"Der Sturm war alles andere als ein tolles Erlebnis", berichtet die Schwenningerin Stefanie Bea, die seit Juli in Oceanside auf Long Island bei New York als Au-pair arbeitet und ein College besucht.
Sogar an die Heimreise habe sie kurz gedacht, nachdem der Sturm das Haus der Gastfamilie unbewohnbar machte und alles zerstörte. Ihre Gastfamilie hat ihr aber wieder Kraft gegeben. Jetzt will sie bleiben und der Familie in der schweren Zeit zur Seite stehen.
Vor dem Sturm waren Stefanie Bea und andere Au-pairs sogar noch zu Späßen aufgelgt. "Wir haben uns drüber lustig gemacht, wie alles abgesichert wurde und die Leute alles leergekauft haben".
Heute, nur wenige Stunden nach dem Sturm, werden die Schäden sichtbar und ihr Humor ist verflogen. "Hätte ich das davor gewusst, hätte ich es sicher nicht so auf die leichte Schulter genommen", gibt die 18-Jährige zu.
Enormer Schaden
Der Schaden ist unvorstellbar. Der Wind hat das Wasser des Ozeans knapp eine Meile ins Landesinnere gedrückt und das Haus der Gastfamilie vollständig überflutet. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar, Autos wurden zerstört, Gegensände und Möbel im Erdgeschoss und Keller sind nicht mehr zu gebrauchen. "Zu Schaden gekommen ist niemand", sagt Bea erleichtert.
Angefangen hat alles, als Bea am Montagmorgen aufgewacht ist. Da waren die Straßen bereits leicht überflutet. Das Hochwasser sei nach ein paar Stunden mit der Ebbe erst zurückgegangen, um später mit der Flut und Hurricane Sandy im Rücken, mit voller Wucht zurückzukehren , so Bea.
"Mein Dodge Minivan wurde total überflutet. Das kleine Auto unserer Nachbarn konnte man gar nicht mehr sehen. Auch die Straßenschilder waren dann irgendwann unter Wasser." Aus Angst vor umstürzenden Bäumen habe die Familie im Erdgeschoss übernachten wollen. Eindringendes Wasser zwang die Bewohner dann aber doch, im oberen Stockwerk zu schlafen. An echten Schlaf sei aber erst zu denken gewesen, als das Wasser leicht zurückging.
Explosionen über Oceanside, Meeresfische im Wohnzimmer
"Nach und nach hat man Explosionen von Stromtransformatoren gehört. Die Explosion des Hauptstromgenerators hat den Himmel über Oceanside 30 Sekunden lang erhellt. Ab dem Moment hatten wir Angst. Sowas hatte von uns keiner zuvor erlebt", berichtet die 18-Jährige.
Glücklicherweise hätten die Gasteltern sie und die Kinder die ganze Zeit über beruhigt. Sarah (9) habe hat die ganze Zeit nur geweint und wollte umarmt werden. Brian (8) habe alles etwas "cooler" aufgenommen und irgendwann angefangen, die Meeresfische im Wohnzimmer zu fangen.
Lage hat sich am Dienstag entspannt
Am Dienstagmorgen hat sich die Sturmlage dann etwas entspannt. Das Haus konnte die die Familie aber immer noch nicht verlassen. Zu hoch stand das Hochwasser vor der Tür. Erst als die Kinder im Wasser stehen konnten wurde ein Fluchtversuch unternommen. Dies sei gegen 12 Uhr möglich gewesen, erinnert sich Bea.
"Wir haben die Kids auf eine Luftmatraze gepackt, jeder bekam einen Rucksack auf den Rücken und dann ging es einfach raus durch das Wasser." Vier Blöcke weiter hatte die Familie dann endlich trockenen Boden unter den Füßen.
Suche nach einer Unterkunft
Jetzt begann die Suche nach einer Unterkunft für fünf Personen, was sich schwierig gestaltete. Alle Hotels in der Umgebung waren ausgebucht. "Bei Bekannten konnten wir ein Handy im Auto aufladen, da es ja nirgendwo mehr Strom gab".
Nach zwei Stunden Wartezeit auf ein Taxi gelang es der Familie zu den Eltern der Gastmutter zu reisen, wo sie vorerst Unterkunft fand. Jedoch nicht alleine. "Wir wohnen da zusammen mit den Geschwistern meiner Gastmutter und deren Familien, die nämlich das Gleiche erlebt haben", erklärt die 18-Jährige.
Wie es weitergehe, wisse derzeit niemand. Das Haus sei nicht mehr bewohnbar und beide Autos kaputt. "Ich denke, jeder hofft hier gerade einfach nur auf Notfallhilfe vom Staat, denn die Versicherung übernimmt wirklich nur einen Bruchteil der Schäden."
Stefanie Bea hofft nun, dass sie weiterhin Teil der Familie bleiben kann und dass die beiden Kinder das Erlebte so schnell wie möglich verarbeiten können.