Auf dem Wochenmarkt müssen die Anbieter zum Teil zu Großhandelsware greifen – die Felder sind einfach steinhart gefroren
Fast 20 Grad Minus sogar in der sonst so warmen Ortenau: „Das ist zuviel“, sagt Josef Brandstetter aus Oberkirch, der sich wie zur Zeit wohl alle Freilandgärtner Sorgen um seine Obst- und Gemüsekulturen macht. Selbst typische winterliche Vitaminlieferanten wie Feldsalat, Rosenkohl und Lauch, die Kälte mögen und ein wenig Frost zur vollen Geschmacksentfaltung sogar brauchen, macht der plötzliche Kälteschock zu schaffen. Das derzeit größte Problem des langjährigen Stammbeschickers auf dem Villinger Wochenmarkt: „Ich kann kaum etwas ernten.“
Der Boden ist bis in tiefere Schichten durchgefroren, Lauch und Kohl sind steinhart. Die Pflanzen können jetzt weder aus der Erde gezogen und auch nicht anderweitig geerntet werden. Sie müssten dazu zwangsläufig berührt werden, bei Frost entstünden dadurch Druckstellen, die beim Auftauen schnell faulig werden würden. „Es geht nicht“, fasst der erfahrene Gemüse- und Obstbauer zusammen. Seit etwa einer Woche kann er nicht einmal den Feldsalat schneiden, obwohl der mit einem schützenden Vlies abgedeckt ist. „Das reicht längst nicht mehr“, sagt Brandstetter, denn die dünne Schneedecke, die bislang den harten Nachtfrost abgepuffert hatte, ist verschwunden. „Diese nackte Kälte ist das Schlimmste für die Kulturen.“ In den wärmeren Mittagsstunden kann er zur Zeit nur ein wenig Rosenkohl ernten. Das Gros des Marktsortiments muss er vorübergehend vom Großhandel beziehen: „So ehrlich muss man sein.“
Wie Beerensträucher und vor allem die im Spätsommer neu angelegten Erdebeerbeete den Kälteschock überstehen, wird sich laut Brandstetter erst im Frühjahr zeigen. Wenn in die jungen Triebe jetzt Frost eindringt, reißen die Zellen auf und zumindest Teile der Pflanzen sterben ab. Mit Frostschäden müsse zweifellos gerechnet werden, sagt Joseph Brandstetter, doch ernsthaft bedrohliche Verluste fürchtet er nicht: „Die Natur macht sich nicht selbst kaputt.“ Er sei zuversichtlich, dass die Kältewelle bald abebbt und er wieder mit der Ernte auf den winterlichen Freilandkulturen beginnen kann.