Seit gestern hat in der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) ein neuer Mann das Sagen. Rainer Müldner hat seinen Job als Geschäftsführer der WBG angetreten. Er wird damit Nachfolger von Matthias Sacher, der vom Aufsichtsrat die fristlose Kündigung erhalten hatte.
Gestern Morgen kam Müldner zum ersten Mal in sein Büro. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter offenbar die Überraschung des Tages. Sie waren im Vorfeld nicht von der Arbeitsaufnahme Müldners informiert worden. Erste „Amtshandlung“ von Sacher: Er berief eine Personalversammlung ein, um sich der Belegschaft vorzustellen.
Für den neuen Mann am WBG-Ruder war es ein reibungsloser Übergang. Noch am Mittwoch hatte Müldner an seinem Schreibtisch bei der Sparkasse Schwarzwald-Baar gesessen, wo er zuletzt für den Immobilienbereich verantwortlich zeichnete.
Einen Schlussstrich unter den „Fall Sacher“ gab es auch gestern nicht. Der hatte nicht nur in diesem Gremium, sondern auch im Gemeinderat für heftige Turbulenzen gesorgt. Eine knappe Mehrheit des Gemeinderates hatte versucht, Sacher im Amt zu halten, sich aber am Aufsichtsrat die Zähne ausgebissen. Der hatte ebenfalls mit knapper Mehrheit an der fristlosen Kündigung von Sacher festgehalten.
Über Wochen hinweg hatte das Gerangel um den Geschäftsführer und das Tauziehen zwischen Sacher und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Oberbürgermeister Rupert Kubon die Schlagzeilen bestimmt. Zwischen den beiden war das Vertrauensverhältnis völlig zerstört, was Kubon veranlasst hatte, im Aufsichtsrat die Entlassung Sachers durchzusetzen. Zuvor hatte Sacher vergeblich beim Aufsichtsrat versucht, seinen Aufsichtsratsvorsitzenden loszuwerden. Die WBG-Prokuristin hatte sich ihrerseits mit Sacher überworfen und musste ebenfalls gehen.
In der nichtöffentlichen Sitzung des Aufsichtsrates ging es nun gestern nach Informationen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen darum, unter welchen Konditionen die Trennung von Sacher endgültig über die Bühne gehen könnte. In den vergangenen Wochen hatten die Rechtsanwälte von Sacher und der WBG miteinander verhandelt.
Die WBG hatte Sacher dem Vernehmen nach eine Abfindung von 130 000 Euro angeboten, Sacher wollte 200 000 Euro. Derzeit zeichnet sich ab, dass Sacher an die 130 000 Euro erhalten könnte. Darin wäre allerdings die Übernahme des Firmenfahrzeuges enthalten.
Eine Einigung scheint es aber zwischen den beiden Parteien noch nicht zu geben, was angeblich nicht an der Abfindungssumme liegen soll. Aufsichtsratsvorsitzender Rupert Kubon: „Von mir gibt es in dieser Angelegenheit auch weiterhin keinerlei Stellungnahme in der Öffentlichkeit. Ich kann nur bestätigen, dass Herr Müldner heute seine Tätigkeit aufgenommen hat.“
In der WBG setzt man nun darauf, dass mit der Arbeitsaufnahme von Müldner endlich wieder Ruhe einkehrt. Der hatte vor einiger Zeit – noch als designierte Geschäftsführer – erklärt, dass es jetzt zunächst darum gehe, in der WBG wieder ein Klima des Vertrauens zu schaffen. Das sei Voraussetzung für ein erfolgreiches Arbeiten. Mit seinem Auftritt gestern vor dem Personal wollte Müldner damit einen Anfang machen.
