Villingen-Schwenningen Stolperstein-Initiative gründet Verein

Neue Entwicklung bei den Stolpersteinen: Die Befürworter des Kunstprojekts wollen sich künftig in einem Verein zusammenschließen. Zudem soll es zu einem geheimen Treffen von Pfarrern und führenden Kommunalpolitkern gekommen sein.

Sie sollen die Erinnerung wach halten: Stolpersteine in Villingen-Schwenningen, angebracht vor den Häusern, aus denen während des NS-Regimes jüdische Familien in die Konzentrationslager deportiert wurden. Für die Umsetzung des europaweiten Kunstprojektes auch in der Doppelstadt setzt sich die Initiative Stolperstein ein.

Nach Informationen des SÜDKURIER gab es jetzt zudem ein geheimes Treffen von Pfarrern und führenden Kommunalpolitikern. Im Versammlungsraum einer evangelischen Kirche der Doppelstadt wurde zwischen führenden Kommunalpolitikern sowie katholischen und evangelischen Kirchen-Herren die Diskussionslage zur Stolperstein-Debatte erörtert. Es ging dabei um die Frage, ob das Thema kompromissfähig sein kann, nachdem es im Oberzentrum dazu erhitzte Debatten und Auftritte gab.
 

Kompromissbereitschaft nach Ausschluss


Offiziell wurde zu Ergebnissen des Treffens Stillschweigen vereinbart. Nach Informationen dieser Redaktion haben die Geistlichen, von denen die Initiative für die Stolpersteine ausgegangen war, klar gemacht, dass es ihnen vor allem um eine qualifizierte Form des Erinnerns gehe. Dies könne in Form der Stolpersteine sein. Die Geistlichen haben in der Runde klar gemacht, dass sie sich auch andere Formen durchaus vorstellen können. Unterstrichen haben die Geistlichen nach Informationen des SÜDKURIER, dass sie sich eine Null-Lösung auf keinen Fall vorstellen können.

Mit der erklärten Kompromissbereitschaft der Pfarrer gerät wiederum auch ein Vorschlag der CDU in denkbare Reichweite, der zur Erinnerung an Gewalt gegen jüdische Mitbürger eine Stele in zentraler Lage zum Inhalt hat. Wie es weiter aus gut informierten Kreisen heißt, wird erwogen, das Thema Erinnern an Gräueltaten dem neu gewählten Gemeinderat vorzulegen. Das aktuelle Räte-Gremium hatte Stolpersteine fürs Oberzentrum im November 2013 mehrheitlich mit Stimmen der CDU und Freien Wähler ausgeschlossen. Das genaue Abstimmergebnis lautete 16:18 Stimmen gegen die Stolpersteine.

Vor allem einige Freie Wähler erwägen eine Volksabstimmung zu dem Thema, parallel zu den Kommunalwahlen Ende Mai. Ein Verwaltungssprecher zeigte sich dazu aber nicht informiert, damit scheint eine Bürgerbefragung zumindest am 25. Mai als unwahrscheinlich.

Nun bereiten sich deren Akteure auf eine Vereinsgründung vor: „Pro Stolpersteine Villingen-Schwenningen“ soll der Verein heißen, der noch in diesem Frühjahr seine Arbeit aufnehmen möchte. „Die Satzung ist schon fast fertig“, sagt Theo Leute, der gemeinsam mit Friedrich Engelke und Dieter Brandes die Gründungsversammlung vorbereitet. Ziel des Vereins sei es, gegen das Vergessen anzuarbeiten, so Leute.
 

Erinnerungen sollen in den Alltag einfließen


Daher sei es der vorrangige Zweck, die Stolpersteine zu verwirklichen, die bereits zweimal vom Gemeinderat abgelehnt wurden. Stattdessen soll am 19. März nun der Entwurf für ein zentrales Mahnmal im Gemeinderat diskutiert werden. Das teilt Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der Stadt, mit. Für den künftigen Verein „Pro Stolpersteine“ ist ein solches Mahnmal allerdings keine Alternative: „Wir wollen keine starre Wand, an der man einmal im Jahr einen Kranz ablegt und sie zwischenzeitlich wieder vergisst“, sagt Theo Leute: „Uns geht es darum, die Erinnerung in den Alltag der Menschen einfließen zu lassen. Außerdem sind Namen an den betreffenden Plätzen viel persönlicher, als wenn sie alle untereinander in einer Wand aufgelistet sind.“ Doch auch wenn der Verein „Pro Stolpersteine“ hieße, versteiften sich dessen künftige Mitglieder nicht allein darauf, sagt Leute: „Es gäbe für uns eventuell auch andere Optionen, beispielsweise einzelne Tafeln an den entsprechenden Häusern.“

 

Der Verein verstehe sich als Teil des runden Tisches, der die Vereinsgründung zum Großteil auch befürwortet habe. Daher seien nicht nur die Stolpersteine sondern auch Veranstaltungen und Aktionen gegen das Vergessen Teil des Programms. So wollten sie beispielsweise die Mahnwachen im Herbst wieder aufnehmen, so Leute. Die vorerst letzte Wache fand vergangenen Sonntag auf dem Münsterplatz statt.

 

Thema im Rat

Nachdem der Gemeinderat im November 2013 Stolpersteine vor den Häusern der damals deportierten Juden abgelehnt hatte, stellten CDU und Freie Wähler im Dezember vergangenen Jahres einen Antrag auf die Einrichtung eines Mahnmals. Es soll Namen und Lebensdaten der Menschen enthalten und so konzipiert sein, dass Namen nachgetragen werden können. Sowohl in Villingen als auch in Schwenningen soll ein solches Mahnmal errichtet werden. Alternativ ziehen die Fraktionen allerdings auch eine Gedenkstätte für beide Stadtteile in Erwägung. Der Antrag soll am 12. März im Verwaltungs- und Kulturausschuss beraten und am 19. März im Gemeinderat beschlossen werden. (lmj)

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Stolpersteine in Villingen-Schwenningen: Im November 2013 hat der Gemeinderat in Villingen-Schwenningen die Stolpersteine erneut abgelehnt. Bereits im Jahr 2004 stimmten die Räte gegen diese Form des Gedenkens an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Dabei gab der Verlauf der Debatte zunächst Anlass zur Hoffnung, dass die Abstimmung im Gemeinderat anders ausgeht. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Nachrichten und Bilder rund um die Stolperstein-Debatte in Villingen-Schwenningen.
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