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Das vierte Meisterkonzert in Villingens Franziskaner Konzerthaus brachte jetzt die überaus erfreuliche Wiederbegegnung mit dem „Philharmonischen Orchester Freiburg“, welches auch in der Oper der Breisgau-Metropole spielt. Chefdirigent ist der vielseitige Musiker GMD Fabrice Bollon aus Frankreich (studierte in Paris und in Salzbug). Als Solist trat der meisterliche russische Pianist Igor Kamenz auf, der in Novosibirsk schon als Sechsjähriger pianistisch und als Dirigent ausgebildet wurde.

Das Programm umfasste Werke von Sibelius, Prokofjew und Elgar, die innerhalb weniger Jahre am Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind.

Das Meisterkonzert begann mit der zu Unrecht kaum bekannten Sinfonischen Dichtung „Pohjolas Tochter“ (op. 49) von Jean Sibelius (komponiert 1906) des mit Abstand bedeutendsten finnischen Tondichters. Ein Wegbereiter für das finnische Nationalbewusstsein war im 19. Jahrhundert das Epos „Kalevala“, welches von den Abenteuern des Sängers Väinämöinen und von der schönen jungen Frau, Pohjolas Tochter, berichtet. Am Ende zieht der Sänger unverrichteter Dinge weiter. Auch musikalisch schließt sich der Kreis vom einleitenden rezitativen Motiv des Solo-Cellos bis zum Pianissimo-Ausklang. Oboe, Horn und Flöte, aber auch Solovioline spielten wichtige Rollen in dem stark besetzten Orchester, über das Fabrice Bollon schwungvoll und überzeugend regierte.

Dann kam man zu dem heiß erwarteten Hauptwerk des Abends, gleichzeitig der jüngsten Komposition. Von den fünf Klavierkonzerten, die Sergej Prokofjew zwischen 1911 (bis 1912) und 1932 komponierte, gilt das 1913 geschaffene „2. Konzert für Klavier und Orchester g-Moll“ (op. 16) als das schwierigste für den Pianisten und musikalisch als das kompromissloseste. Sein Orchesterpart zeigte sich in der revidierten Fassung von 1923, die Igor Kamenz und die „Freiburger“ realisierten, sehr verfeinert gegenüber der Uraufführungsversion.

Der russische Meisterpianist Igor Kamenz mit seinen 18 ersten Preisen bei internationalen Klavierwettbewerben war der richtige Mann für dieses „stahlharte“ viersätzige Werk – eine wahre Naturgewalt trotz der Feinfühligkeit, die er bei aller „brutalen Äußerung“ walten ließ. Orchester und Solist trafen zwar am Anfang einen erzählenden lyrischen Ton, zum Gipfelpunkt wurde aber nach wenigen Minuten die riesenhafte Kadenz, die pianistisch eine Bandbreite von Urwüchsigkeit bis zur Raserei demonstrierte.

Dem perfekten Kamenz gelang es sogar, „hohlen Lärm“ mit Noblesse zum umgehen. Im folgenden „Scherzo“ fesselte weniger das „Perpetuum mobile“ des Solisten als eine sehr farbige „Danse macabre“ im Orchester, von Dirigent Bollon geschickt organisiert. Das „Intermezzo“ (3. Satz) war voller barbarischen Kolorits mit einer Atmosphäre des Schreckens und Vorahnung auf Krieg und Revolution. Eine Mollweise (russischer Marsch mit Variationen) wirkte etwas tröstend, doch es siegten die dissonanten synkopischen Sprünge bis zum harschen Finale – trotz weiterer volkstümlicher Variationen. Kamenz spielte nicht auswendig. Die unglaubliche Kondition des Pianisten war wohl für die donnernden Ovationen des Publikums verantwortlich. Als „beruhigende“ Zugaben wählte Igor Kamenz eine Schumann-Liedtranskription und von Bach Präludium und Fuge. Das Publikum raste und hatte die Konzertpause wirklich nötig.

Danach folgte das längste Werk des Abends: Edward Elgars „1. Sinfonie As-Dur“ (op. 55) aus dem Jahr 1907. Im ersten Satz der Sinfonie fallen das hymnische, choralartige Thema und das sich anschließende dramatische „Allegro“ auf. Daraus entwickelte sich das mit viel Schlagzeug ausgerüstete „Scherzo“, das pausenlos in das tief empfundene „Adagio“ überging. Der Finalsatz „Lento-Allegro“ begann raunend, auffallend war ein schneller Marsch mit rhythmischer Energie – mit Erinnerung an den Anfang der Sinfonie. Fabrice Bollon hatte „alle Fäden in der Hand“ und erzielte trotz der dichten Besetzung des Orchesters große Durchsichtigkeit. Es gab zu Recht viel Applaus des begeisterten Publikums.

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