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Villingen-Schwenningen Tannheimer Kirche entstand aus einem Kloster

Unsere Kirchen und Kapellen: Tannheim hat eine imposante Pfarrkirche. Das Gotteshaus wurde vor 120 Jahren unter großem Einsatz von Pfarrer Keller und der Bevölkerung errichtet.

VS-Tannheim (kd) Derzeit steht Tannheim besonders im Fokus: Denn die 1200-Jahr-Feier wird in diesem Jahr gebührend begangen. Tannheim gilt zwar als eine ländlich geprägte Gemeinde, hat jedoch einiges zu bieten und ist für viele längst ein beliebter Urlaubsort. Auch eine eigene Pfarrkirche hat Tannheim, erbaut auf einer kleinen Anhöhe und dadurch eine recht imposante Erscheinung. Die Kirche können SÜDKURIER-Leser nun exklusiv bei einem Rundgang mit Kirchenkenner Josef Vogt kennenlernen. Im Rahmen der Aktion „Der SÜDKURIER öffnet Türen“ wird Vogt einen spannenden Rundgang am Samstag, 29. April, anbieten.

  • Die Geschichte: Über Jahrhunderte war Tannheim Standort eines Paulinerklosters. Es wurde 1353 von den Grafen zu Fürstenberg gegründet. Aufgehoben wurde es 1803 im Zuge der napoleonischen Säkularisierungspolitik. Der Abriss erfolgte erst 1898. Aus den Überresten entstand dann vor fast 120 Jahren die zentral gelegene St. Gallus-Kirche. Die Pfarrei Tannheim besteht seit dem Jahr 1806. Damals wurde die Klosterkirche, die sich weit außerhalb des Ortskerns befand, zur Pfarrkirche erhoben. Da diese beinahe zwei Kilometer vom Dorf entfernt lag, hegte die Pfarrgemeinde irgendwann den Wunsch, innerhalb des Dorfes eine neue Kirche und ein neues Pfarrhaus zu erbauen. Bereits um 1840 erwog die Fürstlich Fürstenbergische Kanzlei, das Kloster abzureißen und unter Verwendung des Abbruchmaterials eine neue Pfarrkirche zu errichten. Dieser Plan sollte allerdings noch gut 50 Jahre überdauern.
  • Die Vorgeschichte: Erst Pfarrer Wolfgang Amadeus Keller, der 1894 nach Tannheim kam, machte sich ans Werk. Mit großem persönlichem Einsatz setzte sich der Pfarrer in den folgenden Jahren für den Neubau der Kirche ein, denn aus einem Eintrag im Kirchenbuch ist Folgendes überliefert: „Vielleicht viel mehr noch als in früheren Jahren ist in diesem Winter die Sehnsucht wieder erwacht, die Pfarrkirche im eigenen Dorf zu besitzen. Sicher ist, dass es mit bloßen Wünschen nichts erreicht wird“, schrieb Pfarrer Keller. Im November 1896 teilt jener Pfarrer mit: „Die nächsten Tage ist hier kein Gottesdienst, da ich mich gezwungen sehe, in Sachen unseres Kirchenneubaus persönlich nach Karlsruhe zum Oberstiftungsrat, unter Umständen auch nach Freiburg ins Erzbischöfliche Vikariat zu gehen“.
  • Die Kosten: Bald danach ließ das großherzoglich-badische Ministerium mitteilen, dass der Neubau von Kirche selbst in die Hand genommen werden müsse. Dennoch ging es anschließend schnell voran. Denn bereits im Januar 1898 verkaufte Xaver Volk den notwendigen Platz an die Kirche. Für den Kirchenbau wurden 66 000 Mark und für das Pfarrhaus 19 000 Mark veranschlagt. Am Ende sollten die beiden Bauwerke ziemlich genau 100 000 Mark kosten. Es wurde ein Darlehen von 90 000 Mark aufgenommen. Die politische Gemeinde übernahm in den Jahren danach teilweise die Zins- und Tilgungsraten.
  • Bau der Pfarrkirche: Unter Verwendung von Baumaterialien des inzwischen abgebrochenen Klosters begann man im Mai 1898 mit dem Neubau der Pfarrkirche. Viele Handwerksbetriebe aus Tannheim und Umgebung waren beteiligt. Überliefert ist auch, dass Lammwirt Bernhard Müller an die 400 Zentner Portland-Zement vom Bahnhof Klengen zur Baustelle transportiert haben soll. Am Sonntag, 10. Juli 1898, um 14 Uhr wurde der Grundstein gelegt. Dieser wurde rechts neben dem Haupteingang eingemauert und trägt die Jahreszahl 1898. Ihm wurde eine von den Mitgliedern des Stiftungsrates unterzeichnete Gründungsurkunde beigelegt, deren Text leider nicht ermittelt werden konnte.
  • Die Kirche: Die im frühgotischen Stil erbaute, dreischiffige Kirche ist 35 Meter lang, 15 Meter breit und 12 Meter hoch. Am 12. November 1899 nahm Pfarrer Keller die Segnung der fertigen, jedoch noch schmucklosen Kirche vor.
  • Die Ausstattung: Für die Inneneinrichtung der neuen Kirche verwandte man zunächst diverse Einrichtungsgegenstände der Klosterkirche. Erst in den folgenden zwei Jahrzehnten erhielt die Kirche nach und nach eine Kanzel, einem Taufstein, einem neuen Hoch- und die Seitenaltäre. Der Hochaltar beispielsweise wurde von Altarbauer Theodor Schnell aus Ravensburg im Jahre 1910 für 6000 Mark erstellt. Der Krieger-Gedächtnisaltar, der sich auf der rechten Seite befindet, ist ebenfalls aus der Werkstatt Schnell. Das Denkmal wurde von der Gemeinde gestiftet und am 11. Dezember 1921 geweiht. Die Kanzel und der Taufstein wurdem schon um 1900, nach Genehmigung des Katholischen Oberstiftungsrsats, in der Schnell´schen Werkstatt angefertigt. Auf Empfehlung des Altarbauers Schnell beauftragte Pfarrer Keller Ende April 1910 die Ravensburger Firma Gottfried Schiller & Ostermeier mit der bildnerischen Gestaltung von Kirche und Chor.
  • Orgel und Glocken: Die Orgel wurde aus der einstigen Klosterkirche übernommen und gründlich überholt. Im Jahr 1956 wurde sie durch die Freiburger Orgelbaufirma Dold komplett umgebaut und auf 18 Register aufgerüstet. Pfarrer Keller gelang trotz der hohen Schulden für den Kirchenbau bereits um 1900 vier neue Glocken zu beschaffen und von der Villinger Glockengießerei Grüninger anfertigen zu lassen.

Gewinnspiel und Serie

15 SÜDKURIER-Leser können beim Gewinnspiel eine kostenlose Führung mit Kirchenkenner Josef Vogt gewinnen. Wenn sie am Samstag, 29. April, um 17 Uhr dabei sein möchten, rufen Sie bis einschließlich Mittwoch, 26. April, die Nummer 01379/370 500 30 an und nennen das Stichwort Tannheimer Kirche. Ein Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom kostet 50 Cent. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt.

In der Serie "Unsere Kirchen und Kapellen" stellt der SÜDKURIER in loser Reihenfolge Gotteshäuser im Villinger Umland vor und berichtet über deren Geschichte. (kd)

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