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Villingen-Schwenningen Streit um Nakba-Ausstellung

Palästinenser-Schicksal wird ab 25. März Thema. Kritiker sehen Schau als einseitig und antiisraelisch.

Sie ist noch nicht einmal eröffnet, doch sie sorgt bereits jetzt für Zündstoff. Die Rede ist von der Ausstellung „Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser“, die vom 25. März bis zum 12. April in der Schwenninger Stadtbibliothek zu sehen sein wird. Als Veranstalter der Ausstellung treten die Volkshochschule Villingen-Schwenningen, die Stadtbibliothek und der Nakba-Arbeitskreis auf. Eröffnet werden soll sie am 25. März um 19 Uhr durch OB Rupert Kubon.

Konzipiert wurde die Ausstellung, die inzwischen in mehr als 100 deutschen Städten zu sehen war, 2008 durch den Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“. Sie thematisiert die Vertreibung der Palästinenser während der Gründung des Staates Israel und auch danach und sie zeigt in diesem Zusammenhang Bilder und Texte von dem Leid, das diese Geschichte bei den Palästinensern ausgelöst hat.

Der Verein „Flüchtlingskinder im Libanon“ ist Anfang 1996 in Deutschland gegründet worden und unterstützt nach eigenen Angaben soziale, humanitäre, Freizeit- und Bildungsprojekte in den palästinensischen Flüchtlingslagern des Libanons. Darüber hinaus will er Verständnis für die Bedürfnisse und Anliegen der palästinensischen Flüchtlinge wecken. Doch Verständnis erfordert nach Auffassung des Vereins zuallererst Wissen. In diesem Fall das Wissen um die „Nakba“, die Katastrophe, wie die Palästinenser ihre Flucht und Vertreibung von 1948 nennen. Den überwiegenden Teil der Palästinenser hätten die Ereignisse von 1948 zu einem Volk von Flüchtlingen gemacht, die sich ihrer Heimat und ihres Besitzes beraubt sähen, ohne Aussicht auf nationale Selbstbestimmung, geschweige denn auf Entschädigung oder gar Rückkehr.

In Villingen-Schwenningen gibt es inzwischen erste Kritiker der Ausstellung. Der SPD-Gemeinderatskandidat in Villingen-Schwenningen, Joachim Kretschmann, bezeichnet die Ausstellung als eine „pro-palästinensische Wanderbühne“. Besonders bedenklich sei nicht allein die einseitige Schuldzuweisung an Israel als angeblichen „Besatzer“, den Besuchern werde vor allem „das Volk der Palästinenser“ als Wahrheit verkauft, obwohl ein solches überhaupt nicht existierte. Denn erst 1964 habe Yassir Arafat das Märchen vom Volk der Palästinenser erfunden. Heute seien die als Palästinenser deklarierten Menschen doch zu 98 Prozent die Nachkommen der Gastarbeiter aus Staaten wie Saudi Arabien oder Ägypten. Daran, die Ausstellung in VS abzusagen, denkt indes niemand. OB Kubon wird die Ausstellung wie geplant eröffnen, und seitens der Volkshochschule wurde auf Anfrage mitgeteilt, dass man sich einer gewissen Brisanz der Ausstellung durchaus bewusst sei, es aber nun einmal im Spannungsfeld Naher Osten keine einfachen Lösungen gebe.

In Überlingen am Bodensee gab es heftige Diskussionen. Dort wurde die Ausstellung zwar gezeigt, allerdings sorgte das Kulturamt dafür, dass auf Tafeln über die Kritik an der Ausstellung informiert wurde. Im vergangenen Jahr war die Ausstellung auch in Königsfeld zu sehen. Dies ohne Probleme. Dort wurde im Vorfeld deutlich gemacht, dass die israelische Sichtweise eine ganz andere sei, man aber hoffe, mit der Ausstellung und den ergänzend stattfindenden Veranstaltungen beide Seiten darzustellen und „ein wenig Hoffnung in einer ausweglos erscheinenden Situation geben zu können“.

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