Schwarzwald-Baar SPD steht hinter Friedrich Scheerer
26.01.2009
Schwarzwald-Baar (cn) Der um Ortenau-Gemeinden erweiterte SPD-Kreisverband demonstrierte Geschlossenheit: Mit 55 Stimmen wurde Friedrich Scheerer am Samstag bei der Nominierungskonferenz im Theater am Ring zum Kandidaten für die Bundestagswahl am 27. September gewählt. Drei Delegierte enthielten sich, zwei stimmten mit Nein. Der Bürgermeister von Mönchweiler zeigte sich „überwältigt“ von dem guten Ergebnis. Er war der einzige Bewerber, nachdem Kreisvorsitzende Beate Schmidt-Kempe auf eine dritte Kandidatur verzichtet hatte. Auch einige Jusos aus dem Umland und ein gestandener Genosse aus Villingen-Schwenningen hatten mit einer Bewerbung geliebäugelt, sich aus „beruflichen Gründen“ aber wieder distanziert, erklärte die Kreisvorsitzende, die den Einzug ins Bundesparlament vor vier Jahren knapp verfehlt hat. Es sei „elementar wichtig“, dass die SPD des Wahlkreises dort wieder vertreten sei, Scheerer sei der richtige Mann. In einer sachlichen, emotionsarmen Rede stellte sich der 50jährige vor.
Seine Verwaltungslaufbahn begann im mittleren Justizdienst seiner Heimatstadt Heidelberg und führte 1990 zur Stadtverwaltung von Furtwangen, wo er in den SPD-Ortsverein eintrat. 1994 wurde er Vorsitzender der Furtwanger SPD: „Dort liegen meine Wurzeln.“ Inzwischen war Scheerer Ordnungsamtsleiter von Bad Dürrheim. Nach der Wahl zum Bürgermeister von Mönchweiler zog er 2000 dorthin, wurde zudem in Kreistag und Regionalverband gewählt, ist auf Landesebene Sprecher des Arbeitskreises Mediendörfer. Politisch stellte sich Scheerer als Mann der Kompromisse vor, sein wichtigstes Kapital für eine etwaige Arbeit als Bundesparlamentarier sei der enge Bezug zur Bevölkerung im Wahlkreis.
„Wie soll man gute Politik in Berlin machen, ohne Wurzeln in der Region zu haben?“ fragte er mit einem Seitenhieb auf CDU-MdB Siegfried Kauder, dem er diese Bindung absprach. „Wir müssen der erkennbaren Erosion im sozialen Zusammenhalt Einhalt gebieten“, skizzierte der Bewerber seinen Schwerpunkt. Zusammenfassend stehe „soziale Sachpolitik“ im Mittelpunkt. Er bat die Delegierten „von ganzem Herzen“ um Unterstützung im bevorstehenden Wahlkampf, dies im Bewusstsein, dass die Listenplätze „schon so gut wie vergeben seien“. Er sei gleichwohl hoch motiviert. Scheerer vermied Attacken gegen politische Kontrahenten, kritisierte lediglich den Vorschlag des FDP-Landtagsabgeordneten Ernst Burgbacher, Steuern zu senken. Im SPD-Kreisverband wolle er sich um Integration bemühen und Brücken über die bestehenden Gräben bauen. Der Beifall war herzlich, die Aussprache kurz. Lukas Duffner lobte die neue Geschlossenheit im Kreisverband und sah trotz wahrscheinlich schlechter Platzierung auf der Landesliste eine „echte Chance“. Ähnlich optimistisch äußerte sich Bernd Schenkel. Scheerer sei „ein Mann des langen Atems“, ein Verwaltungsexperte, der sich auch kommunalpolitisch bewährt habe: „Solche Leute brauchen wir in Berlin“. Der Kandidat sei keine Eintagsfliege: „Du wirst es schaffen.“ Karmen Pätzold aus Hornberg gemahnte, die Bedeutung der Ortenau-Gemeinden nicht zu vergessen. Von 69 potenziellen Delegierten waren 60 anwesend, ihr Votum war eindeutig. Nach der Wahl strahlte der Kandidat, sprach gar von der Möglichkeit, mit einem Direktmandat in den Bundestag zu ziehen: „Damit würden wir Schlagzeilen machen.“ Sollte Friedrich Scheerer dieses Kunststück gelingen, müssten sich die Bürger von Mönchweiler einen neuen Bürgermeister suchen.
Zunächst glaube ich nicht, dass er ...