Um den provisorisch aufgebauten Tisch mit Schirm in der Villinger Rietstraße drängen sich bereits um 10 Uhr trotz Regen viele Menschen. Alle wollen unterschreiben. Ein großer Schriftzug zeigt, um was es hier geht. „Bürgerbegehren“ ist in großen Buchstaben darauf zu lesen. Viele freiwillige Helfer stehen mit Listen am Stand oder sprechen Passanten an.
Auch Berthold Ummenhofer, Initiator des Bürgerbegehrens, ist da. Er zeigt sich überwältigt von der entgegengebrachten Unterstützung: „VS steht zusammen wie noch nie.“ Sechs Wochen haben die Freiwilligen Zeit um 5000 Unterschriften zu sammeln. Diese Anzahl wird benötigt, dass die Volksabstimmung zum zentralen Rathaus-Neubau stattfinden kann.
Um den Stand in der Villinger Innenstadt sammeln sich Diskussionsgruppen. Das Großprojekt Neubau ist in der Rietstraße in aller Munde. Insgesamt fünf Stunden, in Villingen von 9 bis 14 Uhr und in Schwenningen von 8 bis 13 Uhr, hatten die Bürgerinnen und Bürger der Doppelstadt am Samstag die Möglichkeit, sich für einen Bürgerentscheid auszusprechen und auf den ausgelegten Listen zu unterschreiben.
Einer der freiwilligen Helfer, Albert Helmstädter aus Marbach, ist gespannt, welche Auswirkungen das Verhalten des Gemeinderates hinsichtlich des zentralen Rathauses bei den Wahlen im übernächsten Jahr haben wird: „Ich hoffe, die Bürger zeigen, dass sie so etwas nicht länger dulden.“ Er selbst hat nur ein großes Kopfschütteln übrig. Es sei wie bei einer Wanderung, sagt er. „Wenn ich den Gipfel mit einer Gruppe erreichen möchte, frage ich doch auch vorher nach, ob alle mitkommen. Ansonsten kann ich alleine gehen.“
Alle Beteiligten müssten zuvor über mögliche Folgen und Gefahren aufgeklärt werden, findet Albert Helmstädter. Auch er, der sich hauptsächlich um das Organisatorische kümmert, hat bisher nur positive Reaktionen auf die Initiative zum Bürgerbegehren erhalten. „Überall wo ich bin, werde ich darauf angesprochen. Zum Überqueren des Marktplatzes habe ich vorhin beinahe eine halbe Stunde gebraucht“, lacht er.
Was die 5000 Unterschriften anbelangt, ist Berthold Ummenhofer zuversichtlich. „Mit heute ist ein großer Anfang gemacht.“ Er hofft, dass es weniger als sechs Wochen dauern werde, bis alle vorhandenen Stimmen vorhanden sind. „Wir haben ein ganz tolles Team.“
Auf Linie gebracht?
Rudolf Nenno, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, sagt in Schwenningen, er habe von städtischen Bediensteten gehört, dass sie Angst vor unliebsamen Konsequenzen haben, wenn ihr Name auf den Unterschriftenlisten auftaucht. Sie seien von ihrem Dienstherrn gewarnt worden. (bm)