Ein Bild aus glücklichen Fasnettagen Ende der 50er-Jahre: Meistens zur Fasnetzeit tauchte der mit 2,44 Metern größte Mann Europas, der auch noch verwandtschaftlich mit der Wirtsfamilie Storz verbandelt war, im Gasthaus zum Ott als Attraktion auf. Walter Straub hieß der „Riesenkerl“ und kam aus dem benachbarten Dunningen.
Genau wie beim Villinger Lokalheld Romäus waren seine Eltern und Geschwister normal gewachsen. Dass bei einem solchen „Riesenlulatsch“ die Kleiderfrage eine ganz prekäre war, war nur allzu verständlich. Doch die Taschentücher und die Krawatten konnte er wenigstens normal erwerben. Auch seine Nachtruhe war durch die viel zu kurzen Betten nicht die allerbeste. Ein Doppelbett war für ihn da schon angebrachter, denn dort konnte er wenigstens schräg liegen und so auch den verdienten Schlaf genießen.
Allgemein war Straub als umgänglicher Typ bekannt und auch seine Essensgewohnheiten und -portionen waren der Normalität angepasst. Dass er einmal den Zirkus Krone in Verlegenheit brachte, als der seine Zelte in Villingen aufbaute, war in der ganzen Region eine Lachnummer. Der Zirkus hatte angeblich den größten Mann Europas zu präsentieren und machte mit diesem auch auf Plakaten kräftig Werbung. Doch als sie Walter Straub sahen, wurden die Plakate in Windeseile wieder entfernt.
Dass der Riese für Werbezwecke eingesetzt wurde, war nur zu verständlich. Übrigens war das Gasthaus Ott an der Fasnet Anlaufstelle für die echten Villinger Narren. Viele werden sich sicher noch erinnern an die unvergessenen „Rietobede“ oder die Bälle der „Alte Jungfere“, an die Auftritte „vum Bärle“, „vum Meder“ und natürlich „vum Beizer dem Storze Ernscht“.