„Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen.“ Fassungslos war am Mittwochfrüh Werner Harder, als er nach dem Auszug des „Injoy-Fitnessstudios“ mit dem Gerichtsvollzieher und anderen Begleitpersonen seine Halle zum gestrigen Zwangsräumungstermin in der Gottlieb-Daimler-Straße inspizierte.
Zwischenwände waren abgebaut und abtransportiert, Inventar entfernt und elektrische Leitungen systematisch zerschnitten worden. Horst Göppinger, der Injoy-Inhaber, beteuerte jedoch auf Nachfrage, alles sei rechtmäßig. „Wir haben nichts mitgenommen oder zerstört, was uns nicht gehört.“
Ob das überhaupt glaubhaft ist, dürfte nun Anwälte und vermutlich Gerichte beschäftigen. Zumal in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ein weiterer Schlag erfolgte. Der neue Mieter Gaetano Cristilli, der auf dem Parkplatz die Fahnen seines Studios G 1 gehisst hatte, traute am Morgen seinen Augen nicht. Die Fahnen samt sieben Meter langem Fahnenmast waren verschwunden. Für Cristilli ist klar, dass dies kein Zufall war.
Vor allem die zahlreichen zerschnittenen Elektroleitungen sorgten beim Eigentümer für Empörung. Auf den Elektriker wartet viel Arbeit, Harder schätzt den Schaden auf mindestens 100.000 Euro. Er sprach von „krimineller Energie“. Und schnell keimte der Verdacht auf: Hier wurde vom Mieter und seinen Helfern systematisch Sabotage betrieben, um die Eröffnung des neuen Studios G 1 von Gaetano Cristilli möglichst lange hinauszuzögern. Sogar der Schaltplan am Verteilerkasten war gestern verschwunden, vermutlich, um dem Elektriker das Leben schwer zu machen.
Horst Göppinger, vom SÜDKURIER daraufhin telefonisch befragt, wies diese Darstellung zurück. Das gesamte Elektronetzwerk, so behauptet er, sei auf Kosten seines Vorgängers Hans Günter, dem er das Studio abgekauft hatte, installiert worden. Auch die Zwischenwände, die abgebaut wurden, sei von Günter errichtet worden und daher sein Eigentum.
Da viele Elektroleitungen über die Zwischenwände verlegt wurden, habe man sie abtrennen müssen. Auch die Sauna-Einrichtung, die er mitgenommen habe, seien von Günter investiert worden. Und schließlich habe er auch das Kühlaggregat der Eingangstheke mitgenommen, die einst von einer Brauerei für Günter finanziert worden sei. Er habe sich keine Sachbeschädigung oder Diebstahl zu Schulden kommen lassen, wies er Anschuldigungen der Gegenseite zurück.
Werner Harder indes wies gestern diese Darstellung entschieden zurück. Es sei klar geregelt gewesen, dass die Eingangstheke und die Saunaeinrichtung an den Hauseigentümer zurückfalle und auch die Elektroleitungen seien von ihm und nicht vom Vormieter Hans Günter bezahlt werden. Außerdem liegt auf sämtlichem Inventar ein gerichtlich verfügtes Vermieterpfandrecht.
Das heißt, dass der Vermieter ohne Einvernehmen des Mieters gar nichts entfernen durfte. Harder spricht daher von „Diebstahl“ und „böswilliger Zerstörung“. Er und sein neuer Mieter starten nun durch, um das Studio G 1 im „Ifängle“ so schnell wie möglich wieder fit zu machen. Gaetano Cristilli hofft, dass dann möglichst viele der einst 2000 Mitglieder des „Injoy“ kündigen und bei ihm in der Gottlieb-Daimler-Straße trainieren.
Spätestens, nachdem die Injoy-Mitglieder jetzt nach St. Georgen und Schwenningen ausweichen müssten, hätten sie ein fristloses Kündigungsrecht, betont er.
Doch unter Hochdruck arbeitet auch Horst Göppinger an der Fertigstellung eines neuen Studios im Brigach Business Center in der Wilhelm-Binder-Straße, um beim Wettlauf um die Mitglieder nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die meisten Bauarbeiten seien bereits erledigt, behauptete er, am 1. August soll der Studiobetrieb provisorisch eröffnet werden.
Entgegen der Vermutung seiner Gegner, dass er zur Erfüllung der umfangreichen Brand- und Lärmschutzauflagen noch Monate brauchen würde, bis das Studio fertig ist, äußerte sich der BBC-Geschäftsführer zuversichtlich.

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