Villingen-Schwenningen Verein Pro Stolpersteine organisiert Mahnwachen zur Erinnerung

Der Verein Pro Stolpersteine startet erneut Mahnwachen in Erinnerung an deportierte Juden. Das nächste Treffen ist am 13. November.

Der Verein Pro Stolpersteine rief zur ersten Mahnwache dieses Herbstes auf. Damit erinnert der Verein an das Schicksal zwölf jüdischer Bürger aus Villingen, die am 22. Oktober 1940 in das französische Internierungslager Gurs deportiert wurden.

Der Regen prasselt heftig auf das Pflaster des Bahnhofvorplatzes, als sich eine Handvoll Frauen und Männer um das Gurs-Mahnmal versammelt, vor dem zwölf Stolpersteine mit den eingravierten Namen der jüdischen Frauen und Männer platziert sind. "Die Menschen in Gurs sind damals knöcheltief im Schlamm gestanden, da werden wir den Regen aushalten", sagt eine Teilnehmerin der Mahnwache, die mit ihrem Mann extra aus Lahr angereist ist.

Auf dem Bahnhofsvorplatz spricht der Vorsitzende des Vereins Pro Stolpersteine, Friedrich Engelke, einige einleitende Worte. Anschließend lesen Teilnehmer der Mahnwache Passagen aus Briefen und Biografien von Bertha Schwarz, Bella Kohn und Seligmann Hirsch, die an jenem 22. Oktober 1940, ebenso wie acht weitere Personen, von der Gestapo aus ihrem Zuhause in Villingen abgeholt und mit dem Zug von Villingen zunächst nach Offenburg und später weiter nach Südfrankreich gebracht wurden.

Insbesondere verlesen die Teilnehmer der Mahnwache Briefe und Biografien von Bertha Schwarz, Bella Kohn und Seligmann Hirsch. Zusammen mit Familienmitgliedern von Bertha Schwarz, Hugo, Irma und Julie sowie Heinrich, Sally und Martha Schwab, Erich Gaber und Hermann, Georgine und Berthold Haberer kamen die Villinger Bürger nach Gurs. Offensichtlich sorgte die Erkenntnis, dass es nach Westen ging, zunächst für eine gewisse Erleichterung, die sehr bald in Ernüchterung umgeschlagen sein muss. Erst nach vier Tagen erreichten die Deportierten das menschenunwürdige Lager in Südfrankreich, wie aus einem Brief von Martha Schwab hervorgeht.

Mit weiteren Mahnwachen wird der Verein Pro Stolpersteine bis Ende Januar jeweils sonntags um 19 Uhr in Villingen und Schwenningen zum Gedenken einladen, bei dem jeweils verschiedener Opfergruppen des Naziterrors gedacht wird. Die nächste Mahnwache findet am Sonntag, 13. November, um 19 Uhr auf dem Münsterplatz in Villingen statt. Dann steht das Schicksal der Villinger Familie Schwarz im Zentrum des Gedenkens.

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