VS-Villingen Start frei für die Kabel-Experten
Marco Santini, Rupert Kubon und Landrat Karl Heim bei der Eröffnung des neuen Drahtbeschichtungsunternehmens. Bild: Spille
VS-Villingen – Marco Santini, gebürtiger Luxemburger mit Schweizer Pass, ist schon seit 1991 in Villingen-Schwenningen aktiv. Mit seinem Unternehmen Duralloy hat sich Santini schon länger auf Oberflächenbeschichtung von hoher Qualität spezialisiert. Nun ist er Dank seiner Ideen sogar in das Segment der absoluten Hochtechnologie vorgestoßen.
Als eines der wenigen deutschen Unternehmen, die überhaupt für das ehrgeizige Iter Projekt arbeiten, wird Marco Santinis GWC für die beschichteten Supraleiter eines neuen Reaktors sorgen. 13 000 Kilometer Draht werden jährlich in dem Neubau im Gewerbegebiet Eckweg beschichtet. Sie sind Dreh- und Angelpunkt der Hochleistungsmagnetspulen in dem Kernfusions-Versuchsreaktor, mit deren Magnetfeld das bis zu 100 Millionen Grad heiße Plasma, dass bei der Fusion entstehen soll, berührungsfrei im Raum gehalten werden soll.
Bei der symbolischen Inbetriebnahme der Anlage zeigte sich Oberbürgermeister Rupert Kubon dankbar für die jahrelange Treue des Unternehmers Marco Santini zur Stadt. „Wir werden alles dafür tun, damit sie es so angenehm wie möglich bei uns haben“, versprach Kubon, bevor er mit Santini den roten Startknopf drückte.
Dass es sich bei der Ansiedlung eines solchen Unternehmens der Hochtechnologie in der Region um eine absolute Ausnahme handelt, darauf wies auch Egon Warfia von der IHK hin. „Nur sehr wenige Firmen aus Deutschland sind an Iter beteiligt. Und eine davon aus Villingen-Schwenningen“, verdeutlichte Warfia mit Blick auf das rund fünf Milliarden Euro teure internationale Forschungsprojekt.
Ulrich Köngeter hielt in seiner Funktion als Chef der Stadtwerke ein flammendes Plädoyer für eine Energiewende. Die fossilen Brennstoffe, so Köngeter, seien begrenzt, der Energiehunger der Welt werde sich bis 2030 verdoppeln. „Ich fordere eine konsequente Energie- und Klimapolitik, die länger plant als über eine Wahlperiode“, so Köngeter. Zu dieser Energiewende gehöre auch die Möglichkeit der Kernfusion. Insbesondere freue ihn, dass mit Marco Santini ein „leuchtendes Beispiel für Erfindergeist“ die Region auch europaweit würdig vertrete.
Der Iter-Mitarbeiter Alex Vostner war für die Eröffnung von GWC gar aus Barcelona angereist, um über dieses „technologische Abenteuer“, wie er es wörtlich nannte, zu referieren. Man könne davon ausgehen, so Vostner, dass mit diesem Projekt ganz neue Schlüsseltechnologien entstehen würden. Und es ist ein Projekt, das auf lange Zeiträume angelegt ist. Mit dem ersten Plasma, so Vostner, könne frühestens ab 2018 gerechnet werden. Was dabei tatsächlich herauskommt, steht allerdings in den Sternen.
