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Villingen-Schwenningen "Stolpersteine" als Stein des Anstoßes

22.04.2004
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Wie provozierend die unselige Vergangenheit des Dritten Reiches auch knapp 60 Jahre nach seinem Untergang in die Gegenwart wirkt, zeigte sich gestern im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates. Die Mehrheit der Stadträte lehnte es ab, künstlerisch gestaltete"Stolpersteine" in der Stadt verlegen zu lassen, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern sollen.

Villingen-Schwenningen - Kleine Straßenpflaster in vielen Städten, so die Grundidee der Initiative, sollen an Juden, Sinti, Roma und politisch Verfolgte erinnern, die während der Nazi-Zeit deportiert wurden. Die zehn auf zehn Zentimeter großen Steine mit einer Messinginschrift sollen vor ihren ehemaligen Häusern verlegt werden. Die Idee dieser "Stolpersteine" stammt von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der deutschlandweit in 25 Städten bisher über 5000 solcher kleiner Denkmale verlegt hat.

Gestern beriet nun der Verwaltungsausschuss kontrovers über das Thema, nachdem eine Gruppe von Bürgern, vertreten durch Gunter Volk und Heinz Lörcher aus Villingen, den Antrag gestellt hatte, dass die Stadt das Anliegen unterstützen solle. "Wir glauben, dass von diesen Pflastersteinen ein wertvolles Signal ausgehen wird, sowohl an die hier aufwachsenden Jugendlichen wie an Menschen, die aus dem In- und Ausland unsereDoppelstadt besuchen", heißt es in dem Antrag. In Villingen-Schwenningen haben die Initiatoren 27 Häuser und 85 Namen ehemals jüdischer Einwohner ermittelt, die in Frage kommen. Finanziert werden sollen die Steine durch Patenschaften von Bürgern. Ein Stein kostet 95 Euro.

Doch mit der gestrigen Abstimmung im Verwaltungsausschuss scheint es fraglich, ob die "Stolpersteine" verlegt werden. Denn die Mehrheit von CDU und Freien Wählern lehnte die Aktion mit neun gegen fünf Stimmen ab. Dies, obwohl Oberbürgermeister Rupert Kubon und Stadtarchivar Heinrich Maulhardt nachhaltig um Unterstützung geworben hatten. Kubon hält die Präsentation der "Stolpersteine" in Form und Inhalt angemessen, um die Geschichte in ihrer Gesamtheit aufzuzeigen.

Die CDU-Fraktion jedoch, das betonte Renate Breuning, lehne eine "inflationäre Anbringung von Gedenktafeln auf Schritt und Tritt" ab. Sie verwies darauf, dass es in der Gerberstraße in Villingen und dem Schwenninger Waldfriedhof bereits Opfergedenkstätten gebe. Die Aktion in der Doppelstadt ziele außerdem nur auf jüdische Einwohner ab und lasse andere wie die Euthanasie-Opfer des NS-Regimes außer Acht. Geschlossene Ablehnung kam auch von den Freien Wählern. Stadtrat Wolfgang Berweck begründete dies mit der Sorge um die Eigentümer jener Häuser, in denen einst Juden wohnten. Diese würden durch die "Stolpersteine" dem Verdacht ausgesetzt, sie hätten während der Nazi-Herrschaft auf billige Art die Häuser der ermordeten Juden gekauft.

"Die kleinen Steine erinnern uns daran, dass Menschen unter uns gewohnt haben, die hier einfach ausgerissen wurden", warb Bernd Schenkel (SPD) für die Aktion. Die "Stolpersteine" gemahnten, dass Bürger in Villingen und Schwenningen "nicht nur Opfer, sondern auch Täter waren". Als wichtig für die jüngere Generation bewertete Joachim von Mirbach (Grüne) die Initiative. Damit würden "Spuren der Erinnerungen im Alltag" gelegt.

Doch die Mehrheit entschied anders. Joachim von Mirbach beantragte, dass nun doch der Gemeinderat in seiner Gesamtheit das Thema ausführlich beraten soll. OB Kubon will nun rechtlich prüfen lassen, ob und wann dies möglich ist.

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