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19.02.2013  |  von  |  0 Kommentare

Villingen-Schwenningen Sitzenbleiben abschaffen: Uneinigkeit über Kultusminister-Vorschlag

Villingen-Schwenningen -  Ob das Sitzenbleiben in der Schule gut ist oder schlecht, darüber lässt sich trefflich streiten. Doch in einem Punkt scheinen sich alle einig zu sein: Über die Idee des neuen baden-württembergischen Kultusministers Andreas Stoch (SPD) besteht noch Diskussionsbedarf.

Von Büchern begraben: Viele Schüler kommen mit starkem Leistungsdruck nicht klar. Die Klasse zu wiederholen, ist für viele Schüler nicht schön, oft kann es aber auch eine wichtige Erfahrung sein, finden die Praktiker vor Ort.  Bild: lassedesignen - Fotolia



.„Grundsätzlich ist der Gedanke, das Sitzenbleiben abzuschaffen, sehr verfolgenswert“, findet Hans-Joachim Bürner. Der Rektor der Bickebergschule sagt aber auch: „Allein das Sitzenbleiben abschaffen, reicht nicht.“ Seiner Meinung nach würde das nur gehen, wenn schwächere Schüler dann durch spezielle Hilfestellungen und Kurse unterstützt werden. Die schulschwachen Kinder müssten dann seiner Ansicht nach viel mehr unterstützt und gefördert werden. „Ihre Probleme müssen differenziert betrachtet und zielgerichtet angegangen werden“, sagt der Schulleiter.

„Ihre Stärken müssen weiter ausgearbeitet und ihre Schwächen reduziert werden“, erklärt er. Schwachen Schülern solle vermittelt werden, dass sie nur im Augenblick den Anforderungen nicht gerecht werden. Die Lehrer seien dann gefragt, die Schüler solange zu unterstützen, bis sie wieder auf die Beine kommen, erklärt Hans-Joachim Bürner. Dies sei ein grundsätzlich anderer Ansatz als der, der bisher in der baden-württembergischen Schulpolitik verfolgt worden sei.

Simone Duelli-Meßmer, Schulleiterin des Gymnasiums am Hoptbühl, hat die Erfahrung gemacht, dass sich Schüler während ihrer Ehrenrunden unterschiedlich entwickeln. „Für manche ist es eine Chance. Für sie ist es gut, wenn ihnen die Zeit gegeben wird, die sie brauchen. Andere werden aber auch beim zweiten Mal nicht wesentlich besser“, sagt sie. Würde das Sitzenbleiben abgeschafft werden, müsste ein ganz anderes Fördersystem eingeführt werden, ist sich die Schulleiterin sicher. „Doch auch da sehe ich Grenzen“, meint sie. So könne etwa nicht jeder das Abitur schaffen.

Peter Dregger, Konrektor an der Karl-Brachat-Realschule, sieht den Vorschlag von Kultusminister Andreas Stoch kritisch. „Manche Schüler wollen nicht lernen. Ihnen müssen Grenzen gezeigt werden“, sagt er. „Sie müssen lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und da gehört notfalls auch das Sitzenbleiben dazu“, erklärt er. Werde das Sitzenbleiben abgeschafft, werden ihre Leistungen zwar geschönt, sagt er. Doch das räche sich spätestens, wenn sie sich bewerben.

Als gut gemeint, aber dafür als realitätsfern empfindet CDU-Stadträtin Renate Breuning den Vorstoß Andreas Stochs. Die Begabungen der Schüler seien sehr unterschiedlich. „Wenn schwache Schüler mitgeschleppt werden, wird die Qualität der Schulen deutlich sinken“, befürchtet sie. Davon, dass das Sitzenbleiben abgeschafft wird, werden die Schüler nicht besser, meint die ehemalige Lehrerin.

Wiederholen ist nach Ansicht des SPD-Stadtrates Bernd Schenkel keine Niederlage. „Es ist nicht das Ende, sondern eine Erfahrung“, sagt der Lehrer. Das Sitzenbleiben könne für Lehrer ein Druckmittel sein. Für Schüler stelle die Möglichkeit, eine Klasse zu wiederholen, eher eine Motivation dar. Die Idee, das Sitzenbleiben abzuschaffen, empfindet er zumindest für das Gymnasium als ungeeignet. „Bevor das Sitzenbleiben abgeschafft wird, sollte es auf jeden Fall erprobt werden. Dafür könnte die Gemeinschaftsschule, wo individuelles Lernen stärker fokussiert wird, einen geeigneten Raum bieten“, sagt er.

Das Sitzenbleiben abzuschaffen, sei eine zu pauschale Forderung, so Grünen-Stadtrat Joachim von Mirbach, obwohl er einer Liberalisierung der Versetzungsordnung grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Statt eine Klasse gleich wiederholen zu müssen, könne ein Schüler probeversetzt werden. „Das Sitzenbleiben generell abzuschaffen fände ich nicht richtig“, sagt er.

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