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Villingen-Schwenningen Trauerfeier für beliebte Politikerin: Tannheim gedenkt seiner Tigerin

Tannheim nimmt Abschied von Helga Eilts. Hunderte Menschen kommen zur Trauerfeier für die Ortsvorsteherin. Humor, Warmherzigkeit und Willensstärke – so beschreiben Weggefährten sie und zeigen damit, was die engagierte Politikerin so beliebt gemacht hat.

 

Diese Trauerfeier hätte Helga Eilts gefallen. Es war, als würde immer wieder ihr strahlendes Lachen aufleuchten, etwa beim geliebten Badner Lied, das die Musikkapelle ihr zu Ehren bei der Trauerfeier intonierte. Hunderte Menschen haben in der Tannheimer Kirche Abschied von der langjährigen Ortsvorsteherin und einer beliebten, verehrten, im öffentlichen Leben ungemein engagierten Frau genommen.

Lange vor Beginn der fast zweistündigen Zeremonie war das Gotteshaus proppevoll; lang war das Defilee der Trauergäste, die sich vor dem Sarg verbeugten. Ihr schweres Leiden habe sie in großer Geduld ertragen, erinnerte Diakon Michael Radigk an die letzten Tage von Helga Eilts, deren plötzlicher Tod am vergangenen Mittwoch auch die eigenen Pläne durchkreuzt habe. „Sie hatte noch viel vor.“

Zielstrebig, kraftvoll, erfüllt von Fürsorge für andere habe sie gelebt und gewirkt und sei ihrer Zeit stets einen Schritt voraus gewesen. Als eine der damals ersten Frauen sei sie als zweifache Mutter berufstätig gewesen, wurde als erste Frau Villingen-Schwenningens zur Ortsvorsteherin gewählt, habe sich als Protestantin für ökumenische Gemeinschaft im katholisch geprägten Dorf eingesetzt. „Jetzt hat die Tigerin von Tannheim ihren letzten Kampf verloren“, sagte Michael Radigk.

Eilts starb wenige Tage vor ihrem 73. Geburtstag, Oberbürgermeister Rupert Kubon berichtete von einem intensiven Gespräch, das er mit ihr am Krankenbett geführt hatte. Die Stadt verliere mit ihr eine bedeutende Politikerin und außergewöhnliche Persönlichkeit. Mit Diplomatie und Augenmaß habe Helga Eilts für vieles die Weichen gestellt; der OB nannte Schule, Kindergarten, Nachsorgeklinik, ebenso rastlos habe sie für Tannheimer Freibad, Heimatstube und Zuchttierhaltung gekämpft: „Heimatliebe trieb sie an.“

Infrastruktur war ihr Hauptthema, sagte Landrat Sven Hinterseh. Eilts sei von starkem Willen geleitet gewesen und getragen vom Vertrauen der Mitbürger. Auch wegen ihres Anstands und gesunden Menschenverstands habe sie hohes Ansehen genossen.

„Das Rathaus war ihr Lebensinhalt“, sagte die stellvertretende Ortsvorsteherin Anja Keller. Helga Eilts habe sich eigens zur Standesbeamtin qualifiziert, damit Tannheimer daheim heiraten konnten. „Und als Schülerin in Villingen war ich stolz darauf, dass die freundliche Kassiererin im Drogeriemarkt unsere Ortsvorsteherin war.“

Als Repräsentant aller Ortschaftsräte würdigte Pfaffenweilers Ortsvorsteher Ortwin Nufer die verstorbene Kollegin als „Vorbild für uns alle“. Wolfgang Berweck von der Kreistagsfraktion der Freien Wähler beschrieb Helga Eilts als leidenschaftlich und klug. Sie habe ihm manchmal den Kopf gewaschen.

„Betroffen und schockiert“ habe die Nachsorgeklinik auf den Tod der Mitstreiterin reagiert, sagte Geschäftsführer Roland Wehrle. Es sei ihr Verdienst, dass sich die Tannheimer mit der Klinik identifizierten. Helga Eilts erfreue sich größter Wertschätzung, werde intern nicht nur als Tigerin, sondern auch als Mutter Theresa und Oberbürgermeisterin von Tannheim tituliert.

Oliver Neugart erinnerte an Eilts Engagement im Roten Kreuz, wo sie sich um Blutspendeaktionen, Seniorenfahrten und Theaterabende kümmerte. Reinhard Delor sprach für alle 20 Tannheimer Vereine und versicherte große Dankbarkeit und tiefe Trauer.

Für die Musikkapelle erinnerte Jürgen Blessing an die gesellige, fröhliche, warmherzige, humorvolle Frau, die sich für Brauchtum, Kultur und Musik einsetzte. Sie hätte ihre Freude am feinen Orgelspiel, feierlichen Chorgesang und herzhaften Kapellenklang gehabt.

Zur Person

Helga Eilts ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Sie war in ihrem Amt als Ortsvorsteherin von Tannheim die Älteste im Bundesland Baden-Württemberg. Seit 1989 war Helga Eilts das Oberhaupt von Tannheim. Sie war Parteimitglied der Freien Wähler und setzte sich auch im Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen stets für die Wünsche und Anliegen ihrer Ortsbürger ein.

Helga Eilts wurde in St. Georgen geboren und erarbeitete sich auch als „Reingeschmeckte“ mit ihrer Leidenschaft und Fürsorge, mit der sie ihr Amt jahrelang ausübte, mehr und mehr Zustimmung in Tannheim – nicht nur in der Kommunalpolitik, auch im Vereinsleben und vor allem als Persönlichkeit. (mp)

 

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