, als ihnen gemeinhin bewusst sei. Dass es einen Unterschied zwischen Glauben und Spiritualität gibt, strich er dabei heraus.

Der Glaube, so Bretz, habe fixe Vorstellungen, die Spiritualität schaue darüber hinaus. Solche Mystiker gebe es in jeder Religion und alle haben ähnliche Sichtweisen des Transzendenten. Es gehe dabei einfach um die Chance, leidvolle Zustände nicht nur auf äußere Umstände zu schieben, sondern bei sich selbst anzufangen.

„Yoga kann Kopf-, Rücken- und andere Schmerzen lindern. Aber deswegen wird ein Yogi dennoch auch krank und muss sterben“, so Bretz schmunzelnd. Ein Freund von ihm, der ebenfalls Yoga praktizierte, immer gesund und in einer glücklichen Beziehung lebte, sei jung an Krebs gestorben. „So was passiert. Egal was uns geschieht, es nützt nur eine gewisse Gelassenheit, ohne dabei in Passivität zu verfallen“, konkretisierte Bretz. Und er warnte ausdrücklich vor übertriebenem spirituellen Gehabe. Man müsse Spiritualität in den Alltag integrieren und nicht abheben. Wer zu vergeistigt sei und nur meditiere, helfe niemandem. Der sollte dann, so Sukadev Bretz, doch besser in der Küche eines Yogazentrums mitarbeiten, um etwas Nützliches zu tun.

Uwe Spille

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